Schroders | Wie stark können die Risiken von Private Credit auf die öffentlichen Märkte überschwappen?
Duncan Lamont, Head of Strategic Research bei Schroders
Die Software-Dimension und KI
Investmentfonds.de | Frankfurt am Main, 18.06.2026 - Private-Credit-Fonds haben in der Vergangenheit gerne Kredite an Softwareunternehmen vergeben. Deren Geschäftsmodell mit wiederkehrenden Gebühren führte zu stetigen und vorhersehbaren Cashflows, was sie zu passenden Kreditnehmern machte. Historisch betrachtet waren auch die sektoralen Ausfallraten niedrig. Viele Fonds sammelten zudem erhebliche Geldmittel von institutionellen Anlegern wie Versicherungsgesellschaften und, in manchen Strukturen, von Privatanlegern ein. Diesen stetig wachsenden Kapitalzufluss mussten sie rasch investieren, um erste Renditen für ihre Anleger und Gebühren für sich selbst zu erwirtschaften, mit einer Tendenz zu den Sektoren, die sie als die widerstandsfähigsten erachteten. Softwareunternehmen wollten Kredite aufnehmen und Private-Credit-Fonds wollten Kredite vergeben. Infolgedessen konnten einige der größeren Private-Credit-Fonds bis zu 40 Prozent in dem Sektor investiert sein, während die Quote im Durchschnitt bei ungefähr 20 Prozent liegen dürfte.
Dies war alles in Ordnung, bis künstliche Intelligenz (KI) in diesem Jahr Bedenken hinsichtlich der Beständigkeit der künftigen Cashflows vieler Softwareunternehmen aufwarf. Das führte zu Fragen über die Qualität der Vermögenswerte in diesen Fonds und verdeutlichte die Möglichkeit, dass einige dieser Kredite mit wenig Puffer für Abwärtsrisiken bepreist worden waren. Es ist unwahrscheinlich, dass dieser Aspekt auf den Softwaresektor beschränkt ist.
Software sollte man am besten nicht als alleinige Risikoquelle, sondern als Stresstest für den Markt betrachten. Die dadurch verursachten Spannungen haben Unterschiede in der Liquidität und Bepreisung verschiedener Arten von Private-Credit-Fonds aufgezeigt, die in gleiche oder ähnliche Basiswerte investieren. Während traditionelle Private-Credit-Fonds geschlossen sind und eine festgelegte Laufzeit besitzen, z. B. sieben Jahre, legen viele Vermögensverwalter auch Fonds auf, die mehr Liquidität bieten. Business Development Companies (BDCs) in den USA sind die bekanntesten. Einige davon sind an der Börse notiert, was es Anlegern ermöglicht, täglich Anteile daran zum aktuellen Aktienkurs zu kaufen und zu verkaufen. Teilweise aufgrund der Bedenken rund um den Softwaresektor sind diese Aktienkurse auf Abschläge von 15 bis 20 Prozent gegenüber dem ausgewiesenen Nettoinventarwert (NAV) der Fonds gefallen. NAVs werden nur selten aktualisiert. Eine Interpretation lautet, dass Anleger diese NAVs für zu hoch halten und mit einer Senkung rechnen.
Andere Produkte, wie nicht gehandelte BDCs und Interval-Fonds, investieren häufig in ähnliche Vermögenswerte, bieten jedoch periodische Liquidität, z. B. quartalsweise, zum NAV. Es gibt Grenzen dafür, wie viel von dem Fonds jedes Quartal verkauft werden darf, typischerweise 5 Prozent.
Es ist leicht, das Potenzial für Probleme zu erkennen. Anleger können den Antrag stellen, ihr Geld zum NAV aus dem nicht gehandelten Fonds abzuziehen, oder Anteile am gehandelten Produkt mit einem Abschlag von 10 bis 20 Prozent auf den NAV verkaufen. Ähnliche Vermögenswerte, unterschiedliche Liquidität, unterschiedliche Bepreisung, aber alles führt zu einem völlig vorhersehbaren Ergebnis: massenhafte Rücknahmeanträge und ein „Gating" der Rücknahmen bei den nicht gehandelten Fonds. Dieses Gating, bei dem Anlegern mitgeteilt wird, dass sie bis zu einem künftigen Quartal warten müssen, um ihr Geld zurückzuerhalten, ist ein Konstruktionsmerkmal dieser Fondsstrukturen, kein Fehler. Es bedeutet nicht, dass die Kredite in diesen Fonds Verluste erleiden, lediglich, dass es eine zu große gleichzeitige Nachfrage von Verkäufern gibt.
Ohne Gating wären die Fonds gezwungen, Vermögenswerte schnell zu verkaufen, um Geld für die Deckung der Rücknahmen zu beschaffen. Wer versuchte, sein Haus innerhalb einer Woche zu verkaufen, würde einen schlechteren Preis erzielen als bei einem geordneten Verkaufsprozess. Das gleiche Prinzip gilt hier. Wenn ansonsten solide Vermögenswerte schnell zu einem schlechten Preis verkauft werden müssten, würden die verbleibenden Anleger im Fonds darunter leiden. Das Gating ist darauf ausgelegt, diese verbleibenden Anleger zu schützen.
Ein wichtiger Punkt hierbei betrifft das Erwartungsmanagement. Anleger in technologie- oder softwareorientierten Risikokapitalfonds würden nicht überrascht sein, wenn die Performance aufgrund von Bedrohungen für den Softwaresektor litte. Es handelt sich um eine bewusste Positionierung. Der Unterschied bei Private Credit liegt darin, dass viele Anleger in diesen Fonds glaubten, in einen diversifizierten Pool von Krediten an mittelständische Unternehmen zu investieren, in Wirklichkeit jedoch eine große Sektorwette eingegangen sind. Dies geschah unbeabsichtigt. Viele Anleger haben die Konstruktionsrisiken, die in diesen Fonds eingebettet sind, möglicherweise nicht vollständig erfasst.
Wie stark sind Anleger in öffentlichen Anleihe- und Kreditmärkten dem Geschehen bei Private Credit ausgesetzt?
Unter der Annahme, dass dies als Liquiditätsrisiko und nicht als Solvenz- oder Ausfallrisiko für Softwareunternehmen eingedämmt wird, werden die Auswirkungen auf die Finanzmärkte vorübergehend sein, und die öffentlichen Märkte haben insbesondere nichts zu befürchten.
Interessanter ist die Frage, was passiert, wenn sich dies in ein echtes Kreditrisiko für Softwareunternehmen verwandelt. Dies lässt sich entlang zweier Hauptlinien betrachten: die direkte Exponierung im Softwaresektor und/oder gegenüber BDCs sowie die indirekte Exponierung über den Bankensektor. Banken sind Kreditgeber für Softwareunternehmen und Private-Credit-Fonds.
Finanzwerte machen einen großen Teil der Investment-Grade-Unternehmensanleihemärkte aus (bei High-Yield und Krediten sind sie weit weniger vertreten), während die globale Finanzkrise die gesamtwirtschaftlichen Risiken verdeutlichte, die entstehen können, wenn Banken eine Welle von Ausfällen erleiden. Erfreulicherweise ist das Risiko in beiden Fällen gering.
Software macht nur ein bis zwei Prozent der Investment-Grade-Anleihemärkte und zwei bis vier Prozent der High-Yield-Märkte aus, ein Bruchteil der von der Private-Credit-Branche gehaltenen über 20 Prozent. Der Leveraged-Loan-Markt ist im Softwaresektor stärker exponiert als der Anleihemarkt, insbesondere in den USA, aber selbst hier sind die Zahlen im Verhältnis zu Private Credit niedrig.
Es ist nicht nur so, dass die Exponierung geringer ist, sie ist auch von höherer Qualität. Die Kreditfundamentaldaten auf den öffentlichen Märkten sind stärker als bei Private Credit: Der Verschuldungsgrad ist niedriger und die Zinsdeckung höher. Das Ausfallrisiko bei Investment-Grade-Anleihen ist vernachlässigbar (die mittlere jährliche Ausfallrate seit 1920 betrug 0 Prozent und der Durchschnitt lag bei unter 0,1 Prozent, was bedeutet, dass durchschnittlich 99,9 Prozent der Kreditnehmer pro Jahr nicht ausfielen). Bei High-Yield-Anleihen ist die Zinsdeckung etwa doppelt so hoch wie bei Private Credit. Anleger in diesen Bereichen haben einen weitaus größeren Sicherheitspuffer als bei Private Credit.
Von diesen ist der einzige, der echte Bedenken aufwirft, der US-Kreditmarkt. Er ist im Softwaresektor deutlich stärker exponiert als andere öffentliche Märkte, und diese Exponierung ist von merklich niedrigerer Qualität, insbesondere im Vergleich zum europäischen Kreditmarkt. 64 Prozent des US-Software-Kreditmarkts sind mit B- oder schlechter bewertet (einschließlich nicht bewerteter Anleihen), mehr als das Doppelte der 31 Prozent in Europa.
Was ist mit den Banken?
Einige der Bankprobleme von 2008 entstanden durch direkten Betrug (zweifelhafte Kredite), hohe Exponierung im Immobilienmarkt, verstärkt durch Hebelwirkung, in einer Welt, in der niemand wusste, wer welchem Risiko ausgesetzt war (mangelnde Transparenz). Diese Hebelwirkung war sowohl innerhalb des Bankensystems vorhanden (lockere Regulierung) als auch durch komplexe Derivate (CDO-squared etc.).Um den letztgenannten Punkt zu unterstreichen: Es waren rund 1,2 Billionen US-Dollar an Subprime-Hypotheken ausstehend, aber über synthetische Strukturen wurde ein Vielfaches dieses Betrags an Risikovolumen geschaffen. Synthetische CDOs – die nicht durch tatsächliche Kredite finanziert wurden, sondern hypothekenbesicherte Wertpapiere durch Kreditausfallswaps referenzierten – ermöglichten es Anlegern, wiederholt Long- und Short-Positionen auf dieselben zugrundeliegenden Anleihen einzugehen, was das effektive Risikovolumen im gesamten Finanzsystem erheblich vergrößerte.
Keines dieser Risiken des Bankensektors ist heute bei Private Credit in vergleichbarem Maße vorhanden. Die Verstärkung durch Derivate ist minimal – Private Credit umfasst direkte Kredite zwischen zwei Parteien. Und der Verschuldungsgrad ist insgesamt geringer. BDCs nehmen Kredite zu einem LTV von etwa 50 Prozent auf (einem Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital von ca. 1x). Wenn man dies als Beispiel nimmt, würden 500 Milliarden US-Dollar an Branchenvermögen etwa 500 Milliarden US-Dollar an Schulden entsprechen. Im Vergleich dazu waren die LTVs bei Immobilien im Vorfeld der globalen Finanzkrise deutlich höher, wenn Mezzanine-Kredite und andere Finanzierungen berücksichtigt werden.
Die Bankkreditvergabe an Private Credit erfolgt auf konservativer Basis und stellt kein systemisches Risiko für die Wirtschaft dar.
Groß genug, um ein Risiko darzustellen?
Direct Lending hat mittlerweile eine ähnliche Größe wie die High-Yield- und Leveraged-Loan-Märkte. Käme es zu einem Stillstand, könnte dies eine wichtige Finanzierungsquelle für den Unternehmenssektor beseitigen, mit breiteren wirtschaftlichen Auswirkungen. Aber realistischerweise ist dies gewissermaßen ein Scheinargument.Viele Private-Credit-Kredite finanzieren Private-Equity-Transaktionen. Private Equity sitzt auf einem Rekordbetrag an trockenem Pulver – also eingeworbenem, aber noch nicht investiertem Kapital –, für dessen Einsatz Fremdkapital zum Abschluss von Transaktionen benötigt wird. Die Bankenregulierung nach der globalen Finanzkrise bedeutet, dass die Banken nicht in der Lage oder nicht bereit sind, Finanzierungen auf den höheren Verschuldungsniveaus bereitzustellen, die für diese Transaktionen typisch sind. Sofern sich daran nichts Wesentliches ändert, werden andere Kreditgeber gebraucht, um diese Lücke zu füllen. Private Credit und Leveraged Loans spielen dabei eine wichtige Rolle.
Ein viel wahrscheinlicherer Übertragungsmechanismus als ein vollständiger Stillstand ist eine Neubewertung. Wenn Anleger sich zurückzögen, würde die Finanzierung knapper werden und die Spreads für neue Kredite steigen, was dann wieder mehr Investoren in den Bereich locken würde.
Fazit
Die systemischen Risiken durch Private Credit sind gering. Die direkte und indirekte Exponierung der öffentlichen Märkte ist ebenfalls gering, und die bestehende Exponierung ist von höherer Qualität als im Private-Credit-Bereich. Es ist kein systemisches Problem für die öffentlichen Märkte – wenngleich es ein bedeutsames Stressereignis innerhalb der privaten Märkte selbst darstellt.Die Spillover-Effekte auf die Finanzmärkte aus den Spannungen auf dem Private-Credit-Markt und die Sorgen über die Auswirkungen von KI auf Software, einschließlich des relativ undifferenzierten Verkaufs von Software-Anleihen, führen ebenfalls zu Chancen. Obwohl das Narrativ der KI-Disruption real ist und eine sorgfältige Kreditauswahl rechtfertigt, glauben wir, dass der Markt in einigen Fällen überkorrigiert hat – indem er Niveaus von Disruptionsrisiko eingepreist hat, die noch nicht durch die zugrundeliegenden Fundamentaldaten gestützt werden. Es gibt Chancen für aktive Investoren.
Paradoxerweise könnten die Spannungen, denen Private-Credit-Fonds ausgesetzt sind, als dringend benötigte Lernmöglichkeit für Regulatoren und Fonds gleichermaßen angesehen werden, was zu Innovationen in der Strategiegestaltung führen könnte, d. h. bei Bewertungsansätzen und mehr Flexibilität, um Liquidität und zyklische Schwankungen besser zu steuern.
Eine Marktbereinigung sollte auch bedeuten, dass die private Kreditvergabe etwas von ihrer Überhitzung verliert – die Spreads waren für die Qualität der Unternehmen, denen sie Kredite gewährt haben, niedrig und die Kreditvergabestandards haben sich stark gelockert. Eine Korrektur in diesen Punkten dürfte für den Markt künftig gesund sein.
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