Capital | Die Inflation im Vereinigten Königreich fällt höher aus als erwartet
Daniela Hathorn, Senior Finanzmarkt Analystin der Capital.com
Investmentfonds.de - Die Inflation im Vereinigten Königreich hat sich im September stärker als erwartet beschleunigt und damit die Sorgen verstärkt, dass der Preisdruck hartnäckig hoch bleibt. Die Gesamtinflation (Verbraucherpreisindex, CPI) stieg im Jahresvergleich auf 3,5 % und lag damit über der Prognose von 3,4 %. Im August hatte sie noch 3,1 % betragen. Auf Monatsbasis belief sich die Inflation auf 0,4 %.
Die Kerninflation entsprach mit 2,8 % zwar den Erwartungen, ihr Anstieg von zuvor 2,6 % deutet jedoch darauf hin, dass sich der zugrunde liegende Preisdruck nur schwer eindämmen lässt. Diese Zahlen dürften die vorsichtige Haltung der Bank of England (BoE) weiter bestärken, zumal die Inflation nach wie vor deutlich über ihrem Zielwert von 2 % liegt.
Noch besorgniserregender ist möglicherweise die Beschleunigung der Erzeugerpreise. Sie deutet darauf hin, dass sich der Inflationsdruck bereits weiter oben in der Lieferkette verstärkt. Die Preise für Vorleistungsgüter stiegen im Jahresvergleich um 8,3 %, verglichen mit zuvor 6,7 %. Gleichzeitig beschleunigte sich die Teuerung bei den Preisen für Fertigerzeugnisse auf 4,6 %.
Dadurch steigt das Risiko, dass Unternehmen erneut unter Druck geraten, ihre höheren Kosten an die Verbraucher weiterzugeben – insbesondere, wenn die Energiepreise auf erhöhtem Niveau bleiben. Wie stark diese Kosten tatsächlich weitergegeben werden, hängt jedoch von der Nachfrageentwicklung und davon ab, inwieweit die Unternehmen die gestiegenen Kosten durch geringere Gewinnmargen auffangen können.
Die Zahlen sprechen zunehmend für eine Zinserhöhung durch die Bank of England im November. Die Märkte rechnen bereits mit einer Anhebung um 25 Basispunkte auf 4 %. Besonders wichtig ist der Anstieg der Dienstleistungsinflation, da er darauf hindeutet, dass die Inflation nicht ausschließlich auf die Energiepreise zurückzuführen ist.
Die britische Notenbank steht jedoch vor einer schwierigen Gratwanderung: Eine restriktivere Geldpolitik könnte dazu beitragen, die Inflationserwartungen einzudämmen. Gleichzeitig könnte sie aber auch den privaten Konsum und die Investitionen schwächen – und das zu einem Zeitpunkt, an dem die bereits hohen Energiekosten die verfügbaren Haushaltseinkommen belasten.
Für das britische Pfund sind die unmittelbaren Auswirkungen gemischt. Eine höhere Inflation könnte das Pfund stützen, da sie die Erwartungen steigender britischer Zinsen verstärkt. Das gilt insbesondere gegenüber Währungen, deren Zentralbanken unter einem geringeren Druck stehen, ihre Geldpolitik zu straffen.
Eine höhere Inflation ist jedoch nicht zwangsläufig positiv für das Pfund, wenn sie die Wachstumsaussichten verschlechtert oder das Vertrauen in die britische Finanzlage untergräbt. Die im September verzeichnete staatliche Neuverschuldung von 24,5 Milliarden Pfund, die über den Erwartungen lag, sorgt vor dem für nächste Woche geplanten Haushaltsentwurf für zusätzliche Unsicherheit.
Letztlich dürfte die Entwicklung des Pfund Sterling weniger von der überraschend hohen Inflationsrate selbst abhängen als vielmehr davon, ob die Anleger davon überzeugt sind, dass die Bank of England die Preisstabilität wiederherstellen kann, ohne eine stärkere wirtschaftliche Abschwächung auszulösen.
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