ODDO BHF SE | Raketen, Künstliche Intelligenz, Anlegerverhalten und verantwortungsvolle Anlagepolitik
ODDO BHF SE
Investmentfonds.de | Frankfurt am Main, 19.06.2026 - Risikobereite Retail-Investoren gerade im Tech-Sektor und das wachsende Gewicht passiver Anlagen verändern die Kapitalmarktlandschaft.
Beide Faktoren zusammen können Trends verstärken und Volatilität erhöhen.
Der SpaceX-IPO nutzt diese Strukturveränderungen am Kapitalmarkt.
Ein verantwortungsbewusster Vermögensverwalter sollte nicht Hypes folgen, sondern Markttrends verstehen, vorausschauend bewerten und sich folgerichtig positionieren. Unser diversifiziertes Portfolio umfasst eine ausgewogene Auswahl von Aktien entlang der Technologie- und KI-Wertschöpfungskette.
Der Börsenstart von SpaceX ist ein Paradebeispiel für deutliche Veränderungen in der Anlegerstruktur und des Anlegerverhaltens, die sich seit einigen Jahren vollziehen. Zum einen spielen private Anleger in einigen Bereichen eine immer wichtigere Rolle. Vor allem in Technologiewerten und rund um das Thema Künstliche Intelligenz, aber auch in anderen technologienahen Anlagen wie Kryptowährungen, bewegt sich ein Typ von Anlegern, der oft jünger, technologieaffin und risikobereit ist. Diese Gruppe neuer Anleger reicht von Tech-Enthusiasten über Investoren in Wachstumsunternehmen, die vor allem im Silicon Valley auf der Suche nach neuen attraktiven Beteiligungen sind. Diese Tech-Anleger investieren typischerweise in Unternehmen mit starken Zukunftsaussichten, halten ihre Beteiligungen über einen längeren Zeitraum und nehmen auch vorübergehende Rückschläge, beispielsweise in der Entwicklung, und somit auch hohe Kursschwankungen hin. Diese Anleger neigen dazu, stark in liquide Aktien und auch in Private Equity zu investieren.
Die Privatanleger sind überdurchschnittlich an Innovationen, Digitalisierung und sich an den Börsen schnell entwickelnden Zukunftstrends interessiert und legen meist kleinere bis mittlere Beträge an, dafür aber hochkonzentriert – teils spekulativ - in ganz bestimmte Bereiche des Tech-Segments, beispielsweise nur in Robotik, nur in autonome Mobilität oder nur in Raumfahrt. Zu ihrer Information nutzen sie bevorzugt digitale Informationskanäle, Chatforen, Blogs und Podcasts und verfolgen so eine Informationskultur, die stark meinungsgetrieben ist.
Diese Anleger stützen sich teilweise weniger auf Finanzanalysen mit Bewertungsansätzen oder systematische Anlageplanung, sondern befassen sich mehr mit den Geschäftsmodellen und der Dynamik des Themas an den Märkten. Dabei schauen sie u.a. auf Marktgröße („total adressable market“), technologische Kompetenz, Innovationskraft oder Skalierbarkeit des Geschäftsmodells. Sie lassen sich typischerweise von der Frage leiten: Kann das Unternehmen, in das wir investieren, in den nächsten zehn Jahren ein Vielfaches seines heutigen Umsatzes erreichen? Bietet es eine Vision? In der Folge haben die meisten von ihnen ein hochkonzentriertes, riskantes Portfolio.
Eine zweite für das Verhalten des Kapitalmarkts wichtige Entwicklung ist der Vormarsch von passiven Anlageprodukten. Nach Daten von Bloomberg liegt der Anteil der passiven Investmentprodukte (ETFs und passive Investmentfonds) an den weltweiten Assets under Management bei rund 54 Prozent. Bei Aktienprodukten (ETFs, Fonds) liegt der Anteil sogar noch höher, bei über 60 Prozent der verwalteten Mittel. Die Zunahme passiver Investments hat tendenziell zur Folge, dass Trends an den Aktienmärkten verstärkt werden. Überlegungen zur Bewertung spielen in diesem Bereich der Geldanlage keine Rolle mehr. Ein ETF auf den S&P 500 investiert das Geld der Anleger in die Aktien, die im Index enthalten sind, unabhängig von der Frage, ob Aktie X oder Y nach fundamentalen Maßstäben vernünftig bewertet erscheint oder nicht.
Die SpaceX-Aktien profitieren zum Handelsstart von beiden Entwicklungen: Zum einen durch die erfolgreiche „Ansprache“ jener Retail-Anleger, die Elon Musk als unternehmerischen Visionär feiern. Zum anderen, weil sich SpaceX mit Hilfe von Regeländerungen einiger Indexanbieter einen Schnellzugang in wichtige Indizes wie insbesondere den auf Technologie ausgerichteten Nasdaq-100-Index (aber nicht in den S&P 500) sichern konnte. Diese Regeländerungen führen dazu, dass SpaceX mit nur geringer Wartezeit in den Index aufgenommen werden soll. Darüber hinaus geht der Streubesitz (Free Float) mit seinem dreifachen Gewicht in den Nasdaq 100 ein.
Beides trägt dazu bei, dass die Aktien strukturell verknappt werden, und es könnte den „Altaktionären“ (jenen, die schon vor dem IPO an dem Unternehmen beteiligt waren) helfen, die in den kommenden sechs Monaten schrittweise für einen Verkauf freiwerdenden Aktien am Markt unterzubringen: Der zusätzliche Aktienumlauf der verkauften Aktien trifft nämlich auf eine durch die Indexkonstruktion erzwungene zusätzliche Nachfrage von Seiten der passiven Investoren.
Eine bedeutende Gruppe spekulativer Akteure einerseits und eine große Gruppe passiver Akteure andererseits steigert nach unserer Einschätzung das Risiko starker und extremer Kursbewegungen - nach oben, aber im Zweifelsfall auch nach unten. Trends werden tendenziell verstärkt. Für einen Vermögensverwalter, der das Vermögen seiner Kunden treuhänderisch verwaltet, stellt sich die Frage, wie mit dieser Herausforderung verantwortungsbewusst umzugehen ist.
Recht klar ist nach unserer Überzeugung, dass Technologie im weiteren und Künstliche Intelligenz im engeren Sinn ein zentrales Zukunftsthema ist. Damit kann der Sektor, u.a. in Abhängigkeit vom Risikoprofil und den Anlagezielen des Anlegers, ein strategisch sinnvoller Baustein im Rahmen einer diversifizierten Portfoliostruktur sein. Der SpaceX-Börsengang führt vor Augen, dass das Marktumfeld für Investments im Bereich der künstlichen Intelligenz weiterhin unterstützend ist. Was aus unserer Sicht aber weniger Sinn macht, ist, den Aktienmarkt nach der nächsten „hype“-getriebenen Aktie abzusuchen. Für einen Vermögensverwalter, der das Geld seiner Kunden verantwortungsbewusst verwaltet, macht es mehr Sinn, die Markttrends im wirtschaftlichen Umfeld zu verstehen, vorausschauend zu bewerten und sich folgerichtig zu positionieren. Unser diversifiziertes Portfolio umfasst derzeit, neben anderen Werten, eine ausgewogene Auswahl von Unternehmen entlang der Technologie- und KI-Wertschöpfungskette. Mit Positionen in Titeln wie ASM International, Nvidia, Micron, Lam Research, Alphabet, Microsoft und Siemens Energy sehen wir uns auf mittlere Sicht gut aufgestellt.
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Das grösste Risiko bei der Geldanlage von Privatanlegern ist es, in drastisch überteuerte Investmentanlagen zu investieren, für die man später weniger Geld herausbekommt, als man selbst investiert hat. Nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Privatanleger gilt daher ein Erfolgsprinzip: Im Einkauf liegt der Erfolg, doch genau hier scheitern viele Anleger und steigen bei euphorischen Märkten zu teuer ein und verkaufen ihre Anlagen in Paniksituationen zu billig.
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