Capital | Die Märkte verlieren ihre Sommerruhe im Vorfeld von Jackson Hole
Daniela Hathorn, Senior Finanzmarkt Analystin der Capital.com
Investmentfonds.de - Die Märkte beenden die Woche mit einer schwächeren Tendenz, nachdem die relative Ruhe zu Beginn des Augusts durch erneuten Druck an den globalen Anleihemärkten, einen weiteren Anstieg der Ölpreise und wachsende Unsicherheit über den nächsten Schritt der US-Notenbank Fed gestört wurde. US-Aktien haben sich von ihren Rekordständen zurückgezogen, wobei der Nasdaq zu den schwächeren Indizes gehört. Steigende langfristige Finanzierungskosten stellen erneut die hohen Bewertungen infrage.
Der Anleihemarkt war wohl das wichtigste Thema der Woche. Die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen stiegen auf ein Niveau, das zuletzt vor der Finanzkrise erreicht worden war; die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe erreichte kurzzeitig etwa 5,34 %. Bemerkenswert ist, dass dies geschah, obwohl die Märkte zunehmend weniger davon überzeugt sind, dass die Fed die Zinsen unmittelbar anheben muss. Dabei geht es nicht nur um die Inflationserwartungen. Die Bewegung spiegelt auch eine Neubewertung der Laufzeitprämie (Term Premium) wider: Anleger verlangen eine höhere Entschädigung dafür, dass sie hohe staatliche Kreditaufnahme, fiskalische Unsicherheit und den zunehmenden Wettbewerb um Kapital durch die Emissionen von Unternehmen im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz aufnehmen.
Der Druck wurde schließlich so groß, dass das US-Finanzministerium ankündigte, das Volumen seiner Liquiditätsstützungs-Käufe für länger laufende Schuldtitel mindestens zu verdoppeln – auf 4 Mrd. US-Dollar je Operation. Dies half dabei, die Renditen zehn- und 30-jähriger Anleihen wieder zu senken und trug zu einem deutlichen Rückgang des US-Dollars bei.
Das Protokoll der Fed-Sitzung vom Juli brachte eine weitere Unsicherheitsebene hinzu. Daraus ging hervor, dass wesentlich intensiver über eine weitere geldpolitische Straffung diskutiert wurde, als die ursprüngliche Entscheidung, die Zinsen unverändert zu lassen, vermuten ließ. Drei Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses stimmten für eine Zinserhöhung, während in der breiteren Diskussion weiterhin die Sorge bestand, dass die Inflation über dem Zielwert bleiben könnte.
Gleichzeitig haben nachfolgende Konjunkturdaten die unmittelbare Notwendigkeit einer Straffung abgeschwächt: Die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft ging im Juli zurück, die Einzelhandelsumsätze schwächten sich ab und sowohl die Verbraucher- als auch die Produzentenpreisinflation zeigten Anzeichen einer Abkühlung. Die Märkte haben ihre Erwartungen für eine Zinserhöhung im September daher zurückgenommen. Die Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen später im Jahr ist jedoch nicht vom Tisch.
Auch der Ölpreis erschwert die Lage. Brent-Öl ist in dieser Woche deutlich gestiegen, nachdem der Optimismus hinsichtlich einer Lösung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran nachgelassen hat und die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus anhält. Anhaltend hohe Ölpreise drohen die Gesamtinflation hochzuhalten, gerade während die Fed darüber entscheidet, ob sie bereits genug getan hat. Gleichzeitig belasten sie Verbraucher und Unternehmen.
Jackson Hole rückt ins Zentrum
Die kommende Woche dürfte wesentlich mehr Klarheit bringen. Das wichtigste Ereignis ist das Economic Symposium in Jackson Hole vom 27. bis 29. August, bei dem Kevin Warsh erstmals als Fed-Chef sprechen wird.Die Märkte werden genau darauf achten, welche konkreten Inhalte hinter seinen wiederholten Forderungen nach einem „Regimewechsel“ bei der Zentralbank stehen – insbesondere mit Blick auf Kommunikation, Forward Guidance und die Bilanz der Fed.
Warsh hat eine übermäßige Forward Guidance wiederholt kritisiert, weshalb eine direkte Festlegung auf die nächste Zinsentscheidung eher unwahrscheinlich ist. Gerade deshalb könnte seine Rede für die Märkte umso wichtiger sein: Anleger verfügen über vergleichsweise wenig Orientierung durch den neuen Fed-Chef. Jede Andeutung dazu, wie er die anhaltende Inflation, den jüngsten Anstieg der langfristigen Renditen oder die künftige Größe und Rolle der Fed-Bilanz beurteilt, könnte eine deutliche Neubewertung bei US-Staatsanleihen, dem Dollar, Gold und Aktien auslösen.
Nvidia und PCE sorgen für eine volle Woche
Die Quartalszahlen von Nvidia werden die KI-Investitionsstory wieder in den Mittelpunkt des Aktienmarktes rücken. Nach Wochen der Sorge über die Investitionsausgaben der großen Cloud-Anbieter („Hyperscaler“) und die enormen Finanzierungssummen, die für den Ausbau der KI-Infrastruktur erforderlich sind, werden Anleger nach Belegen suchen, dass die Nachfrage nach Chips und KI-Infrastruktur weiterhin stark genug ist, um sowohl die hohen Investitionen als auch die Bewertungen des Sektors zu rechtfertigen.Redaktioneller Hinweis:
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Auch der makroökonomische Kalender ist von großer Bedeutung. Besonders im Fokus steht der Kern-PCE-Preisindex für Juli, das von der Fed bevorzugte Maß für die zugrunde liegende Inflation. Dies gilt insbesondere nach der jüngsten Abschwächung der Verbraucher- und Produzentenpreisinflation (CPI und PPI).
Ein weiterer moderater Inflationswert würde das Argument stärken, dass die Fed geduldig bleiben kann. Ein erneuter Anstieg des Preisdrucks könnte dagegen die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen unmittelbar wieder auf die Tagesordnung setzen.
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