Capital | Die Gefahr steigender Zinsen stärkt den US-Dollar und belastet Edelmetalle
Kyle Rodda, Senior Finanzmarkt Analyst der Capital.com
- US-Technologiewerte geben nach, doch die Ergebnisse von Micron könnten die Wende bringen
- Rohölpreise geben nach dem jüngsten Anstieg wieder nach – Hoffnung auf höheres Angebot aus dem Iran
Investmentfonds.de | An der Wall Street war erneut ein Handelstag von Sorgen hinsichtlich der Bewertungen im Bereich der künstlichen Intelligenz und Zinsrisiken geprägt. Technologieaktien belasteten abermals den Markt, drückten den NASDAQ in die Verlustzone und ließen die anfänglichen Gewinne der US-Indizes wieder schmelzen. Angesichts starker Geschäftszahlen von Micron könnte sich die Stimmung gegenüber dem Technologiesektor jedoch bald drehen: Der Chiphersteller übertraf die Analystenerwartungen deutlich und prognostizierte zudem eine robuste Nachfrage nach Chips, was einige der Bedenken hinsichtlich der Kosten und der Nachfrage im KI-Bereich zerstreute. Infolgedessen haben die US-Futures die im Kassahandel verzeichneten Verluste mehr als wettgemacht, was den asiatischen Märkten den Weg für einen deutlich positiveren Handelsverlauf ebnet.
Ein weiterer Treiber der erhöhten Volatilität ist die wachsende Ungewissheit hinsichtlich der künftigen Entwicklung der US-Zinsen. Der US-Dollar legt kräftig zu und erreicht ein 13-Monats-Hoch, da die Märkte im Vorfeld der am Donnerstag anstehenden, entscheidenden Daten zum PCE-Preisindex bereits die Aussicht auf höhere Zinsen einpreisen. Für den von der US-Notenbank (Fed) bevorzugten Inflationsindikator wird ein Anstieg der Kerninflation auf ein Mehrjahreshoch von 3,5 % erwartet; getrieben wird diese Entwicklung durch eine Kombination aus höheren Energiepreisen, starken fiskalischen Impulsen, einer robusten Verbrauchernachfrage und dem Investitionsboom im Bereich der künstlichen Intelligenz. Der erstarkte Dollar setzte Edelmetalle, Öl, Bitcoin und die wichtigsten Währungspaare (Majors) stark unter Druck. Gold fiel unter die Marke von 4.000 US-Dollar, Silber rutschte unter 60 US-Dollar ab, und das Währungspaar USD/JPY näherte sich einem 40-Jahres-Hoch sowie den Bereichen, in denen es in der Vergangenheit zu Marktinterventionen gekommen war.
Zusätzlichen Abwärtsdruck auf den Ölpreis erzeugten die wiederholten Zusicherungen der USA hinsichtlich der freien Durchfahrt iranischen Öls durch den Persischen Golf – eine Passage, die laut US-Präsident Donald Trump keinen Mautgebühren unterliegen würde. Das mögliche Angebot an iranischem Öl auf den Weltmärkten sowie eine sinkende geopolitische Risikoprämie drückten den Preis für WTI-Rohöl unter die Marke von 70 US-Dollar und auf ein Niveau, wie es zuletzt vor Beginn des Konflikts zwischen den USA und dem Iran zu beobachten war. Dieser Preisrückgang erfolgte trotz eines deutlichen Abbaus der US-Rohölvorräte. Auch die Dynamik am Energiemarkt dürfte den US-Dollar stärken, was wiederum – ironischerweise – den Ölpreis weiter belastet. Die dem Iran erteilte Genehmigung verpflichtet das Land dazu, sein Öl in US-Dollar zu verkaufen; dies festigt die Rolle des „Petrodollars“ und kurbelt die Nachfrage nach der US-Währung an.
Die australischen Arbeitsmarktdaten werden in der kommenden Sitzung im Fokus stehen, nachdem die gestrigen, uneinheitlichen Verbraucherpreisindex-Zahlen (VPI) veröffentlicht wurden. Während die Gesamtinflation die Erwartungen untertraf – was die Argumente für eine weitere Straffung der RBA vordergründig schwächte –, blieb der aussagekräftigere bereinigte Durchschnitt hoch, was auf eine hartnäckige Kerninflation hindeutet. Die fundamentale Argumentation für eine Pause oder ein Ende der Zinserhöhungen der RBA hängt von Anzeichen für eine Verschlechterung des Wirtschaftswachstums und der Arbeitsmarktlage ab. Prognosen zufolge schuf die australische Wirtschaft im letzten Monat rund 25.000 neue Arbeitsplätze, wodurch die Arbeitslosenquote möglicherweise auf 4,4 % sinken könnte. Eine deutliche Abweichung von diesen Schätzungen könnte die Zinserwartungen verändern, insbesondere wenn die Daten unerwartet positiv ausfallen.
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