Ophirum Group | Leitfaden: Wie Notenbanken als stille Goldkäufer den Markt prägen
Önder Çiftçi, CEO der Ophirum Group
- Die Zentralbanken bestimmen nicht nur über die Leitzinsen, sie halten und verwalten auch die Goldreserven der Staaten, weltweit sind das rund 36.900 Tonnen. Etliche von ihnen erhöhen sukzessive ihre Goldreserven und kaufen Jahr für Jahr tonnenweise Goldbarren, einige Staaten verkaufen auch. Wie der Markt der Goldreserven funktioniert, wer kauft und verkauft und wie das den Goldpreis bewegt, erfahren Sie im Leitfaden von Ophirum
Investmentfonds.de - Frankfurt, 06. November 2026 – Die Goldreserven der Staaten sind heute wieder weit mehr als nur ein historisches Erbe aus der Zeit goldgedeckter Währungen. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) und des World Gold Council (WGC), einer Interessenvereinigung der globalen Goldindustrie, halten Staaten und staatliche Institutionen rund 36.889 Tonnen an Goldreserven. Das entspricht etwa 17 Prozent des jemals geförderten Goldes und bei einem Kurs von 4.000 US-Dollar je Feinunze einem Gesamtwert von mehr als 4.700 Milliarden Dollar. An der Spitze stehen die Goldreserven der USA (8.133 Tonnen), Deutschlands (3.349), Italiens (2.452), Frankreichs (2.437), Chinas (2.387) und Russlands (2.283). Wie die Europäische Zentralbank bekanntgab, machten die Goldreserven nach Marktwert rund 27 Prozent der offiziellen Reserveanlagen aus, die lange dominierenden US-Staatsanleihen kommen nur noch auf einen Anteil von etwa 22 Prozent.
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Tonnenweise Goldkäufe im Stillen
Ein weiteres Indiz dafür, dass die Bedeutung staatlicher Goldreserven international zugenommen hat, liefern die Goldkäufe und -verkäufe der Zentralbanken in den vergangenen Jahren. Schon seit 2010 kaufen die Staaten per Saldo mehr Gold, als sie verkaufen. In den vergangenen vier Jahren waren es im Durchschnitt knapp 1.000 Tonnen Gold, die zusätzlich in die Zentralbankreserven flossen. Auch 2026 setzen die Notenbanken ihre Käufe fort und sorgen so für eine anhaltend hohe Nachfrage nach dem Edelmetall.Die Goldkäufe der Notenbanken könnten sogar noch weiter zunehmen. Nach einer Erhebung des WGC rechnen 45 Prozent der befragten Zentralbanken damit, ihre Goldreserven innerhalb der kommenden zwölf Monate weiter aufzustocken. Lediglich ein Prozent rechnet mit einer Reduzierung der Bestände. Zum Vergleich: 2020 planten nur 20 Prozent der Notenbanken eine Erhöhung ihrer Goldreserven.
Doch wo kaufen die Notenbanken das Gold und wo sichern sie es? Die Zentralbanken kaufen ihr Reservegold natürlich nicht beim Goldhändler an der Ecke. Sie erwerben ihr Gold vor allem außerbörslich über Geschäftsbanken, direkt bei heimischen Minen oder bei anderen Zentralbanken. Bevorzugt werden Londoner Good-Delivery-Barren, die knapp 12,5 Kilogramm wiegen und den Qualitätsstandards am Londoner Goldmarkt (LBMA) in Bezug auf Reinheit (mindestens 995er Gold) und Herkunftsnachweis entsprechen. Nur vereinzelt nutzen Notenbanken mit physischem Gold unterlegte Gold-ETFs für ihre Reserven.
Als Gründe für Goldkäufe nennen Notenbanken vor allem drei Faktoren: Gold hat sich als Vermögenswert in Krisen bewährt, es dient als zuverlässiger Wertspeicher und trägt effektiv zur Streuung von Verlustrisiken bei. Mit den Russland-Sanktionen nach Ausbruch des Ukraine-Krieges haben vor allem die Goldkäufe von Schwellenländer-Notenbanken zugenommen. Diese Länder befürchten ein mögliches Einfrieren ihrer Vermögenswerte im Ausland oder wollen wie etwa China und Indien unabhängiger vom US-Dollar werden.
Wo das Gold lagert
Gelagert werden die Goldreserven der Notenbanken in der Regel in verschiedenen Ländern und Währungsräumen. Besonders beliebt sind die Tresore der Bank of England. Dieser Lagerort ermöglicht es, Goldreserven bei Bedarf schnell über den sehr liquiden Londoner Goldmarkt zu verkaufen. Beispielsweise holte die niederländische Notenbank zwischen März und August rund 86 Tonnen aus New York und Ottawa nach London, um das Gold im Krisenfall schneller handeln zu können. Die Federal Reserve Bank in New York ist ebenfalls ein beliebter Lagerort. Die Bundesbank beispielsweise lagert rund 1.710 Tonnen Gold in den eigenen Tresoren in Frankfurt am Main, 1.236 Tonnen bei der Federal Reserve Bank in New York und 404 Tonnen in London.Nach unten eine Bremse, nach oben ein Beschleuniger<7h2>
Dass die Notenbanken eine wichtige Rolle am Goldmarkt einnehmen, steht außer Frage. Schließlich waren sie in den vergangenen Jahren für rund ein Sechstel der weltweiten Goldnachfrage verantwortlich. Damit sind ihre Goldkäufe eine zentrale Stütze für den Goldpreis – vor allem weil Notenbanken sehr langfristig und strategisch kaufen und weniger auf den aktuellen Goldpreis achten. Nach der Schmuckindustrie und dem Investmentbereich sind Notenbanken der drittgrößte Abnehmer von Gold.
Den aktuellen Goldpreis bestimmen aber vorrangig andere Faktoren: Zinserwartungen, der Dollar-Wechselkurs und Anleiherenditen schlagen sich meist unmittelbar im Goldpreis nieder. Preisrückgänge, wie sie bei Gold nach dem Rekordhoch von Ende Januar 2026 zu beobachten waren, werden durch die Goldnachfrage der Notenbanken daher nicht verhindert, aber begrenzt. Da zahlreiche Faktoren signalisieren, dass die Goldnachfrage der Notenbanken hoch bleibt, wirkt sie wie ein Fundament, auf dem der Goldpreis seinen Boden finden kann. Tendiert der Goldpreis hingegen aufwärts, geben die Goldkäufe der Notenbanken dem Kurs zusätzlichen Auftrieb.
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Disclaimer: Diese Meldung ist keine Empfehlung zu einer Fondsanlage und keine individuelle Anlageberatung. Vor jeder Geldanlage in Fonds sollte man sich über Chancen und Risiken beraten und aufklären lassen. Der Wert von Anlagen sowie die mit ihnen erzielten Erträge können sowohl sinken als auch steigen. Unter Umständen erhalten Sie Ihren Anlagebetrag nicht in voller Höhe zurück. Die in diesem Kommentar enthaltenen Informationen stellen weder eine Anlageempfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Handel mit Anteilen an Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar.
Risikohinweis: Die Ergebnisse der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Ergebnisse. Die Aussagen einer bestimmten Person geben deren persönliche Einschätzung wieder. Die zur Verfügung gestellten Informationen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen keine Beratung dar.