Schroders | Warum die ungleichmäßige Erholung bei Private Equity Selektivität verlangt
Dr. Nils Rode, Chief Investment Officer bei Schroders Capital
Investmentfonds.de - Frankfurt am Main, 03.11.2026 - Die ungleichmäßige Erholung bei Private Equity erfordert aus Sicht von Dr. Nils Rode, Chief Investment Officer bei Schroders Capital, höhere Selektivität bei Investoren. Gefragt sind Bereiche mit disziplinierten Bewertungen, strukturellen Wachstumstreibern und operativer Wertschöpfung. Welche Chancen sich daraus ergeben, erläutert er in folgendem Kommentar.
Das Anlageumfeld bleibt volatil. Die makroökonomischen und allgemeinen Marktrisiken haben in den vergangenen drei Monaten weiter zugenommen, insbesondere die Spannungen im Nahen Osten. Nach wie vor besteht das Risiko, dass sich der Konflikt noch länger hinzieht. Mögliche Störungen der Energieversorgung und der Transportwege dürften die Inflation auf hohem Niveau halten und das weltweite Wachstum dämpfen.
Unterdessen hält der KI-getriebene Investitionszyklus an. Wie bei früheren Investitionsbooms rund um bahnbrechende Technologien besteht das Risiko, dass sich Erwartungen und Bewertungen irgendwann korrigieren. Der Zeitpunkt ist ungewiss, doch das Risiko verdient Beachtung, da Kapitaleinsatz, Fremdfinanzierung und Marktkonzentration weiter zunehmen.
Fortschritte bei KI wecken zudem Sorgen vor einer Disruption traditioneller Branchen, insbesondere in Teilen des Softwaresektors. Unserer Ansicht nach ist das Risiko einer Disruption durch KI im Softwarebereich jedoch nicht überall gleich hoch. Manche Geschäftsmodelle sind tatsächlich gefährdet, für andere ist KI neutral oder womöglich sogar vorteilhaft.
Das lässt sich bereits an der zunehmend gespaltenen Erholung der Bewertungen börsennotierter Softwareunternehmen seit der ersten Korrektur ablesen. Der Bewertungs- und Verschuldungsüberhang scheint sich dagegen eher auf große US-Buyouts der Jahrgänge 2021 und 2022 sowie die damit verbundenen Kreditengagements zu konzentrieren.
Die Erholung bei Private Equity bleibt ungleichmäßig
Im zweiten Quartal, für das die jüngsten Zahlen vorliegen, setzte sich die Erholung der Aktivität bei Private Equity fort. Hinter den Schlagzeilen sehen wir jedoch einen Markt, in dem Selektivität mehr zählt als eine breite Marktdynamik.Das Fundraising stieg, getragen von Buyouts, doch die Zahl der abgeschlossenen Fonds (Final Closes) blieb weitgehend unverändert. Das Transaktionsvolumen lag weiter auf hohem Niveau, konzentrierte sich aber auf eine Handvoll KI-bezogener Mega-Finanzierungsrunden. Die Zahl der Transaktionen sank auf den niedrigsten Stand seit dem dritten Quartal 2021.
Auch die Liquidität bleibt knapp. Bereinigt um den Börsengang von SpaceX (Primärplatzierung) normalisierten sich die Exit-Werte nach dem Anstieg großer Transaktionen im ersten Quartal. Die Zahl der Exits sank im Einklang mit den Neuabschlüssen auf den niedrigsten Stand seit dem dritten Quartal 2021. Die Börsengänge zogen an, vor allem bei hochwertigen Technologie- und KI-Unternehmen, doch die Aktivität bei Sponsor-zu-Sponsor-Secondary-Buyouts schwächte sich ab.
Eine breitere Erholung bei Fundraising und Transaktionsaktivität hängt von einer nachhaltigen Verbesserung der Ausschüttungen ab, mit der sich die Reinvestitionsfähigkeit der Limited Partner (LPs) wiederherstellen lässt. Dafür muss wiederum die Lücke zwischen den Erwartungen von Käufern und Verkäufern kleiner werden.
Kleine und mittelgroße Buyouts bleiben attraktiv
Einige der überzeugendsten Chancen sehen wir weiterhin bei kleinen und mittelgroßen Buyouts mit Unternehmenswerten von unter einer Milliarde US-Dollar. Das Kapital konzentriert sich nach wie vor überproportional auf größere Fonds und Transaktionen. Das führt zu Ineffizienzen und zu einem günstigeren Verhältnis von Kapitalangebot und -nachfrage bei kleineren Transaktionen.Der Bewertungsabstand bleibt groß. Im zweiten Quartal lagen die Einstiegsmultiplikatoren bei kleinen und mittelgroßen Buyouts im Schnitt beim 11,0-Fachen des EBITDA, bei großen Buyouts beim 14,0-Fachen. Das entspricht einem Abschlag von 3,0 Multiplikatorpunkten. Gegenüber vergleichbaren börsennotierten Small-Cap-Aktien fiel der Bewertungsabschlag mit rund 11,0 Multiplikatorpunkten noch größer aus.
Das ist wichtig, weil steigende Bewertungsmultiplikatoren als Renditequelle inzwischen weniger verlässlich sind. Niedrigere Einstiegsbewertungen lassen mehr Raum für Wertschöpfung, und kleinere Unternehmen können mehr Spielraum für operative Verbesserungen bieten. Zudem sind sie tendenziell stärker auf ihre Heimatmärkte ausgerichtet und weniger anfällig für geopolitische Verwerfungen und Volatilität im Welthandel. Das ist im aktuellen Umfeld eine wichtige Quelle der Widerstandsfähigkeit.
Hinzu kommt, dass kleine und mittelgroße Buyouts in der Regel weniger Fremdkapital einsetzen als große. Das verringert die Anfälligkeit für steigende Zinsen und Refinanzierungsrisiken. Besonders relevant ist das, weil der Angebotsschock infolge des anhaltenden Krieges im Nahen Osten sowie die schuldenfinanzierten KI-Investitionen und die expansive US-Fiskalpolitik den Inflations- und Zinsdruck erhöhen. Für hochwertige Vermögenswerte stehen weiterhin Finanzierungen zur Verfügung, auch wenn die Kreditgeber wählerischer werden.
Chancen bei Continuation-Investments
Die Liquiditätsdynamik im Private-Equity-Markt verändert sich weiter, wodurch der Secondary-Markt an Bedeutung gewinnt. Im ersten Halbjahr 2026 erreichte das Secondary-Volumen ein Rekordniveau. Continuation-Investments dürften in diesem Jahr den größeren Teil der Gesamtaktivität ausmachen und damit an den Rekord von rund 109 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 anknüpfen.Da die Ausschüttungen weiterhin unter dem historischen Normalniveau liegen, bleiben LP-geführte Portfolioverkäufe ein wichtiger Liquiditätskanal. Continuation-Investments werden dagegen zu einem strukturellen Bestandteil von Private Equity und sind nicht mehr bloß eine Reaktion auf zyklischen Liquiditätsdruck. Sie erlauben es Managern, hochwertige Unternehmen mit weiterem Wertschöpfungspotenzial zu halten, und verschaffen bestehenden Investoren zugleich Liquidität. Nach unseren Untersuchungen sank der zyklische Anteil der Aktivität von 14 Prozent im Jahr 2024 auf rund 9 Prozent im Jahr 2025.
In unserer Basisprognose übersteigt das Volumen der Continuation-Transaktionen bis 2035 die Marke von 330 Milliarden US-Dollar. Das ist mehr als das Dreifache des heutigen Niveaus.
Für neue Investoren können vor allem Single-Asset-Continuation-Vehikel einen konzentrierten Zugang zu etablierten Unternehmen bieten, mit besserem Einblick in deren operative Entwicklung und Wertschöpfungspläne. Im Vergleich zu klassischen Buyouts boten Continuation-Investments historisch besser vorhersehbare Renditeprofile. Die Haltedauern waren rund 1,5 Jahre kürzer, die Managementgebühren etwa halb so hoch. Besonders attraktiv ist der Lower-Mid-Market: Mehr als zwei Drittel der Continuation-Gelegenheiten, die wir sehen, betreffen Unternehmen mit Unternehmenswerten von unter 750 Millionen US-Dollar.
Dynamischer Venture-Markt erfordert Selektivität und das Vermeiden von Konzentration
Am anderen Ende des Marktes ist bei Venture Capital größere Vorsicht geboten. Die Bewertungen haben über alle Phasen hinweg neue Höchststände erreicht und die Spitzenwerte des dritten Quartals 2021 übertroffen, vor allem getrieben von KI-Aufschlägen in der Spätphase.KI bietet weiterhin überzeugende langfristige Chancen. Angesichts zunehmend überzogener Bewertungen sind jedoch eine disziplinierte Prüfung und der Zugang zu hochwertigen Gelegenheiten entscheidend. Bemerkenswert ist, dass sich die Bewertungslücke zwischen Spät- und Frühphasen-Venture-Capital vergrößert hat. Das eröffnet Spielraum für einen selektiven Kapitaleinsatz in früheren Finanzierungsrunden und in Sektoren wie der Biotechnologie, in denen die Innovationskraft hoch bleibt, die Bewertungen aber weniger stark gestiegen sind.
Besonders attraktiv erscheinen uns Anlagechancen im globalen Frühphasen-Venture-Capital. Das gilt für Portfolios, die über Regionen und Branchen hinweg diversifiziert sind und unternehmensspezifische Konzentrationsrisiken im KI-Bereich vermeiden.
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Disclaimer: Diese Meldung ist keine Empfehlung zu einer Fondsanlage und keine individuelle Anlageberatung. Vor jeder Geldanlage in Fonds sollte man sich über Chancen und Risiken beraten und aufklären lassen. Der Wert von Anlagen sowie die mit ihnen erzielten Erträge können sowohl sinken als auch steigen. Unter Umständen erhalten Sie Ihren Anlagebetrag nicht in voller Höhe zurück. Die in diesem Kommentar enthaltenen Informationen stellen weder eine Anlageempfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Handel mit Anteilen an Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar.
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