Capital | Unternehmenszahlen, Fed-Politik, geopolitische Spannungen und die US-Wahlen treiben die Volatilität
Kyle Rodda, Senior Finanzmarkt Analyst der Capital.com
Investmentfonds.de - Die globalen Märkte zeigen nach einer Phase geringer Volatilität wieder deutlich stärkere Schwankungen. Die US-Aktienmärkte verzeichnen kräftige Kursbewegungen, Anleiherenditen schwanken, die Devisenmärkte geraten in Bewegung und die Rohstoffpreise entwickeln sich uneinheitlich. Diese erhöhte Volatilität deutet darauf hin, dass Anleger ihre Positionen rasch anpassen, während sie eine Vielzahl makroökonomischer Einflussfaktoren verarbeiten.
Der Technologiesektor geriet in dieser Woche unter Druck, da ein neuer Wettbewerber im globalen Halbleiterwettlauf den Konkurrenzdruck verschärft und die Profitabilität etablierter Marktführer gefährden könnte. Spekulationen über mögliche neue US-Angriffe auf den Iran erhöhen zudem die geopolitischen Risiken und treiben die Ölpreise nach oben. Robuste US-Konjunkturdaten, insbesondere die Inflationszahlen für September, halten die Unsicherheit über die weitere Zinsentwicklung hoch. Dies führt zu ungewöhnlichen Bewegungen an den globalen Anleihemärkten, die zunehmend auf die Devisenmärkte ausstrahlen. Das Zusammenspiel dieser gegenläufigen Einflussfaktoren sorgt für starke Schwankungen in beide Richtungen und erschwert es den Marktteilnehmern, relevante Trends von kurzfristigem Marktrauschen zu unterscheiden.
Die globalen Märkte könnten über einen längeren Zeitraum hinweg von erhöhter Volatilität geprägt bleiben. In den kommenden Wochen treffen mehrere Faktoren aufeinander, die maßgeblich für die Marktentwicklung zum Jahresende sein dürften. Anleger positionieren sich bereits für die nächste Berichtssaison der US-Technologiekonzerne, von der ein weiteres Quartal mit außergewöhnlich starkem Wachstum erwartet wird. Gleichzeitig versuchen sie, Zeitpunkt und Ausmaß möglicher weiterer US-Zinserhöhungen einzuschätzen. Die Zinskurve deutet auf eine weitere Anhebung im Dezember hin, während der Leitzins der US-Notenbank im kommenden Jahr in Richtung 5 % steigen könnte.
Hinzu kommen geopolitische Risiken, die jederzeit eskalieren und einen erneuten Rückschlag für die Weltwirtschaft auslösen könnten. Weniger stark im Fokus stehen bislang die anstehenden US-Zwischenwahlen, die ebenfalls für Unsicherheit an den Märkten sorgen. Dies spiegelt sich in der für Wahlperioden typischen Ausprägung der VIX-Terminkurve wider.
Nach der Erholung an der Wall Street signalisieren asiatische Futures zum Handelsstart Kursgewinne für die wichtigsten Aktienindizes der Region. Für den Rest der Woche stehen nur wenige wichtige Konjunkturdaten an. Im Fokus steht daher eine Rede von Kevin Warsh, dem Vorsitzenden der US-Notenbank, bei einer IWF-Veranstaltung in Thailand. Da Warsh als zurückhaltend gilt und konkrete Hinweise zur künftigen Geldpolitik („Forward Guidance“) weitgehend vermeidet, dürften Anleger seine Aussagen genau analysieren müssen, um mögliche Signale für den weiteren Zinskurs abzuleiten.
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