Jennison Associates | Auftragsbestand an Cloud-Verpflichtungen der großen Hyperscaler knackt Zwei-Billionen-Dollar-Marke
Mark Baribeau, Managing Director, Head of Global Equity bei Jennison Associates
Investmentfonds.de - Außerhalb einer „KI-Euphorie-Blase“ sehen wir bei Betrachtung der Daten und gesunkenen Bewertungen einiger KI-Infrastrukturunternehmen einen Markt, der von Skepsis geprägt ist. Viele Marktteilnehmer äußern mit Blick auf die KI-Anlagechancen Bedenken hinsichtlich Bewertungen, stark steigender Investitionsausgaben, möglicher Engpässe beim Ausbau von KI-Kapazitäten, fehlender Finanzierung sowie der Auswirkungen von KI auf andere Branchen – insbesondere auf die Softwareindustrie. Wir beobachten all diese Faktoren. Derzeit sehen wir jedoch nur eine wirklich begründete Sorge: die veränderte Dynamik im Softwaresektor.
Ist der KI-Boom eine Wiederholung der „Dotcom“-Blase der 1990er-Jahre?
Der KI-Boom wird von steigenden, vertraglich unterlegten Unternehmensumsätzen angetrieben. Gleichzeitig ist die Kluft zwischen möglichen Gewinnern und Verlierern zum bestimmenden Merkmal des Marktumfelds geworden. Der Vergleich mit der Technologieblase der 1990er-Jahre ist bei den entscheidenden Kennzahlen irreführend. Ich habe damals selbst investiert, und drei Unterschiede fallen besonders auf:- 1. Bewertungen. Wäre die heutige Phase auch nur annähernd mit 1999 vergleichbar, würden die großen KI-Gewinner vermutlich mit Bewertungsmultiplikatoren im Bereich des 60- bis 70-Fachen gehandelt. Heute notieren viele KI-Profiteure bei einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 bis 25. In einigen Fällen sind sie damit günstiger bewertet als weit verbreitete Qualitätswerte aus dem Konsumgütersektor. Anleger zahlen heute keine überhöhte Prämie für eine allzu optimistische Zukunftserwartung.
- 2. Akzeptanz. Im Jahr 2000 kannte ich niemanden, der jemals ein Buch online gekauft hatte. Heute ist der Einsatz von KI über Altersgruppen und Anwendungsfälle hinweg breit etabliert. Die Technologie hat den Übergang zur Massenakzeptanz bereits vor dem Höhepunkt der Investitionsausgaben geschafft – nicht erst danach. Die meisten Unternehmen, mit denen wir sprechen, setzen KI bereits intern ein, um ihre Produktivität zu steigern. Das ist das Gegenteil der Dynamik von 1999, als die Ausgaben der Nachfrage vorausliefen, die sich noch gar nicht materialisiert hatte.
- 3. Finanzierungsmodell. Der überwiegende Teil der KI-Investitionsausgaben wird aus den operativen Cashflows der größten Hyperscaler finanziert und durch Private Credit für eine neue Generation von Cloud-Infrastrukturanbietern ergänzt. Das unterscheidet sich grundlegend von den spekulativen Börsengängen, die die Technologieblase Ende der 1990er-Jahre prägten. Die Unternehmen, die den heutigen Zyklus antreiben, konnten Kapital zu günstigen Konditionen aufnehmen. Im aktuellen Umfeld übertrifft die Nachfrage weiterhin selbst die optimistischsten Erwartungen. Infolgedessen steigen die Investitionsbudgets weiter, wobei der zusätzliche Finanzierungsbedarf unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit erhält.
Die Finanzmedien haben diese Dynamik noch nicht vollständig nachvollzogen, der Markt bleibt skeptisch. Wir sehen diese Skepsis jedoch als Chance.
„Das ist alles nur Hype, die Endnachfrage fehlt“
Die empirischen Daten stützen diese Kritik nicht. Die Nachfrage nach KI ist nicht mehr theoretischer Natur. Sie zeigt sich zunehmend in vertraglich gebundenen Umsätzen. Bis Ende des ersten Quartals 2026 hatte der gesamte Auftragsbestand an Cloud-Verpflichtungen bei den großen Hyperscalern zwei Billionen US-Dollar überschritten – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorquartal. Mehrere Hyperscaler haben öffentlich erklärt, dass sie mit der aktuellen Nachfrage nicht Schritt halten können. Sie versuchen, bestehende Verträge zu erfüllen und bauen nicht rein spekulativ Kapazitäten auf.Vor einem Jahr war das Nachfragekritische Szenario noch eher nachvollziehbar: Es wurden erhebliche Investitionen getätigt, während die Umsätze noch relativ gering waren. Wir halten dieses Szenario jedoch nicht mehr für zutreffend. Anthropic erreichte schneller als jedes andere Unternehmen zuvor einen hochgerechneten Jahresumsatz von 30 Milliarden US-Dollar. Jüngsten Berichten zufolge ist diese in den vergangenen Monaten bereits auf über 43 Milliarden US-Dollar gestiegen.
Die Zahl der generierten Tokens, also das Maß für die Rechenleistung eines KI-Systems, ist ein weiterer nützlicher Indikator. Nach unseren Schätzungen hat sich das Token-Volumen in den vergangenen zwölf Monaten etwa verzehnfacht und liegt nun bei rund 100 Billionen pro Monat. Dies ist ein Beispiel dafür, wie die unternehmensweite Einführung von KI im großen Maßstab aussieht. Sie legt zugleich jeden Engpass in der Lieferkette offen – von Chips über Speicher bis hin zur Stromversorgung. Innerhalb der KI-Infrastruktur korrelierten die Marktreaktionen, während der Berichtssaison für das erste Quartal 2026 eng mit der Umsatzentwicklung, die nicht durch eine Ausweitung der Bewertungsmultiplikatoren getrieben war.
„Es ist zu spät: Wir haben den Höhepunkt bereits erreicht“
Diese Aussage ist eine berechtigte Sorge. Wir glauben jedoch, dass wir uns noch in der Anfangsphase des KI-Investitionszyklus befinden. Die Investitionsausgaben der Hyperscaler dürften in diesem Jahr 700 Milliarden US-Dollar übersteigen und sind auf dem Weg, sich 2027 der Marke von einer Billion US-Dollar anzunähern. Wir erwarten, dass rund 50 Prozent der Ausgaben im kommenden Jahr auf Halbleiter entfallen werden. Das entspricht einer erheblichen Verschiebung der Gewinnverteilung zugunsten des KI-Computing in beispiellosem Ausmaß.Nvidias kommende Vera-Rubin-Plattform soll im weiteren Verlauf des Jahres 2026 ausgeliefert werden. Sie ist darauf ausgelegt, die Inferenzleistung deutlich zu verbessern und zugleich die Inferenzkosten pro Token um das Zehnfache zu senken. Solche sprunghaften Verbesserungen treiben die nächste Nachfragephase an: Niedrigere Kosten pro Token fördern in der Regel eine stärkere Nutzung, was wiederum höhere Umsätze ermöglicht. Wenn jede neue Plattformgeneration weiterhin solche Verbesserungen liefert, dürfte der Markt aus unserer Sicht weiter wachsen, statt sich zu sättigen.
„Die KI-Anlagechance ist zu eng – es geht nur um Nvidia-GPUs und die ‚Mag 7‘-Hyperscaler“
Die Beschleunigung der KI-Nachfrage hat mehrere Engpässe in der Lieferkette offengelegt, die vor zwölf Monaten vom Markt noch kaum beachtet wurden. Diese Engpässe stellen aus unserer Sicht erhebliche zusätzliche Anlagechancen dar.Der erste Bereich sind CPUs. Mit dem Übergang vom Training von KI-Modellen, das sehr GPU-intensiv ist, hin zu Inferenz und agentenbasierter KI spielen CPU-Chips eine größere Rolle. Die Reasoning-Workloads, die Agenten ausführen, laufen teilweise auf CPUs und nicht ausschließlich auf GPUs. Unternehmen, die CPUs für KI-Workloads bereitstellen, haben angesichts der steigenden Inferenznachfrage deutlich höheres Umsatzwachstum in Aussicht gestellt. Wir glauben, dass diese Entwicklung vom Markt bislang unterschätzt wurde.
Der zweite Bereich betrifft Speicherchips. Hier bestehen derzeit deutliche Engpässe, und die Hersteller gewinnen erstmals seit Jahren wieder Preissetzungsmacht durch neue langfristige Verträge und Take-or-Pay-Vereinbarungen. Das gilt nicht nur für DRAM und High-Bandwidth Memory, die typischerweise mit GPUs eingesetzt werden, sondern auch für NAND-Flash-Speicher, der für Inferenz-Workloads benötigt wird und den Kontext des Modells sowie früheren Output speichert. Das Ungleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot dürfte auch Investitionsgüterunternehmen zugutekommen, die in der Speicher-Lieferkette tätig sind.
Schließlich ist die Stromversorgung die größte physische Einschränkung beim Ausbau der KI-Infrastruktur. Die Nachfrage von Rechenzentren erfordert in den kommenden Jahren eine Vervielfachung der Stromerzeugung. Hersteller von Erdgasturbinen sind bis zum Ende des Jahrzehnts weitgehend ausverkauft. Das schafft Raum für innovative Lösungen, darunter netzunabhängige Brennstoffzellentechnologien hinter dem Zähler, die eine schnellere Strombereitstellung und bessere Umwelteigenschaften bieten.
„Die Monetarisierung von KI wird die optimistischen Erwartungen niemals erfüllen“
Dieser Einwand ist bemerkenswert, weil es inzwischen fast monatlich neue Belege dafür gibt, dass OpenAI – und mittlerweile auch Anthropic – zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen der allgemeinen Unternehmensgeschichte gehören.Etwa die Hälfte der Nutzung agentenbasierter KI entfällt auf Softwareentwicklung. Programmieren war der naheliegende erste Anwendungsfall: Es ist strukturiert, klar definiert, und KI kann es schneller erlernen als ein Mensch. Dadurch verlief die Einführung innerhalb der Technologiebranche weitgehend reibungslos. Technologieunternehmen setzen KI bereits ein, um Programmierkosten zu senken und den Output zu erhöhen. Die Anwendungsfälle weiten sich nun auf andere Unternehmensbereiche aus, wobei Unternehmen ihre Arbeitsabläufe rund um agentenbasierte KI neu gestalten. Das erklärt das exponentielle Wachstum von Anthropic in den vergangenen zwei Jahren.
Außerhalb der Technologiebranche ist es unwahrscheinlich, dass die meisten Nutzer selbst lernen werden, KI zu programmieren. Sie werden fertige Anwendungen benötigen. Nach unserer Zählung gibt es Hunderte von KI-nativen, durch Venture Capital finanzierte Privatunternehmen, die mit agentenbasierten Produkten einzelne Branchen adressieren – darunter Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen, Kundenservice und Lieferketten. Einige von ihnen dürften sich zu sehr großen Unternehmen entwickeln. Wir glauben, dass die nächste Wachstumsphase beim Token-Volumen aus der branchenspezifischen Einführung solcher Anwendungspakete entstehen wird. Die meisten Unternehmen werden auf fertige Anwendungen zurückgreifen, statt ihre Mitarbeitenden in den zugrunde liegenden Modellen zu schulen.
„Die ‚SaaSpocalypse‘ zeigt, warum Investitionen in Technologie derzeit gefährlich sind“
Die „SaaSpocalypse“ bezeichnet den jüngsten Ausverkauf bei Softwareunternehmen, nachdem der Markt begann, die Nachhaltigkeit der Wettbewerbsvorteile dieser Unternehmen infrage zu stellen. KI ermöglicht es Unternehmen, eigene Softwareanwendungen schnell, einfach und kostengünstig zu programmieren. Das macht deutlich, wie riskant Investitionen in Unternehmen sein können, deren Geschäftsmodell durch die zunehmende Verbreitung von KI unter Druck gerät – zumal sich Technologie- und IT-Budgets immer stärker in Richtung KI verschieben.Das Investmentargument vieler traditioneller Softwareunternehmen bröckelt gleichzeitig an mehreren Fronten. Erstens – und das ist wichtig – erwarten wir nicht, dass Kunden ihre Unternehmenssoftwaresysteme kurzfristig abschaffen werden. Diese Systeme dürften als Datenrepositorien bestehen bleiben. Die wertschöpfende Ebene auf diesen Daten wird jedoch zunehmend von Agenten bereitgestellt und nicht mehr von etablierter Software. Das erzeugt im Laufe der Zeit Abwärtsdruck auf die Preise bei Vertragsverlängerungen.
Zweitens verlagern Unternehmen ihre internen Softwareentwicklungsbudgets weg von Neuinstallationen und hin zu Produkten auf Basis agentenbasierter KI. Wir halten es für unwahrscheinlich, dass ein klassisches Großunternehmen in diesem Jahr eine neue CRM-Implementierung prüfen wird. Deutlich wahrscheinlicher ist, dass es Ausgaben auf agentenbasierte Tools umlenkt, die den bestehenden Software-Stack übergreifend nutzen können.
Drittens könnten Wettbewerber mithilfe moderner KI-Modelle neue Anwendungen entwickeln und dadurch Jahre angesammelter Entwicklungsarbeit in einem Bruchteil der Zeit nachbilden. Das würde ehemals robuste Wettbewerbsvorteile untergraben.
Der Markt blickt nach vorne und preist diese Themen bereits ein. Die meisten Softwareunternehmen verfehlen derzeit zwar nicht ihre Gewinnziele. Doch die Gleichung für den Unternehmenswert hat sich verändert, was aus unserer Sicht den Rückgang der Bewertungsmultiplikatoren in der Branche antreibt. Angesichts überzeugenderer Chancen an anderen Stellen der KI-Wertschöpfungskette ist es wichtig, entschlossen zu handeln.
„Es läuft nie alles glatt“
Richtig: Wir glauben, dass die größten Risiken weniger in der Nachfrage nach KI als vielmehr auf der Angebotsseite und bei der praktischen Umsetzung des Ausbaus liegen. Entlang der gesamten KI-Lieferkette gibt es Engpässe. Diese Engpässe verhindern zwar ein noch schnelleres Wachstum, tragen aber auch dazu bei, dass der Ausbau geordneter und über mehrere Jahre hinweg erfolgt. Aus unserer Sicht ähnelt die aktuelle Entwicklung daher weniger einem Goldrausch als einem geplanten Investitionszyklus.Dennoch gibt es bestimmte Risiken, die genau beobachtet werden sollten. Das erste ist die finanzielle Lage der großen KI-Labore. Viele Partner im Ökosystem sind an deren Monetarisierungspfad gebunden. Sollten diese Pfade ins Stocken geraten, könnte das breitere Ökosystem an Stabilität verlieren, selbst wenn andere Anbieter einen Teil der Lücke auffangen könnten. Das zweite Risiko ist politischer Widerstand hinsichtlich Strompreise und Wasserverbrauch in der Nähe von Rechenzentren. Netzunabhängige Stromversorgungslösungen könnten helfen, dieses Risiko zu mindern, doch kurzfristig bleibt es eine reale Einschränkung. Das dritte Risiko betrifft die Kostenstruktur von Tokens. Sollte der Preis pro Token nicht weiterhin auf dem Pfad sinken, den kommende Chipgenerationen nahelegen, könnte die Nachfrage nachlassen. Bisher sehen wir keine Hinweise darauf, dass dies geschieht. Es bleibt jedoch eine Variable, die wir beobachten.
Der häufigste Fehler im Kundenportfolio
Der häufigste Fehler, den wir heute in Kundenportfolios sehen, ist die Annahme, KI sei ein einzelner Trade, bereits vollständig eingepreist, spätzyklisch und mit früheren Blasen vergleichbar. Unsere Analysen legen nahezu das Gegenteil nahe: Wir glauben, dass es sich um einen vielschichtigen, mehrjährigen Zyklus handelt, der durch die Cashflows einiger der profitabelsten Unternehmen der Geschichte finanziert und durch vertraglich gesicherte Unternehmensumsätze bestätigt wird.KI-Infrastrukturunternehmen werden heute zu attraktiven Multiplikatoren auf erwartete Gewinne gehandelt. Das Spektrum an Anlagechancen ist breiter, als der Markt derzeit erkennt, und die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern ist mittlerweile das bestimmende Merkmal des Umfelds. Aus unserer Sicht ist die KI-Anlagechance eine transformative, mehrphasige Investmentchance, die auch in den kommenden Jahren ein fruchtbares Umfeld für aktive Manager bieten dürfte.
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Wie ist die Anlagestrategie der Experten aktuell?
Die INVEXTRA.COM AG hat bereits vor Monaten reagiert und die Investmaxx Stop&Go Depots ihrer Kunden in risikoärmere Anlagen umgeschichtet. „Wir beobachten die Märkte aktuell von der Seitenlinie und warten eine mögliche Korrektur ab. Erst wenn sich eine nachhaltige Lösung im Nahostkonflikt abzeichnet, werden wir wieder selektiv in Aktienmärkte einsteigen“, betont Tittes.
Das Unternehmen setzt bei seiner Vermögensverwaltung auf eine Behavioural-Finance-Strategie, die irrationale Verhaltensmuster von Anlegern und politischen Entscheidungsträgern systematisch berücksichtigt und daraus entstehende Preisanomalien gezielt nutzt, , um rechtzeitig auszusteigen aus Aktienmärkten oder später zu günstigeren Kursen wieder einzusteigen. So konnten die Investmaxx Stop&Go Offenisve Depots seit 1996 ein besseres Rendite-Risikoverhältnis erzielen als der Dax.
Diese Mitteilung stellt keine Anlageberatung dar. Eine persönliche und unabhängige Beratung erhalten Anleger ausschließlich im Rahmen einer qualifizierten Finanzberatung.
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