Capital | Die hohe Inflation erschwert die weiteren Aussichten
Daniela Hathorn, Senior Finanzmarkt Analystin der Capital.com
Investmentfonds.de - Die gestrigen Verbraucherpreisdaten waren ein herber Dämpfer für die Hoffnungen auf eine lockerere Geldpolitik. Die Daten bestätigten, dass die Inflation in den USA weiterhin über dem Zielwert liegt und sich, was noch wichtiger ist, weiter von diesem entfernt. Sie zeigen, wie hartnäckig sich der Preisdruck inzwischen entwickelt hat. Dabei lässt sich der anhaltende Inflationsdruck nicht allein auf die weiter steigenden Energiepreise zurückführen.
Tatsächlich zeigt eine Aufschlüsselung der Daten, dass die Kern-Dienstleistungen weiterhin stärker zur Inflation beitragen als die Energiepreise. Das ist besonders problematisch für eine Zentralbank, deren vorrangiges Ziel darin besteht, die Inflation wieder auf 2 % zu senken.
All dies bestätigt weitgehend, dass die US-Notenbank Federal Reserve die Zinsen erneut anheben wird – möglicherweise sogar schon bei ihrer Sitzung in zwei Wochen. Die Märkte schätzen die Wahrscheinlichkeit eines solchen Schrittes inzwischen auf etwa 50:50. Das ist eine deutliche Veränderung gegenüber den zuvor eher auf eine lockerere Geldpolitik ausgerichteten Erwartungen, die nach den schwächeren Arbeitsmarktdaten im September aufgekommen waren.
Die anfängliche Marktreaktion fiel angesichts der höher als erwartet ausgefallenen Inflationszahlen wie erwartet aus: Die Anleiherenditen und der US-Dollar stiegen, während Aktien und Gold nachgaben.
Ein Teil dieser Bewegungen hat sich heute Morgen allerdings wieder umgekehrt, insbesondere bei den Anleihen. Da die langfristigen Renditen bereits auf dem höchsten Niveau seit mehreren Jahrzehnten liegen, stellte sich die Frage, ob Anleger bereit wären, die Renditen noch weiter steigen zu lassen, oder ob das hohe Renditeniveau neue Käufer anlocken würde. Bislang scheint Letzteres der Fall zu sein.
Bei Aktien ist die weitere Entwicklung hingegen weniger ermutigend. Die asiatischen Aktienmärkte gerieten über Nacht erheblich unter Druck, und die US-Aktien-Futures deuten auf einen schwächeren Handelsstart hin.
Die Belastungsfaktoren bleiben dieselben. Im Vordergrund stehen die Sorgen, dass die von KI-Investitionen erwarteten Erträge enttäuschend ausfallen könnten. Gleichzeitig werden Kredite teurer, während die Inflation weiterhin die Gewinnmargen bedroht. Dadurch nimmt die Nervosität an den Märkten spürbar zu.
Vorerst bleiben die Aussichten zwar leicht positiv, doch die Anforderungen an die Unternehmen steigen. Der Druck wächst, sowohl starke Geschäftsergebnisse als auch überzeugende Prognosen für die kommenden Quartale vorzulegen.
Technologieunternehmen müssen in den kommenden Wochen viel leisten, wenn sie den Gesamtmarkt weiterhin stützen wollen. Sollte die Berichtssaison bei den großen Technologiekonzernen und den sogenannten Hyperscalern enttäuschend ausfallen, könnte dies für die globalen Aktienmärkte sehr kostspielig werden. Denn die Marktbreite ist inzwischen äußerst gering: Die Kursgewinne konzentrieren sich auf relativ wenige Unternehmen, während viele andere Aktien nicht gleichermaßen an der positiven Entwicklung teilhaben.
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