Schroders | Biomethan bietet vielfältige Chancen für Infrastrukturinvestoren
Schroders Capital, Investment Management GmbH
Investmentfonds.de - Frankfurt am Main, 06.10.2026 - Europas Energiewende wird oft als reine Elektrifizierungsgeschichte erzählt: Wind- und Solarkraft wachsen, um die steigende Nachfrage zu decken, während immer mehr Sektoren elektrifizieren und der Stromverbrauch zunimmt. Ebenso werden Batterien zunehmend entscheidend für Netzflexibilität und -stabilität und unterstützen damit die Revolution der erneuerbaren Energien.
Die Dekarbonisierung der Wirtschaft umfasst jedoch mehr. Schwerindustrie, Wärmeversorgung und Teile des Verkehrssektors werden weiterhin auf Brennstoffe, also auf Moleküle, angewiesen sein, zumindest bis neue Technologien verfügbar sind. Gleichzeitig muss Europa dringend seine Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen verringern.
Daraus ergibt sich eine doppelte Herausforderung: kohlenstoffarme Alternativen zu den Brennstoffen zu finden, auf die bestimmte Industrien weiterhin angewiesen sind, und diese lokal zu produzieren.
Biomethan löst beide Herausforderungen zugleich
Biomethan löst nicht nur diese doppelte Herausforderung, sondern bringt auch drei Eigenschaften mit, die es besonders interessant machen:Es ist bedarfsgerecht abrufbar: Das Angebot lässt sich leicht an die Nachfrage anpassen. Es kann die bestehende Gasinfrastruktur Europas nutzen, was es zu einer potenziell schnell einsetzbaren Lösung macht. Es trägt zu einer stärker kreislauforientierten Wirtschaft bei.
Die Nutzung bestehender Infrastruktur ist deshalb wichtig, weil der Aufbau eines völlig neuen Energiesystems teuer und langsam wäre. Zudem bietet Biomethan etwas, das intermittierende erneuerbare Energien nicht können: Es lässt sich im Netz speichern und dann einsetzen, wenn es gebraucht wird, etwa wenn die Heizung an einem kalten Tag laufen muss, statt nur dann, wenn Wind oder Sonne es zulassen.
Biomethan entsteht aus organischem Abfall
Biomethan entsteht aus organischem Material, wobei bereits der Herstellungsprozess selbst Nebenprodukte erzeugt, die zu einer stärker kreislauforientierten Wirtschaft beitragen. Landwirtschaftliche Reststoffe, Gülle, Lebensmittelabfälle und andere organische Materialien werden in einer Anlage zur anaeroben Vergärung durch Bakterien abgebaut und produzieren dabei Biogas.Dieses Biogas wird aufgefangen und anschließend aufbereitet, vor allem durch Entfernung von Kohlendioxid, sodass Methan entsteht, dasselbe Molekül wie Erdgas. Es lässt sich direkt in bestehende Gasnetze einspeisen und in bestehender Infrastruktur und bestehenden Geräten nutzen. Das abgetrennte Kohlendioxid ist biogen und lässt sich je nach Anlage und Markt weiterverkaufen oder speichern. Zusätzlich entstehen nährstoffreiche Gärreste, die sich als Dünger nutzen lassen. Kurz gesagt verwandelt der Prozess Abfall in nutzbare Energie, kann verhindern, dass Methan aus Gülle und anderem organischem Material in die Atmosphäre entweicht, und verringert den Bedarf an fossilem Gas.
Biomethan-Markt vor Skalierungs-Challenge
Biomethan-Investments sind ungewöhnlich lokal und agrarindustriell geprägt: Die Wirtschaftlichkeit einer einzelnen Anlage hängt vom Zugang zu Rohstoffen, den Beziehungen zu Landwirten und Abfalllieferanten, Absatzmöglichkeiten für Gärreste, Netzanschlüssen und lokalen Vertriebswegen ab. Diese Faktoren unterscheiden sich erheblich zwischen Ländern und sogar zwischen Regionen. Für Anleger entsteht daraus die Chance, in eine schnell wachsende Infrastrukturgattung zu investieren. Das Potenzial ist groß und um es zu heben, bedarf es spezialisierten Wissens.Die installierte Biomethan-Produktionskapazität in Europa wuchs im Jahresvergleich um mehr als 1 Mrd. Kubikmeter und erreichte Ende des zweiten Quartals 2026 insgesamt 8,2 Mrd. Kubikmeter pro Jahr, wie die European Biogas Association (EBA) berichtet. Auch die Zahl der aktiven Anlagen ist 2026 von 1.678 auf 1.975 gestiegen.
Diese Zahlen wirken jedoch bescheiden gemessen an Europas Ambitionen. Der REPowerEU-Plan der Europäischen Kommission sieht bis 2030 eine jährliche Biomethan-Produktion und -Nutzung von 35 Mrd. Kubikmetern vor, wofür nach Schätzung der Kommission jährlich 37 Mrd. Euro an Investitionen nötig wären. EU-Länder reagieren auf dieses zentrale Ziel bereits mit eigenen langfristigen Förderprogrammen für die Produktion und Nutzung von Biomethan. Dennoch dürfte die EU ihr für 2030 gestecktes Kapazitätsziel für Biomethan um rund 18 Mrd. Kubikmeter verfehlen.
Das eröffnet eine neue Investitionschance, auf die privates Kapital bereits reagiert: Der Biomethane Investment Outlook 2026 der EBA beziffert die bestehenden Investitionszusagen auf 36 Mrd. Euro, nach 28 Mrd. Euro im Vorjahr. Würden diese vollständig umgesetzt, erwartet die EBA bis 2030 zusätzliche 9 Mrd. Kubikmeter Jahreskapazität. Es geht also längst nicht mehr darum zu beweisen, dass Biomethan funktioniert, sondern darum, die Infrastruktur aufzubauen, die eine etablierte Technologie auf ein deutlich höheres Niveau heben kann.
Nationale Märkte unterscheiden sich erheblich
Regulierung, Förderung, Rohstoffverfügbarkeit, Netzzugang und Vertriebswege unterscheiden sich von Land zu Land erheblich. Wie konzentriert der Markt tatsächlich ist, zeigen die Zahlen der EBA: Allein fünf Länder stehen für 95 Prozent der europäischen Biomethan-Produktion. Für Infrastrukturinvestoren ist das Verständnis dieser lokalen Unterschiede entscheidend.Deutschland ist mit 282 Anlagen der zweitgrößte Markt in Europa, nach Frankreich mit 829 Anlagen.
In den Niederlanden zum Beispiel bietet ein dichtes Gasnetz zahlreiche Einspeisepunkte, und es gibt mehrere Vertriebswege, von staatlicher Förderung bis zu langfristigen kommerziellen Abnahmeverträgen. Der große Viehbestand des Landes liefert zudem reichlich Gülle als Rohstoff. Andere europäische Märkte weisen jeweils andere Kombinationen dieser Merkmale auf. Ein attraktives politisches Umfeld allein reicht daher nicht aus: Anleger müssen verstehen, wie sich nationale Regulierung auf die Wirtschaftlichkeit einzelner Anlagen auswirkt.
Investierbarkeit entscheidet sich auf Ebene der einzelnen Anlage
Die Frage lautet damit nicht mehr, wie schnell der Gesamtmarkt wachsen kann, sondern welche Anlagen attraktive, widerstandsfähige Renditen erzielen können.Die erste Überlegung für einen wachsenden Sektor wie Biomethan betrifft die Frage, welche Phase im Lebenszyklus einer Anlage sich am besten als Investitionsziel eignet. Eine operative Anlage mit nachgewiesener Leistungshistorie und etablierten Erlösen hat ein anderes Risikoprofil als eine Anlage im Bau. Projekte in der Entwicklungsphase, von denen es angesichts der relativen Unreife des Markts viele gibt, bringen zusätzliche Genehmigungs-, Bau- und Fertigstellungsrisiken mit sich.
Dieser Unterschied sollte sich in Bewertung und Risiko-Rendite-Profil widerspiegeln. Operative Anlagen mit belastbaren oder vertraglich abgesicherten Cashflows können Merkmale von Core-Infrastruktur aufweisen. Anlagen in der Bauphase bieten dagegen Value-Add-Renditepotenzial als Ausgleich für die Unsicherheit bei Baukosten, Zeitplänen, Inbetriebnahme und Hochlauf. Der Aufschlag für die Bauphase fällt dabei deutlich höher aus als bei klassischen erneuerbaren Energien.
Wert entsteht also mit fortschreitendem Projektverlauf, während diese Risiken schrittweise abgebaut werden. Für Anleger, die über dieses gesamte Spektrum hinweg aktiv sein können, entstehen dadurch mehrere mögliche Einstiegspunkte in dasselbe strukturelle Wachstumsthema, statt eines einzigen Risiko-Rendite-Profils für Biomethan.
Wo sich ein Investor innerhalb dieser Wertschöpfungskette positioniert, hängt dabei nicht nur von der eigenen Risikobereitschaft ab, sondern auch von mehreren Merkmalen, die sowohl marktweit als auch anlagenspezifisch sein können. Rohstoffversorgung ist eine davon: Eine Anlage benötigt verlässlichen Zugang zu geeigneten Rohstoffen zu wirtschaftlichen Kosten; müssen diese über weite Strecken transportiert werden oder wird um dieselben Materialien konkurriert, belastet das die Projektwirtschaftlichkeit.
Auch die Planbarkeit der Erlöse ist entscheidend: Je nach Markt können Förderungen, Zertifikatemärkte für erneuerbares Gas und kommerzielle Abnahmeverträge Erlöse stützen. Erst eine belastbare vertragliche Ausgestaltung macht daraus tatsächlich planbare, infrastrukturähnliche Cashflows.
Schließlich spielt auch die Umsetzung eine Rolle: Genehmigungen und Netzanschlüsse können Projekte verzögern, während Anlagendesign, Baukosten, Inbetriebnahme und vor allem die Qualität des Managements die Wirtschaftlichkeit eines Projekts maßgeblich beeinflussen. Erfahrung und Expertise zählen in einem Markt, in dem der Anlageerfolg von Fachwissen, Beziehungen und lokaler Umsetzung abhängt
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