Capital | Die Märkte versuchen, sich zu stabilisieren
Daniela Hathorn, Senior Market Analystin bei Capital.com
Investmentfonds.de - Die globalen Märkte starten vorsichtig in den November und versuchen, sich von einem schwierigen Oktober zu erholen, der von der Schwäche des Technologiesektors und Sorgen über die KI-Investitionen geprägt war. An der Wall Street kam es am Freitag erneut zu einem deutlichen Ausverkauf, da Anleger zunehmend hinterfragten, ob sich die enormen Summen, die in die KI-Infrastruktur investiert werden, tatsächlich ausreichend rentieren werden. Die US-Futures deuten heute Morgen jedoch auf eine Gegenbewegung hin: Die Nasdaq-Futures legen um rund 0,9 % zu, die S&P-500-Futures um 0,5 %. Auch die asiatischen Märkte erholen sich, angeführt von Südkorea, während die europäischen Futures auf einen eher verhaltenen, aber stabilen Handelsstart hindeuten. Die Erholung zeigt, dass Anleger weiterhin bereit sind, Kursrückgänge für Zukäufe zu nutzen. Das Vertrauen in den Technologiesektor bleibt jedoch fragil.
Rückgang der Ölpreise
Die auffälligste Entwicklung am Morgen ist der deutliche Rückgang der Ölpreise. Brent verbilligt sich um rund 3 % auf etwa 110 US-Dollar, nachdem erneute diplomatische Bemühungen unter Einbeziehung des Iran und Katars die Hoffnung auf eine Entspannung der Lage im Nahen Osten geweckt haben. Sinkende Energiepreise sorgen für eine gewisse Entlastung bei den Inflationserwartungen und der allgemeinen Marktstimmung – insbesondere nach dem kräftigen Anstieg der Rohölpreise im Oktober. Die anhaltenden Störungen des Schiffsverkehrs und der Energieinfrastruktur zeigen jedoch, dass die Versorgungsrisiken keineswegs beseitigt sind. Gold erholt sich unterdessen nach dem schwachen Oktober leicht in Richtung 3.900 US-Dollar, während die Renditen von US-Staatsanleihen trotz eines gewissen Rückgangs gegenüber den jüngsten Höchstständen erhöht bleiben. Insgesamt deutet dies darauf hin, dass Anleger die Inflationsrisiken neu bewerten, hinsichtlich der weiteren Geldpolitik aber vorsichtig bleiben.Unternehmenszahlen aus dem Technologiesektor
Die Unternehmenszahlen aus dem Technologiesektor werden ein wesentlicher Impulsgeber für die Marktstimmung bleiben. Heute legt Apple seine Ergebnisse vor, AMD und weitere große Unternehmen folgen im Laufe der Woche. Nach den gemischten Marktreaktionen auf die Zahlen von Microsoft, Alphabet und Amazon gehen Anleger zunehmend selektiv vor, wenn es um ihr Engagement im KI-Sektor geht. Der Fokus hat sich von der Höhe der Investitionen auf deren Rentabilität, die Cashflow-Generierung und die Frage verlagert, ob die Nachfrage die anhaltend hohen Ausgaben rechtfertigen kann. Besonders interessant werden die Apple-Zahlen sein, da der Konzern im Vergleich zu seinen Wettbewerbern nur begrenzt in groß angelegte KI-Infrastruktur investiert. Starke Ergebnisse könnten dem Nasdaq Stabilität verleihen. Enttäuschende Prognosen hingegen könnten die zaghafte Erholung vom Morgen rasch zunichtemachen.US-Zwischenwahlen am Dienstag
Mit Blick auf die kommenden Tage stehen die US-Zwischenwahlen am Dienstag als wichtigstes politisches Ereignis der Woche im Fokus. Anleger werden genau beobachten, wie sich die Machtverhältnisse im Kongress entwickeln und welche Auswirkungen dies auf die Fiskalpolitik, die Staatsverschuldung und die Renditen von US-Staatsanleihen haben könnte. Auch der Zinsentscheid der Bank of England am Donnerstag ist ein wichtiger Impulsgeber. Die Märkte rechnen trotz Anzeichen einer Abschwächung des britischen Wirtschaftswachstums mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Der heute anstehende ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe in den USA sowie der Arbeitsmarktbericht am Freitag werden weitere Hinweise auf den nächsten Schritt der US-Notenbank Federal Reserve liefern. Derzeit preisen die Märkte eine Wahrscheinlichkeit von rund 74 % für eine weitere Zinserhöhung im Dezember ein.Letztlich stellt sich die Frage, ob die zunehmende Risikobereitschaft angesichts politischer Unsicherheit, einer restriktiven Geldpolitik und immer anspruchsvollerer Gewinnerwartungen Bestand haben kann.
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