Capital | Wall Street legt kräftig zu – dank neuer Zuversicht im Technologiesektor und sinkender Ölpreise
Kyle Rodda, Senior Finanzmarkt Analyst der Capital.com
- Im Fokus stehen nun die Geschäftszahlen der „Magnificent Seven“ und die anstehenden Zentralbankentscheidungen
Investmentfonds.de - Für die Märkte beginnt jetzt die entscheidende Phase: Die kommenden drei Tage sind vollgepackt mit potenziell marktbewegenden Ereignissen. Deren Ausgang könnte die Richtung der globalen Finanzmärkte für den Rest des Jahres bestimmen.
US-Notenbank
Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank (FOMC) gibt seine neueste Zinsentscheidung bekannt. Obwohl eine Zinserhöhung mit einer Wahrscheinlichkeit von gerade einmal 10 % eingepreist ist, werden die Marktteilnehmer nach jedem Hinweis darauf suchen, welchen Kurs die Fed bei möglichen weiteren Zinserhöhungen einschlagen könnte. Zusätzliche Klarheit dürften die neuesten Daten zu den persönlichen Konsumausgaben (PCE) bringen, die weniger als einen Tag nach der FOMC-Entscheidung veröffentlicht werden. Die Prognosen deuten auf einen erneuten Anstieg der Kerninflation auf 3,1 % hin.US-Unternehmensergebnisse
Unterdessen wird die jüngste Runde der US-Unternehmensergebnisse Aufschluss darüber geben, ob Aktien angesichts ihrer derzeit eher moderaten Bewertungen attraktive Kaufgelegenheiten bieten könnten. Microsoft und Alphabet veröffentlichen ihre Zahlen nach Börsenschluss an der Wall Street – nur wenige Minuten vor dem Ende der FOMC-Pressekonferenz. Amazon folgt einen Tag später.Monetarisierung künstlicher Intelligenz
Die Anleger suchen nach Belegen für eine zunehmende Monetarisierung künstlicher Intelligenz (KI) und nach Prognosen, die auf ein weiterhin kräftiges Gewinnwachstum hindeuten. Zugleich hoffen sie auf ein Goldlöckchen-Szenario bei den Investitionsausgaben (CAPEX): Die Ausgaben sollten weder so hoch ausfallen, dass sie Zweifel an der Kapitalrendite (ROI) schüren, noch so lange auf hohem Niveau bleiben, dass Befürchtungen über einen möglichen Höhepunkt des Investitionszyklus aufkommen. All diese Nachrichten treffen auf ein Umfeld anhaltender geopolitischer Risiken und zunehmender Vorsicht im Vorfeld der US-Zwischenwahlen zu Beginn der kommenden Woche.Globale Finanzmärkte
Auf den ersten Blick zeigten sich die Marktteilnehmer im Laufe der Nacht relativ gelassen hinsichtlich der Aussichten für die globalen Finanzmärkte. Die Wall Street setzte ihre Rally fort, da Chip-Aktien wieder an Attraktivität gewannen und die Aktienemission von Meta fünffach überzeichnet war. Zusätzlich sorgte ein leichter Rückgang der Ölpreise für Rückenwind. Ausschlaggebend war dabei vor allem, dass größere negative Schlagzeilen ausblieben – insbesondere Meldungen über erneute iranische Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus oder unmittelbar bevorstehende US-Angriffe auf den Iran.Die Entwicklung der kommenden Tage bis hin zu einer Woche wird zeigen, ob die gerade erst aufkommende Zuversicht an den Aktienmärkten von Dauer ist. Für den asiatischen Handel deuten die Terminkontrakte auf einen überwiegend positiven Handelsauftakt hin.
Zentralbanken
Die Konjunkturdaten des Tages werden zwar nicht die grundsätzliche Richtung der globalen Märkte bestimmen, den Marktteilnehmern aber wertvolle zusätzliche Informationen liefern. Die neuseeländische Zentralbank (RBNZ) gibt ihre jüngste geldpolitische Entscheidung bekannt. Die Märkte rechnen dabei nahezu sicher mit einer Zinserhöhung. Da die RBNZ bei dieser Sitzung keine neuen Wirtschaftsprognosen veröffentlicht, wird die Aufmerksamkeit vor allem auf ihrer Stellungnahme liegen, um Hinweise auf den weiteren geldpolitischen Kurs zu erhalten. Derzeit wird erwartet, dass die Zentralbank, deren Mandat ausschließlich auf Preisstabilität ausgerichtet ist, die Zinsen innerhalb der kommenden zwölf Monate fünfmal anheben wird.Im benachbarten Australien könnten die Verbraucherpreisdaten (CPI) darüber entscheiden, ob die australische Zentralbank (RBA) in der kommenden Woche die Zinsen erhöht. Prognostiker gehen davon aus, dass gestiegene Energiepreise die Gesamtinflation im vergangenen Monat auf 4,2 % getrieben haben. Für die wichtigere, um besonders schwankungsanfällige Komponenten bereinigte Kerninflationsrate (Trimmed Mean) wird hingegen ein unveränderter Wert von 3,6 % erwartet.
Ein überraschend hoher Inflationswert könnte den Ausschlag dafür geben, dass eine Zinserhöhung am traditionellen australischen Feiertag Melbourne Cup Day praktisch sicher wird. Nach mehreren Wochen vergleichsweise restriktiver Äußerungen von RBA-Vertretern, die der Zentralbank offenbar zumindest einen gewissen Handlungsspielraum für die kommende Woche sichern sollten, preisen die Märkte derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 60 % für eine Zinserhöhung ein.
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