Capital | Pessimismus wegen hoher Ölpreise und KI-Sorgen
Kyle Rodda, Senior Finanzmarkt Analyst der Capital.com
- Geopolitische Spannungen treiben die Rohölpreise auf neue Mehrjahreshochs zu.
- Die kommende Woche könnte die Richtung der Märkte für den Rest des Jahres vorgeben.
Investmentfonds.de - Die globalen Märkte beendeten die Woche nervös. Geopolitische Risiken und eine an der Wall Street als eher enttäuschend wahrgenommene Berichtssaison belasteten die Stimmung der Anleger.
Die Sorge vor einer Eskalation des Krieges zwischen den USA und dem Iran nimmt erneut zu. Gerüchte und Anzeichen deuten darauf hin, dass die USA nach den Zwischenwahlen neue Angriffe auf den Iran vorbereiten könnten. Zusammen mit weiteren Kampfhandlungen im Persischen Golf und anhaltenden Drohungen der Huthi-Milizen gegen saudische Energieanlagen, die sich Berichten zufolge am Wochenende bewahrheiteten, trieb dies den Brent-Ölpreis auf den höchsten Stand seit mehr als sieben Monaten. Auf Schlusskursbasis erreichte der Kontrakt sogar ein Vierjahreshoch.
Diese Entwicklung belastete die Aktienmärkte weltweit, insbesondere zyklische Werte. Gleichzeitig stiegen die Anleiherenditen, was den US-Dollar stützte und die Preise für Edelmetalle unter Druck setzte.
Auch wenn sich dies im Handel am Freitag kaum bemerkbar machte, bleibt die Marktstimmung angesichts der Unsicherheit über die US-Unternehmenszahlen gedämpft – insbesondere im Technologiesektor. Die bisher veröffentlichten Ergebnisse der US-Unternehmen sind objektiv betrachtet gut. Laut Daten von FactSet steuern die Gewinne für das dritte Quartal auf ein Wachstum von 29,5 % zu. Das wäre eine leichte Aufwärtskorrektur gegenüber der Vorwoche. Zudem übertrafen 83 % der Unternehmen die Erwartungen – ein überdurchschnittlich hoher Anteil.
Die Sorgen der Märkte drehen sich inzwischen jedoch um mögliche Höchststände bei den Investitionsausgaben (CAPEX), dem Gewinnwachstum und dem KI-Trade insgesamt. Verstärkt wurden diese Befürchtungen durch die Ergebnisse von Tesla und Meta in der vergangenen Woche: Tesla senkte seine Investitionsprognose, während Meta sie unverändert ließ. Zugleich wird für den gesamten S&P 500 im laufenden Quartal zwar weiterhin ein sehr kräftiges Gewinnwachstum erwartet, doch dürfte es unter den rund 50 % aus dem zweiten Quartal liegen. In der kommenden Woche treffen mehrere Faktoren zusammen, die die Entwicklung der Märkte für den Rest des Jahres 2026 maßgeblich beeinflussen könnten. An erster Stelle stehen die US-Unternehmensergebnisse: Unter anderem berichten Microsoft, Alphabet und Amazon. Die Marktteilnehmer werden dabei besonders auf die Investitionspläne und die erwartete Entwicklung der Investitionsausgaben achten.
Zusätzliche Volatilität dürften zahlreiche Zentralbankentscheidungen auslösen, darunter die der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). An den Märkten wird derzeit lediglich eine Wahrscheinlichkeit von 10 % für eine Zinserhöhung bei dieser Sitzung eingepreist. Anleger werden jedoch nach Hinweisen suchen, ob die Fed die Märkte auf eine mögliche Zinserhöhung im Dezember vorbereitet.
Darüber hinaus werfen die US-Zwischenwahlen ihre Schatten voraus. Sie finden zwar erst in der darauffolgenden Woche statt, gelten aber als wichtiger Unsicherheitsfaktor für die Märkte – insbesondere, weil sie als informelle Frist für Friedensgespräche mit dem Iran betrachtet werden. Sollten diese bis dahin scheitern, könnten die USA den Krieg erneut eskalieren lassen.
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