Swisscanto/ZKB | Corporate Hybrids: Energie, Infrastruktur und KI treiben den Markt
Daniele Paglia, Anleihenexperte bei Swisscanto/ZKB
undStefan Weber, Anleihenexperte bei Swisscanto/ZKB
Investmentfonds.de - Trotz enger Spreads erzielten hybride Unternehmensanleihen in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt mehr als doppelt so viel Rendite wie Unternehmensanleihen. Corporate Hybrids profitieren von den Investitionszyklen in KI-Infrastruktur, Netzausbau und Energiewende.
Der globale Markt für Corporate Hybrids hat in den letzten Jahren stark an Tiefe gewonnen. Per Mitte 2026 umfasste er über 380 Anleihen von etwa 140 Emittenten mit einem Marktwert von knapp 300 Milliarden Euro. Lange Zeit war die Anleiheklasse ein Nischenprodukt, doch seit etwa fünf Jahren hat sie sich als fester Baustein im Bond-Universum etabliert.
Sweet Spot zwischen Risiko und Rendite
Corporate Hybrids sind nachrangige Anleihen von Nicht-Finanzunternehmen, die aber meist über ein Investment-Grade-Rating verfügen. Ratingagenturen rechnen sie typischerweise zu rund 50 Prozent dem Eigenkapital des Emittenten an. Damit stehen sie in der Kapitalstruktur hinter höherrangigen Verbindlichkeiten, aber deutlich vor Eigenkapital. Zu den Emittenten zählen in der Regel große Unternehmen aus verschiedenen Sektoren, darunter Versorger, Telekommunikation, Infrastruktur und Energie.Anlegerinnen und Anleger profitieren in der Regel von einem deutlichen Renditeaufschlag gegenüber den Senior Bonds der gleichen Unternehmen. Dieser Aufschlag ist die Prämie für Nachrangigkeit, höhere Volatilität, strukturelle Risiken, mögliche Laufzeitenverlängerungen sowie die Möglichkeit, dass Kuponzahlungen vorübergehend aufgeschoben werden. Durch die Kombination aus Emittenten hoher Bonität und einem attraktiven Renditeaufschlag können Hybride Unternehmensanleihen einen attraktiven Sweet Spot zwischen Risiko und Rendite darstellen.
Resilienz in volatilen Marktphasen
Im Vergleich zu klassischen Investment-Grade-Unternehmensanleihen und High-Yield-Bonds hat die Anlageklasse damit in der Regel ein ausgewogenes Rendite-Risiko-Profil. Sie verbindet eine attraktive laufende Verzinsung mit einer oftmals soliden Emittentenqualität, während die Sensitivität gegenüber Zinsänderungen überschaubar bleibt. Die Kombination aus vergleichsweise kurzen Laufzeiten bis zum erstmöglichen Rückzahlungstermin (Call), robusten Unternehmensratings und attraktiven Renditeaufschlägen kann Corporate Hybrids gerade auch in wechselhaften Marktphasen interessant machen (siehe Abbildung).
Quelle: Bloomberg, ICE, Zürcher Kantonalbank,
Von der Nische zum festen Portfoliobaustein
Corporate Hybrids waren lange Zeit ein Nischenprodukt. Doch seit etwa fünf Jahren haben sie sich als fester Bestandteil des Anleihenuniversums etabliert. Für die kommenden Jahre spricht nun einiges dafür, dass Corporate Hybrids eine zentrale Rolle in der strategischen Anleihenallokation einnehmen werden. Zwar bewegen sich die Spreads nahe historischer Tiefstände, doch solide Fundamentaldaten und eine starke strukturelle Nachfrage stützen das Segment. Hinzu kommt, dass nachrangige Finanzinstrumente durch die aktuellen großen Investitionszyklen – beispielsweise in den Bereichen Energiewende, Netzausbau und KI-Infrastruktur – weiter an Bedeutung gewinnen.Energie, Infrastruktur und Neuemissionen sorgen für Outperformance
Inflationsschock, Zinswende, geopolitische Spannungen sowie die Neubewertung von Zins- und Liquiditätsrisiken machten die vergangenen fünf Jahre zu einem der anspruchsvollsten Zins- und Kreditzyklen der letzten Jahrzehnte. Von August 2021 bis Ende Juli 2026 lag der Jahresrenditedurchschnitt für Corporate Hybrids bei 1,77 Prozent, für Unternehmensanleihen hingegen nur bei 0,71 Prozent. Die Outperformance und die Qualität der Emittenten sind jedoch, wie bei allen Investitionen, kein Garant für Erfolg – Bottom-up-Research ist und bleibt bei der Titelselektion wichtig. Denn auch im Corporate-Hybrid-Universum gibt es problematische Namen, Titel mit erhöhtem Risiko oder Strukturen, die nicht anlegerfreundlich sind.Bei Swisscanto halten wir beispielsweise zyklische Segmente wie REITs (Real Estate Investment Trusts) oder ausgewählte Emittenten aus dem Automobilsektor aktuell bewusst untergewichtet. Auch bleiben wir angesichts der Zinsvolatilität bei sehr langen effektiven Laufzeiten (bis zum ersten Call) vorsichtig. Attraktiv finden wir dagegen Energie- und Infrastruktur-Hybrids sowie Titel mit höheren Reset Spreads – das sind Aufschläge, die nach dem ersten Call-Termin zur Neufestsetzung der Anleihe verwendet werden.
Zudem lassen sich bei Neuemissionen am Primärmarkt attraktive Prämien finden. Weiter schichten wir konsequent zwischen Währungen und Emittenten um, wenn sich das Rendite-Risiko-Verhältnis verschiebt. Gleichzeitig halten wir es aktuell für sinnvoll, eine etwas höhere Liquidität als üblich im Portfolio zu halten, um eventgetriebene Volatilität opportunistisch nutzen zu können.
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