DPAM | Peru: Überzeugende Daten, ungelöste Probleme
Michaël Vander Elst, Head of Emerging Markets bei DPAM
Investmentfonds.de - Korruption, Bestechung, Amtsenthebungsverfahren, Rücktritte und ein Putschversuch – so lautet die Bilanz von sieben peruanischen Präsidentschaften im vergangenen Jahrzehnt.
Für die Wahlen am 12. April gibt es 34 Präsidentschaftskandidaten – von linksextremen bis ganz rechts außen, darunter Populisten, Traditionalisten, ein Komiker und ein ehemaliger Fußballer, der auch mal Bürgermeister war.
Rafael López Aliaga, ein konservativer ehemaliger Bürgermeister von Lima, und der moderate Reformer Mario Vizcarra führen mit moderaten einstelligen Zustimmungswerten, während Keiko Fujimoris Umfragewerte unter ihren früheren Wahlergebnissen schwanken. Die Mehrheit der Wählerschaft ist unentschlossen.
Sicherheit geht vor Korruptionsbekämpfung
Korruption ist nach wie vor weit verbreitet; sie liegt im öffentlichen Diskurs inzwischen aber hinter Sicherheits- und Wirtschaftsfragen. Die Prioritäten haben sich verschoben, insbesondere in städtischen und stadtnahen Gebieten, in denen die Kriminalität steigt. In einigen Regionen haben kriminelle Auseinandersetzungen zu Unruhen geführt und Lücken in der Strafverfolgung aufgezeigt.Externe Einflüsse dürften sich auf die Wahl in Peru weniger auswirken als anderswo in Lateinamerika, wobei marktfreundliche Parteien möglicherweise Unterstützung von US-amerikanischen und internationalen Interessengruppen erhalten, vor allem bei Investitionen und Sicherheitsfragen.
Neuer Senat, weniger Fragmentierung?
Der Übergang von Perus langjährigem Einkammerparlament zu einem Zweikammersystem (Abgeordnetenkammer und Senat) soll die politische Fragmentierung bekämpfen und die Gewaltenteilung stärken. Die Hälfte der 60 Senatoren würde in Wahlkreisen, die andere Hälfte auf nationaler Basis gewählt. Der Senat hätte Entscheidungsgewalt bei der Verabschiedung von Gesetzen und Amtsenthebungsverfahren. Die Zweikammerstruktur soll außerdem die derzeit auf Amtsträger und Ministerien konzentrierten Befugnisse ausgleichen.Durch die Forderung nach einer breiteren nationalen Unterstützung und die Stärkung der legislativen Kontrolle soll das Zweikammersystem Schutz vor schwachen Koalitionsregierungen und informellen Patronage-Netzwerken bieten. Die Einführung eines Senats könnte jedoch zu einer Blockade zwischen den Kammern führen, v.a. wenn die politischen Ausrichtungen auseinanderklaffen.
Wirtschaft: Widerstandskraft und Strukturschwächen
Die wirtschaftlichen Aussichten Perus werden einerseits durch langjährige Schwächen beeinträchtigt. Rund 70 % der Beschäftigung findet außerhalb der formellen Wirtschaft statt, was die Steuererhebung erheblich erschwert, Produktivitätssteigerungen begrenzt und großen Teilen der Bevölkerung den Zugang zu Renten, Krankenversicherung oder Arbeitslosenschutz verwehrt. Fiskalische und soziale Reformen sind schwierig. Insbesondere im Rentensystem scheitern Reformvorschläge regelmäßig bei der Umsetzung.Andererseits sind die Wirtschaftsdaten Perus solide. Trotz häufiger Führungswechsel hat das Land seit fast zwei Jahrzehnten seine konservative Finanzpolitik bewahrt und die Geldpolitik vor kurzfristigem politischem Druck geschützt.
Die Staatsverschuldung liegt mit etwa 32 % des BIP deutlich unter dem Niveau der wichtigsten OECD-Volkswirtschaften (USA: 120 %, Deutschland: über 60 %). Das Haushaltsdefizit ist seit dem Höchststand 2024 von über 3,5 % des BIP zurückgegangen – schneller als in vielen fortgeschrittenen Volkswirtschaften.
Der Preisdruck blieb innerhalb des Zielbereichs der Zentralbank, unterstützt durch eine glaubwürdige Geldpolitik und einen stabilen Währungsrahmen. Auch dies steht im Gegensatz zur anhaltenden Inflation in den USA und Teilen Europas.
Die Wachstumsaussichten sind mit 3 bis 3,5 % bescheiden, aber stabil, angetrieben durch Investitionen im Bergbau, Infrastrukturprojekte und eine stetige Exportnachfrage. Dieses Tempo übertrifft das erwartete Wachstum in Deutschland, trotz weitaus größerer politischer Unsicherheit. Starke Rohstoffpreise bieten weiterhin einen Anker für das Wachstum, während private Investitionen empfindlich auf Wahlergebnisse reagieren.
Peru nähert sich den Wahlen mit einer Rekordzahl an Präsidentschaftskandidaten und vielen Gedanken über Sicherheit, Stabilität und Rechenschaftspflicht. Die vorgeschlagene Wiedereinführung eines Senats bietet einen möglichen Weg zu einer schrittweisen Korrektur, indem die Fragmentierung verringert und die legislative Kontrolle gestärkt werden. Anhaltende Herausforderungen wie Informalität und Schwächen des Rentensystems bleiben ungelöst. Dass das Land aber trotz wiederholter politischer Krisen gesamtwirtschaftlich stabil bleibt, deutet auf ein stärkeres Fundament hin, als der politische Zyklus allein vermuten lässt.
****
Hinweis:
Diese Aussagen in dieser Nachricht stellen keine Anlageberatung dar. Eine individuelle Anlageberatung gibt es unter Experten für Fonds und ETFs, hier kommt man in den Genuss von wachstumsstarken Weltmarkt-Portfolios zur Vermögenssicherung vor Krisen und Inflation auf der Basis von ETFs und Investmentfonds.****
- Ende der Nachricht
Die Aussagen einer bestimmten Person geben deren persönliche Einschätzung wieder (DPAM). Die zur Verfügung gestellten Informationen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen keine Beratung dar (DPAM).
|
INVESTMENTFONDS.DE |
|
INVESTMENTFONDS.DE | Hinweise in eigener Sache:
*** - Anzeige - Newsletter | Aktuell | Kostenlos
Jetzt kostenlos den wöchentlichen Newsletter mit den aktuellsten Markteinschätzungen und Marktanalysen erhalten!
Interesse auf den Blick in die Zukunft der nächsten Börsenriesen?
Hier einfach mit Email registrieren! Jederzeit kündbar.
- Ende Anzeige -
***
Disclaimer: Diese Meldung ist keine Empfehlung zu einer Fondsanlage und keine individuelle Anlageberatung. Vor jeder Geldanlage in Fonds sollte man sich über Chancen und Risiken beraten und aufklären lassen. Der Wert von Anlagen sowie die mit ihnen erzielten Erträge können sowohl sinken als auch steigen. Unter Umständen erhalten Sie Ihren Anlagebetrag nicht in voller Höhe zurück. Die in diesem Kommentar enthaltenen Informationen stellen weder eine Anlageempfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Handel mit Anteilen an Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar.
Risikohinweis: Die Ergebnisse der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Ergebnisse. Die Aussagen einer bestimmten Person geben deren persönliche Einschätzung wieder. Die zur Verfügung gestellten Informationen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen keine Beratung dar.
News zum Thema
Weitere News auswählen
Nachhaltigkeit
In die Gewinner der Energiewende investieren. Das ist mit Fonds möglich: Sparplan, Einmalanlage, Entnahmeplan, Kombiplan