Jennison | KI-Boom: Volatilität ist kein Zeichen für das Ende des Investitionszyklus
Mark Baribeau, Managing Director, Head of Global Equity bei Jennison Associates
Investmentfonds.de - Die Aktienmärkte dürften insbesondere rund um das Thema künstliche Intelligenz (KI) volatil bleiben. Wo hohe Wachstumserwartungen auf ein rasantes Innovationstempo treffen, geht dies häufig mit entsprechend stärkeren Schwankungen einher. Anleger unterscheiden zunehmend zwischen Unternehmen, denen es gelingt, Investitionen in KI in nachhaltiges, profitables Wachstum zu übersetzen, und solchen, bei denen dies nicht der Fall ist.
Diese Volatilität sollte jedoch nicht mit dem Ende des KI-Investitionszyklus verwechselt werden. Wir befinden uns nach wie vor in einer relativ frühen Phase eines technologischen Zyklus mit tiefgreifender Veränderungswirkung, auch wenn dessen Entwicklung nicht geradlinig verlaufen wird.
Nachfrage nach KI boomt
Ob als Verbraucher oder im beruflichen Umfeld, für die meisten nimmt die Nutzung generativer KI exponentiell zu. Unsere laufenden Gespräche und Marktbeobachtungen deuten weiterhin darauf hin, dass das Nachfragewachstum im gesamten KI-Ökosystem das Angebotswachstum übersteigt.Deshalb verbreitert sich auch das Spektrum der Anlagemöglichkeiten. KI-Investitionen gehen inzwischen über Halbleiter hinaus und erstrecken sich auf Cloud-Infrastruktur, Software und zunehmend auch auf die Realwirtschaft. Der enorme Rechenleistungsbedarf von KI schafft Anlagemöglichkeiten in Bereichen wie Stromerzeugung, regulierte Versorgungsunternehmen, Netzinfrastruktur, Kühlung und weitere Infrastruktur.
Soweit Anleger sich wegen des deutlichen Anstiegs der Finanzierungskosten einiger Rechenzentrumsunternehmen sorgen, halten wir dies für ein wichtiges, aber häufig missverstandenes Thema. Angesichts potenzieller KI-Investitionsausgaben von rund 850 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr und mehr als 1,3 Billionen US-Dollar im kommenden Jahr auf Basis aktueller Konsensschätzungen, ist es nur angemessen, dass die Kapitalmärkte bei der Kapitalallokation selektiver werden und diese sozusagen „rationieren“.
Dies wird dazu führen, dass einige eher marginal wirtschaftliche Bauvorhaben für die kommenden Jahre nicht mehr realisierbar sind. Ein ähnlicher Auswahlprozess findet bereits durch Angebotsengpässe bei Grafikprozessoren (GPUs), Speicherchips, Strom und in anderen Bereichen statt. All dies ist jedoch kein Hinweis auf eine nachlassende Nachfrage, die weiterhin boomt. Im Gegenteil: Soweit dadurch der Ausbau neuer Kapazitäten begrenzt wird, dürfte das derzeitige Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage deutlich länger anhalten, als viele erwarten, und sich möglicherweise sogar verschärfen. Der Zugang zu Rechenleistung könnte dadurch schwieriger und teurer werden.
Berichtssaison als nächster Prüfstein
Die Berichtssaison für das zweite Quartal fiel sehr erfreulich aus und führte zu deutlichen Aufwärtsrevisionen der Erwartungen. Die Berichtssaison für das dritte Quartal hat gerade begonnen, und wir hoffen, dass sich diese positive Entwicklung fortsetzt.Allerdings schlugen sich die positiven Revisionen nach dem zweiten Quartal bislang kaum in den Aktienkursen nieder. Eine weitere Runde positiver Revisionen dürfte für den Markt deutlich schwerer zu ignorieren sein. Entscheidend wird sein, ob es weitere Anzeichen für ein außergewöhnlich starkes Nachfragewachstum gibt. Denn genau darauf kommt es an: Wir wissen bereits, dass das Angebot in den meisten Bereichen nicht mit der Nachfrage Schritt halten kann.
Derzeit sehen wir nur wenige Anzeichen für einen Einbruch der Märkte. Warnsignale wären eine KI-Nachfrage, die deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt, Infrastrukturinvestitionen, die keine wirtschaftlichen Erträge erwirtschaften, oder Engpässe bei Strom und anderen physischen Ressourcen, die den Ausbau erheblich behindern. Umgekehrt würden eine anhaltende Verbreitung und Nutzung von KI, ihre zunehmende Monetarisierung sowie weitere Investitionen entlang der sich verbreiternden KI-Wertschöpfungskette die Einschätzung stützen, dass die Einführung und Verbreitung generativer KI in der gesamten Wirtschaft Teil eines mehrjährigen strukturellen Wachstumszyklus bleibt.
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