QPLIX | Depot-Analyse zur Jahresmitte 2026: Deutsche Vermögensverwalter erhöhen Aktienquote und reduzieren US-Abhängigkeit
Kai Linde, CEO von QPLIX
- Aktuelle Auswertung von IVA und QPLIX zeigt: Aktienquote erreicht höchsten Stand seit 2021, während US-Dollar-Anteil sinkt und ETFs weiter an Bedeutung gewinnen
Die Entwicklung fiel zeitlich mit spürbaren Bewegungen rund um den Iran-Konflikt zusammen: Im ersten Quartal sank der Aktienanteil zunächst um 1,2 Prozentpunkte, während die Liquidität auf 10,3 Prozent stieg. Zum 30. Juni war diese Verschiebung wieder vollständig zurückgenommen. „Die Depots zeigen keine pauschale Flucht aus dem Risiko, sondern eine differenzierte Anpassung“, sagt Kai Linde, CEO von QPLIX. „Nach der vorübergehenden Erhöhung der Liquidität wurden Aktien zur Jahresmitte wieder deutlich stärker gewichtet. Gleichzeitig haben Vermögensverwalter die regionale Streuung angepasst, das Gesamtbild ist von einer breiteren Risikoverteilung geprägt.“
Weniger USA im Depot, dafür mehr Asien und Europa
Besonders deutlich zeigt sich die veränderte regionale Gewichtung innerhalb des Aktienanteils. Der Anteil Nordamerikas lag zur Jahresmitte bei 44,1 Prozent, Europa kam insgesamt auf 44,3 Prozent. Asien einschließlich Japan erreichte 11,6 Prozent, nachdem die Region 18 Monate zuvor noch bei 8,1 Prozent gelegen hatte. Gleichzeitig sank der Anteil des US-Dollars im Aktienvermögen spürbar von 52,7 auf 44,8 Prozent. Damit verliert die langjährige US-Dominanz an Gewicht, ohne dass US-Anlagen jedoch vollständig aus den Portfolios verschwinden. Der Rückgang des US-Dollar-Anteils fällt zeitlich mit einer stärkeren Gewichtung europäischer und asiatischer Aktien zusammen.„Gerade der Rückgang des US-Dollar-Anteils und der gleichzeitige Zuwachs Asiens sind bemerkenswert. Ob daraus ein dauerhafter Strukturtrend entsteht, muss sich erst zeigen. Fest steht: Vermögensverwalter reduzieren die Abhängigkeit von einem einzigen Aktien- und Währungsraum“, sagt Dr. Andreas Ritter, Vorstand des IVA.
Renten bleiben stabil, aber kurzlaufend und euroorientiert
Rentenanlagen machten zur Jahresmitte 27,4 Prozent des ausgewerteten Vermögens aus und lagen damit praktisch auf dem Niveau des Jahresendes 2020. Zwischenzeitlich war ihr Anteil auf 22,5 Prozent gefallen, bevor er bis Ende 2023 auf 29,4 Prozent gestiegen war. Der jüngste Anstieg der Aktienquote wurde somit vor allem aus der Liquidität finanziert und nicht aus einem deutlichen Abbau der Rentenbestände.Bei der Laufzeitenstruktur bleiben deutsche Vermögensverwalter vorsichtig. Die Duration der Rentenanlagen lag im Median bei 3,08 Jahren, knapp 88 Prozent der Rentenbestände konzentrieren sich auf Laufzeiten von unter zehn Jahren. Auch geografisch bleibt die Rentenseite stark auf den Heimatmarkt ausgerichtet: 89,0 Prozent der eindeutig identifizierbaren Rentenbestände lauten auf Euro, auf den US-Dollar entfallen nur 7,6 Prozent. Zum Jahresende 2020 lag der Euro-Anteil noch bei 77,2 Prozent.
ETFs verdrängen aktiv gemanagte Mischfonds
Auf Ebene der Anlageprodukte setzt sich der langfristige Wandel von aktiv gemanagten Mischfonds hin zu ETFs fort. Der ETF-Anteil stieg seit Ende 2020 von 6,4 auf 18,5 Prozent und hat sich damit nahezu verdreifacht. Allein im ersten Halbjahr 2026 nahm er um 2,8 Prozentpunkte zu. Der Anteil aktiv gemanagter Mischfonds sank im selben Zeitraum von 19,7 auf 13,2 Prozent.Insgesamt werden 38,3 Prozent des Vermögens über Einzeltitel umgesetzt, darunter 24,1 Prozent Einzelaktien. Zu den beliebtesten Einzelaktien zählt weiterhin Microsoft, der Titel findet sich in über 8.700 Depots. Dahinter folgen Allianz und Amazon. Bemerkenswert ist die Rolle deutscher Standardwerte, sechs DAX-Unternehmen liegen unter den zwanzig am weitesten verbreiteten Einzelaktien. Neben Allianz sind das: Münchener Rück, SAP, Siemens, Deutsche Telekom und BASF. Bei den passiven Produkten führt Xetra-Gold: Das Produkt liegt in 15.118 Depots und damit in 29,5 Prozent aller ausgewerteten Depots.
„Der ETF-Aufstieg ist inzwischen kein kurzfristiges Phänomen mehr, sondern eine spürbare strukturelle Veränderung. Vermögensverwalter kombinieren zunehmend direkte Anlagen mit transparenten, kosteneffizienten Bausteinen“, sagt QPLIX-CEO Kai Linde.
Gold bleibt wichtigste alternative Anlage
Nicht nur bei passiven Investments setzten Anlageprofis auf Gold. Edelmetalle und Rohstoffe erreichten zum 31. März 2026 mit 4,7 Prozent zunächst den höchsten Wert der Zeitreihe. Zur Jahresmitte ging ihr Anteil auf 4,1 Prozent zurück, lag damit aber weiterhin deutlich über dem Niveau von 3,4 Prozent Ende 2024. Innerhalb der Rohstoffprodukte dominiert Gold mit 88,1 Prozent, andere Edelmetalle kommen auf 5,6 Prozent.Auffällig ist zugleich der Anstieg der Industriemetalle: Ihr Anteil erhöhte sich innerhalb von zwei Quartalen von 0,3 auf 0,8 Prozent und hat sich damit mehr als verdoppelt. Crypto-Assets wie Bitcoin gingen auf 3,3 Prozent zurück und liegen unter ihrem Höchststand von 4,5 Prozent Ende 2024. Offene Immobilienfonds spielen mit einem Anteil von 0,25 Prozent praktisch keine Rolle mehr.
„Gold bleibt in den Depots der sichtbarste alternative Baustein“, sagt Dr. Andreas Ritter. „Interessant ist aber, dass die übrigen alternativen Anlagen keineswegs dem gleichen Muster folgen: Während Industriemetalle an Gewicht gewinnen, gehen andere Edelmetalle und Krypto-Assets zurück. Das spricht eher für eine differenzierte Positionierung als für eine allgemeine Flucht in Sachwerte".
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