Capital | Die Risikobereitschaft setzt sich nicht durch
Daniela Hathorn, Senior Finanzmarkt Analystin der Capital.com
Investmentfonds.de - Die Risikobereitschaft setzt sich nicht durch, obwohl die geopolitischen Spannungen leicht nachlassen und der Ölpreis sinkt. Die Anleger gehen bei ihren Positionen wahrscheinlich vorsichtig vor, da eine der wohl geschäftigsten Phasen des Jahres für die Finanzmärkte bevorsteht. Auch wenn der starke Rückgang der Ölpreise die Inflationssorgen etwas gemildert hat, bleibt die Stimmung fragil, da sich die Aufmerksamkeit nun auf die Sitzung der US-Notenbank in dieser Woche und einen vollgepackten Berichtskalender mit mehreren der größten US-Technologieunternehmen richtet. Die Aktienmärkte zeigen ein gemischtes Bild, wobei Technologiewerte nach erneuten Bedenken hinsichtlich des Umfangs der Investitionen im Bereich der künstlichen Intelligenz weiterhin unter Druck stehen. Die Anleger werden in dieser Berichtssaison zunehmend selektiver: Ein starkes Umsatzwachstum reicht den Märkten nicht mehr aus, es sei denn, es gibt Anzeichen dafür, dass sich die hohen Ausgaben in nachhaltige Rentabilität umsetzen lassen. Daher sind die bevorstehenden Ergebnisse der verbleibenden „Magnificent Seven“-Unternehmen für die allgemeine Richtung der Aktienmärkte besonders wichtig. In Europa gab es bei Handelsbeginn Versuche, nach oben zu tendieren, doch jegliches Aufwärtsmomentum wurde durch die nachlassende Stimmung erstickt.
Öl verzeichnete die stärksten Kursschwankungen, wobei der Brent-Preis nachgab, da die Hoffnung auf eine vorübergehende Entspannung der Spannungen zwischen den USA und dem Iran die Händler dazu veranlasste, einen Teil der geopolitischen Risikoprämie abzubauen. Die Märkte haben den Konflikt jedoch noch lange nicht vollständig eingepreist. Schifffahrtsrisiken in der Straße von Hormus und anhaltende Störungen im Roten Meer stellen weiterhin Aufwärtsrisiken für die Energiepreise dar, sollten sich die Verhandlungen verschlechtern. Unterdessen bleibt der US-Dollar im Vorfeld der Entscheidung der Federal Reserve am Mittwoch stabil. Die Märkte rechnen mit unveränderten Zinsen, doch die Anleger werden die Einschätzung von Fed-Vorstandsmitglied Kevin Warsh zu den Inflationsrisiken genau verfolgen, insbesondere angesichts der robusten US-Konjunkturdaten und der anhaltenden Stärke des Arbeitsmarktes. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind kürzlich auf den niedrigsten Stand seit 1969 gesunken, was die Ansicht untermauert, dass die Wirtschaft weiterhin auf soliden Beinen steht, und der Fed Spielraum gibt, bei Bedarf an ihrer restriktiven Geldpolitik festzuhalten.
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