Capital | Die Märkte bereiten sich auf eine entscheidende Woche vor
Daniela Hathorn, Senior Finanzmarkt Analystin der Capital.com
Investmentfonds.de | Die Märkte sind mit einer deutlichen Abwärtstendenz in die Woche gestartet, da die Stimmung erneut von den wieder aufgeflammten Spannungen zwischen den USA und dem Iran geprägt ist. Angriffe am Wochenende und neue Äußerungen aus Teheran haben die Sorge verstärkt, dass der Weg zu einer dauerhaften Einigung weiterhin unsicher ist. Die jüngste Erklärung des Iran, seine Verpflichtungen aus der Absichtserklärung nicht einzuhalten, solange die USA dies nicht ebenfalls tun, hat diese Ungewissheit noch verschärft – und das, obwohl Berichten zufolge weiterhin Schiffe die Straße von Hormus passieren, ungeachtet der iranischen Behauptung, die Meerenge sei gesperrt.
Die Marktreaktion war im Vergleich zu früheren Ausbrüchen relativ verhalten. Die Ölpreise sind gestiegen, Aktien sind zurückgegangen und die Renditen von Staatsanleihen sind leicht gestiegen, da Anleger einen Teil der Inflationsprämie wieder in die Vermögenspreise eingebaut haben. Allerdings fiel die Reaktion weniger dramatisch aus als zu Beginn des Konflikts, was einen Wandel in der Einschätzung der Situation durch die Märkte widerspiegelt. Anstatt die Straße von Hormus einfach nur als offen oder geschlossen zu betrachten, betrachten Investoren sie zunehmend als ein Kontinuum von Störungen, in dem Schiffsvolumen, Versicherungskosten und Betriebsrisiken schwanken können, ohne dass dies zwangsläufig zu einem völligen Stillstand der globalen Energieströme führt. Diese differenziertere Einschätzung hat dazu beigetragen, eine erneute drastische Neubewertung an den Finanzmärkten zu verhindern, auch wenn die geopolitischen Risiken weiterhin hoch sind.
Geopolitische Aspekte sind jedoch nur ein Teil dessen, was für Anleger eine entscheidende Woche zu werden verspricht. Die Berichtssaison für das zweite Quartal läuft nun richtig an und stellt den ersten großen Prüfstein dafür dar, ob die KI-getriebene Gewinnentwicklung – die den Aktienmärkten bislang Auftrieb gab – die hohen Bewertungen weiterhin rechtfertigen kann. Die Märkte werden dabei nicht nur auf die ausgewiesenen Ergebnisse achten, sondern auch auf die Prognosen, die Investitionspläne sowie auf etwaige Anzeichen dafür, dass sich höhere Kosten oder geopolitische Unsicherheiten auf die Margen auswirken. Gleichzeitig rückt die Geldpolitik wieder in den Fokus. Der Vorsitzende der Federal Reserve, Kevin Warsh, wird vor dem Kongress aussagen; dies bietet Anlegern erneut die Gelegenheit einzuschätzen, wie er die Wirtschaft durch eine Phase steuern will, in der die Inflation über dem Zielwert liegt, aber geopolitische Risiken die Aussichten wieder stärker beeinflussen. Seine Äußerungen in der vergangenen Woche unterstrichen sein Bekenntnis zur Preisstabilität, lieferten jedoch kaum konkrete Hinweise auf den künftigen geldpolitischen Kurs. Weitere Klarheit über die Reaktionsweise der Fed könnte sich als maßgeblich für den Dollar, die Renditen von Staatsanleihen und die allgemeine Risikobereitschaft am Markt erweisen.
Das weitere wichtige Ereignis der Woche ist die Veröffentlichung der jüngsten US-Verbraucherpreisdaten. Angesichts der höheren Inflationswerte zu Jahresbeginn und eines robusten Arbeitsmarktes wollen Anleger wissen, ob der zugrundeliegende Preisdruck trotz des jüngsten Rückgangs der Energiepreise weiterhin hartnäckig bleibt. Ein stärker als erwartet ausfallender Wert würde die Erwartung länger anhaltend hoher Zinsen („higher for longer“) untermauern und dem Dollar sowie den Anleiherenditen weiteren Auftrieb verleihen. Umgekehrt könnte ein schwächerer Bericht dazu beitragen, die Inflationssorgen aufgrund erneuter geopolitischer Spannungen zu dämpfen, und den Aktienmärkten einen dringend benötigten Schub geben.
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