ifo Institut: PISA-Abstieg gefährdet unseren Wohlstand
Prof. Ludger Wößmann, Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik
Investmentfonds.de - München, 14. September 2026 – Der Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik, Ludger Wößmann, warnt vor den wirtschaftlichen Folgen der schlechten PISA-Leistungen. „Die grundlegenden Kompetenzen der Bevölkerung sind von zentraler Bedeutung für die wirtschaftliche Produktivität, individuelle Einkommen und gesamtwirtschaftliches Wachstum“, sagt Wößmann. „Deshalb muss der eklatante Abstieg der PISA-Ergebnisse zu einem Umdenken in der Bildungspolitik führen. Die Vermittlung der Basiskompetenzen muss höchste Priorität haben.“
Der Rückgang der Mathematik- und Leseleistungen seit der letzten Studie von 2022 entspricht langfristig einem durchschnittlichen Verlust im Erwerbseinkommen von 3 bis 4 Prozent. Im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau von 2018 sind es sogar 9 bis 10 Prozent. Auch gesamtwirtschaftlich gehen der deutschen Volkswirtschaft Billionenbeträge verloren. Personen mit geringeren Basiskompetenzen sind weniger produktiv bei ihren wirtschaftlichen Tätigkeiten und üben eher Berufe mit geringerer Wertschöpfung aus. Darüber hinaus geht ein geringeres Bildungsniveau mit fehlender Innovationsfähigkeit einher. „Um in gut bezahlten Hightech-Berufen international wettbewerbsfähig zu sein, benötigen wir ein Bildungssystem, das Spitzenleistungen hervorbringt“, sagt Wößmann. Da Künstliche Intelligenz (KI) Antworten auf Faktenfragen leicht liefere, ginge es in Zukunft umso mehr darum, die richtigen Fragen zu stellen, Antworten zu hinterfragen und Problemlösungen zu entwickeln. Daher würden gute Basiskompetenzen nur noch wichtiger werden.
Die heute veröffentlichte PISA-Studie zeigt, dass die Lese-, Mathematik- und Naturwissenschaftsleistungen der deutschen 15-Jährigen nach dem Einbruch während der Coronazeit (2018-2022) bis 2025 noch einmal deutlich gesunken sind und historische Tiefststände erreicht haben. „Es ist auch nicht beruhigend, dass viele andere westliche Länder ebenfalls Rückgänge zu verzeichnen haben“, sagt Wößmann. „Das bedeutet lediglich, dass dort der Wohlstand ebenfalls gefährdet ist – zumal die Leistungen in vielen ostasiatischen Ländern uns mehrere Schuljahre voraus sind.“
Der PISA-Abstieg müsse in Politik und Gesellschaft zu einem neuen Fokus auf die Vermittlung von Basiskompetenzen führen. In den Schulen müssten die Lehrkräfte die in der Coronazeit abgesenkten Standards wieder auf das vorherige Anspruchsniveau anheben. Die Noteninflation müsse zurückgedreht werden. Auch in den Familien müssten Eltern ihre Kinder zum Lernen motivieren und begeistern. In der Bildungspolitik könnten jährliche deutschlandweit einheitliche Tests die Transparenz erhöhen. Gleichzeitig sollten Schulen mehr Autonomie erhalten, um den besten Weg zum Erreichen der Ziele zu finden. Kinder aus benachteiligten Hintergründen sollten durch Nachhilfe- und Mentoringprogramme gezielt gefördert werden. Schließlich müsse man früh ansetzen: Alle Kinder sollten wie in Hamburg mit viereinhalb einen Sprachtest machen – wer ein Mindestniveau nicht erreicht, bekommt automatisch Förderung.
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