Lazard AM | USA: Zölle, Inflation und Fed-Unabhängigkeit prägen den Ausblick für 2026
Ron Temple, Chief Market Strategist von Lazard AM
Investmentfonds.de - Frankfurt, 14. Januar 2026 – Die wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen des Jahres 2025 werden die Entwicklung der US-Wirtschaft im Jahr 2026 maßgeblich bestimmen. Dieser Ansicht ist Ron Temple, Chief Market Strategist von Lazard. Vor allem die deutliche Anhebung der Importzölle, eine restriktivere Einwanderungspolitik sowie die außergewöhnlich starke Rolle von Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) hätten ein Umfeld geschaffen, das zunehmend Spannungen zwischen Inflation, Wachstum und Geldpolitik erzeuge.
„Zölle dürften die US-Kerninflation in der ersten Hälfte des Jahres 2026 auf 3,5 Prozent oder mehr treiben, während eine strengere Durchsetzung der Einwanderungspolitik gleichzeitig das Arbeitskräfteangebot und das BIP-Wachstum belasten wird“, sagt Temple. Investitionen in KI seien 2025 für rund zwei Drittel des US-Wirtschaftswachstums verantwortlich gewesen – ein außergewöhnlicher Impuls, der sich 2026 voraussichtlich nicht wiederholen lasse.
Historisch hohe Zölle als struktureller Belastungsfaktor
Die US-Regierung habe die durchschnittlichen Zölle auf Warenimporte seit Ende 2024 deutlich erhöht – auf das höchste Niveau seit 1935. Zwar habe die Administration zuletzt gezielte Erleichterungen bei einzelnen Gütern wie Kaffee oder Bananen angekündigt, doch insgesamt rechnet Temple nicht mit einer grundlegenden Kehrtwende: „Angesichts der Haushaltslage dürfte der Spielraum für umfassende Zollsenkungen begrenzt bleiben. Zusätzliche sektorale Zölle sind daher weiterhin wahrscheinlich.“Sollten die aktuellen Zolleinnahmen bestehen bleiben, dürfte das US-Haushaltsdefizit auf einem nicht nachhaltigen Pfad verharren und auf absehbare Zeit mehr als sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts pro Jahr betragen, so der Ökonom.
Inflation mit Verzögerung – Entlastung nur begrenzt in Sicht
Ein wesentlicher Teil der zollbedingten Inflation dürfte sich erst 2026 voll entfalten. Viele der derzeit in den USA verkauften Waren seien noch vor Inkrafttreten der höheren Zölle importiert worden, zudem hätten Unternehmen die verschiedenen Zollpausen im Jahr 2025 genutzt, um ihre Lagerbestände gezielt aufzustocken. „Sobald diese Vorräte abgebaut sind, steigen die Kosten der verkauften Waren spürbar“, so Temple. Unternehmen stünden dann vor der Entscheidung, Margen zu schützen oder Preiserhöhungen an Kunden weiterzugeben – mit tendenziell inflationsfördernder Wirkung.Ein möglicher Gegenpol sei die sich abschwächende Mietinflation. Sinkende Steigerungsraten bei Wohnkosten könnten einen Teil des Inflationsdrucks abfedern, dürften die Zolleffekte jedoch nur teilweise kompensieren.
Arbeitsmarkt: Angebotsschock dämpft Anstieg der Arbeitslosigkeit
Für 2026 erwartet Temple eine Abschwächung des US-Arbeitsmarkts, wobei die zentrale Frage das Ausmaß dieser Abkühlung sei. Zwar habe sich die Nachfrage nach Arbeitskräften bereits spürbar verringert, doch entscheidender dürfte der Angebotsschock sein. Änderungen in der US-Einwanderungspolitik hätten sowohl zu einem deutlichen Rückgang neuer ausländischer Arbeitskräfte geführt als auch die Erwerbsbeteiligung von bereits im Land lebenden Migranten sinken lassen. „Ohne diesen Rückgang im Arbeitskräfteangebot wäre die Arbeitslosenquote bereits stärker gestiegen“, erklärt Temple. Gleichzeitig mahnt er zur Vorsicht: Sollten Unternehmen von einem Einstellungsstopp zu Entlassungen übergehen, könnte sich das Bild rasch eintrüben.Fed zwischen Inflation und Beschäftigung
Vor diesem Hintergrund dürfte die geldpolitische Entscheidungsfindung der US-Notenbank 2026 besonders anspruchsvoll werden. Das Federal Open Market Committee (FOMC) stehe vor der Abwägung, ob es auf steigende Inflation mit einer strafferen Geldpolitik reagieren oder eine Abschwächung des Arbeitsmarkts durch Lockerungen abfedern solle.„Die Spannungen zwischen den beiden primären Mandaten der Fed – Preisstabilität und Vollbeschäftigung – ist so hoch wie seit Jahrzehnten nicht“, sagt Temple. In der Abwägung dürfte die Fed jedoch der Beschäftigung Priorität einräumen, unter der Annahme, dass zollbedingte Preissteigerungen einmalig bleiben und auf Güterpreise beschränkt seien, während Risiken für die Arbeitskräftenachfrage dauerhafter sein könnten.
Beginn vom Ende des US-Exzeptionalismus?
Temple sieht Anzeichen für einen strukturellen Wendepunkt an den Kapitalmärkten. „2025 könnte das Jahr gewesen sein, in dem die langjährige Outperformance der US-Märkte zu Ende gegangen ist“, sagt er. Der Wachstumsvorteil der US-Wirtschaft sei weitgehend aufgebraucht. „Ein schwächerer US-Dollar, angespannte Aktienbewertungen und Gewinne, die sich auf einen engen Kreis KI-verbundener Technologieunternehmen konzentrieren, erhöhen das Risiko einer Underperformance von US-Aktien im Jahr 2026“, so der Experte. „Die Titelauswahl unter den KI-Marktführern wird in den kommenden Monaten entscheidend sein.“Außerhalb der USA seien Bewertungen niedriger und die Gewinnquellen breiter gestreut. Besonders Schwellenländer böten KI-Exposure zu deutlich niedrigeren Bewertungen, auch japanische Aktien erschienen attraktiv. „Das ist kein Aufruf, US-Anlagen grundsätzlich zu meiden“, betont Temple. „Vielmehr geht es um Risikomanagement nach Jahren außergewöhnlicher US-Aktienmarktoutperformance. Sollten wir tatsächlich am Beginn vom Ende des US-Exzeptionalismus stehen, dürfte eine stärkere Ausrichtung auf Nicht-US-Märkte langfristig Früchte tragen.“
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