Capital | Die Märkte warten auf die Geschäftszahlen der Banken
Daniela Hathorn, Senior Finanzmarkt Analystin der Capital.com
Investmentfonds.de - Die Märkte bleiben vorsichtig, da Anleger hohe Anleiherenditen, geopolitische Unsicherheiten und ambitionierte Aktienbewertungen gegen den Beginn einer voraussichtlich erneut starken US-Berichtssaison abwägen. Der Nasdaq 100 gibt von seinen jüngsten Höchstständen oberhalb von 31.000 Punkten nach, während auch der S&P 500 schwächer tendiert. Da die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen weiterhin über 5 % liegt, sind Anleger zunehmend darauf angewiesen, dass das Gewinnwachstum der Unternehmen die aktuellen Bewertungen rechtfertigt. Damit rücken die Prognosen der Unternehmen stärker in den Fokus, während heute die großen US-Banken mit der Veröffentlichung ihrer Geschäftszahlen beginnen. Der US-Dollar bleibt gut unterstützt. Das Währungspaar EUR/USD notiert bei rund 1,12, während die Unterschiede zwischen den wirtschaftlichen Aussichten der USA und Europas immer deutlicher werden. Das US-Wirtschaftswachstum hat sich bislang als vergleichsweise robust erwiesen. Gleichzeitig belasten steigende Renditeaufschläge bei Staatsanleihen, ein schwächeres Wirtschaftswachstum und politische Unsicherheiten die europäischen Vermögenswerte.
Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf den am Mittwoch anstehenden US-Verbraucherpreisindex (CPI). Eine niedriger als erwartete Inflation könnte den Druck auf die Renditen von US-Staatsanleihen und den US-Dollar verringern. Sollte sich die Inflation hingegen als hartnäckig erweisen, würde dies die Erwartungen verstärken, dass die US-Notenbank Fed ihre Geldpolitik weiterhin restriktiv gestalten oder die Zinsen sogar erneut anheben muss – trotz jüngster Anzeichen einer Abschwächung am Arbeitsmarkt. Auch der Ölmarkt bleibt ein wichtiger Risikofaktor für verschiedene Anlageklassen. Der Preis für Brent-Rohöl liegt weiterhin über 100 US-Dollar je Barrel, da anhaltende Angriffe im Umfeld der Straße von Hormus einen geopolitischen Risikoaufschlag in den Preisen aufrechterhalten. Verbesserte Exportströme und alternative Versorgungsrouten verhindern bislang einen noch stärkeren Preisanstieg. Eine erneute Eskalation könnte die Rohölpreise jedoch rasch weiter nach oben treiben und die Inflationssorgen neu entfachen. Damit stehen die Märkte in dieser Woche vor einer heiklen Gemengelage: Starke Unternehmensgewinne könnten die Risikobereitschaft der Anleger stützen. Eine anhaltend hohe Inflation, Anleiherenditen von über 5 % oder ein weiterer Energieschock könnten es dagegen zunehmend schwieriger machen, die hohen Aktienbewertungen zu rechtfertigen.
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