Capital | Techwerte kommen trotz verbesserter Stimmung nur schwer wieder auf die Beine
Daniela Hathorn, Senior Finanzmarkt Analystin der Capital.com
Investmentfonds.de - Die globalen Märkte haben positiv auf Anzeichen eines möglichen diplomatischen Durchbruchs im Nahen Osten reagiert. Berichte über mögliche Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran wecken Hoffnungen auf eine Entschärfung der regionalen Spannungen. Die Ölpreise sind unter Druck geraten, da Anleger die in den Rohölpreisen enthaltene geopolitische Risikoprämie neu bewerten. Sinkende Energiepreise würden normalerweise die Risikobereitschaft stärken. Die verbesserte Stimmung konnte jedoch bislang keine nachhaltige Erholung der US-Aktienmärkte auslösen. Dies verdeutlicht, dass sich Anleger zunehmend auf die binnenwirtschaftlichen Risiken und die Lage der Unternehmen konzentrieren und geopolitische Entwicklungen nicht mehr allein im Mittelpunkt stehen. Infolgedessen steuern die US-Aktienmärkte auf die vierte Verlustsitzung in Folge zu. Der Nasdaq notiert inzwischen rund 11 % unter seinem Höchststand von Anfang Oktober.
Nachhaltigkeit der KI-Investitionen
Die Sorgen um die Nachhaltigkeit der KI-Investitionen bleiben der wichtigste Belastungsfaktor. Dazu tragen insbesondere die enttäuschenden Marktreaktionen auf die Quartalsergebnisse großer Technologiekonzerne bei. Anleger hinterfragen zunehmend, ob sich die enormen Summen, die in Rechenzentren und KI-Infrastruktur fließen, tatsächlich ausreichend rentieren werden. Der Fokus richtet sich dabei immer stärker auf die Profitabilität, den freien Cashflow und die Monetarisierung der KI-Investitionen. Die weiterhin hohen Renditen von US-Staatsanleihen erhöhen den Druck zusätzlich, da sie den heutigen Wert künftiger Gewinne schmälern. Die Kombination aus ambitionierten Bewertungen, anhaltend hohen Finanzierungskosten und Unsicherheit über die Ertragsaussichten im KI-Sektor erweist sich als erhebliche Belastung für Technologieaktien.Edelmetalle
Auch die Edelmetalle finden nach dem kräftigen Ausverkauf im Oktober bislang nicht nachhaltig in die Erfolgsspur zurück. Silber ist unter die Marke von 50 US-Dollar gefallen, nachdem es im vergangenen Monat rund 20 % an Wert verloren hatte. Belastend wirkten sich die hohen Realrenditen, der starke US-Dollar und der allgemeine Abbau von Fremdfinanzierungen an den Märkten aus. Zwar erholten sich Gold und Silber am Montag, als die Ölpreise und die Renditen von US-Staatsanleihen nachgaben, doch diese Gegenbewegung bleibt fragil. Die Herausforderung für Edelmetalle besteht darin, dass geopolitische Unsicherheit nicht automatisch eine stärkere Nachfrage nach sicheren Häfen auslöst, wenn Anleger zugleich eine restriktive Geldpolitik befürchten. Zudem besteht bei starken Aktienmarkteinbrüchen das Risiko von Liquiditätsverkäufen: Anleger veräußern dann auch profitable oder liquide Positionen, um Barmittel zu beschaffen.US-Zwischenwahlen
Mit Blick auf die kommenden Tage sorgen die heutigen US-Zwischenwahlen für eine weitere Unsicherheitsquelle. Dies gilt insbesondere für den US-Dollar, die Renditen von Staatsanleihen und Branchen, die besonders empfindlich auf fiskal- und regulierungspolitische Entscheidungen reagieren. Anleger werden genau verfolgen, ob das Wahlergebnis die Erwartungen hinsichtlich der Staatsausgaben, der Kreditaufnahme und der Fähigkeit der Regierung beeinflusst, ihre wirtschaftspolitische Agenda umzusetzen. Die unmittelbare Herausforderung für die Aktienmärkte bleibt jedoch die Kombination aus hohen Renditen und wachsenden Zweifeln an der Monetarisierung von KI. Ein diplomatischer Durchbruch im Nahen Osten könnte über niedrigere Energiepreise und gedämpfte Inflationserwartungen für weitere Entlastung sorgen. Um das Vertrauen in Technologieaktien wiederherzustellen, müssten sich jedoch auch die Gewinnerwartungen und Bewertungen stabilisieren.- Ende der Nachricht
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