Schroder Investment Management | Wenn Märkte die Überzeugung auf den Prüfstand stellen, sollte man dem Anlageprozess vertrauen
Joven Lee, Multi-Asset Strategist bei Schroders
Investmentfonds.de | Frankfurt am Main, 27.05.2026 - Unsicherheit stellt die größte Bewährungsprobe für das aktive Portfoliomanagement dar. Eine überstürzte Reaktion oder tatenlose Schockstarre könnte über den Ausgang hart erarbeiteter Gewinne entscheiden. Als Anleger, die auf Fundamentalanalyse setzen, sind wir davon überzeugt, dass ein robuster Anlageprozess exakt darauf ausgelegt sein muss, eine Vielzahl möglicher Marktszenarien abzufedern. Ob Value-Aktien-Investor, Experte für Schwellenländeranleihen oder Portfoliomanager mit Fokus auf Kapitalerhalt – das Grundprinzip bleibt stets dasselbe: Ein klar definierter Prozess liefert die nötige Disziplin, um auch durch Phasen mit geringer Sichtweite und hoher Emotionalität souverän zu navigieren.
Doch genau in diesen Momenten – wenn die Unsicherheit am größten ist – ist die Versuchung, von diesem Prozess abzuweichen, am stärksten. Geopolitische Schocks, ausgeprägte Marktbewegungen und ein konstanter Nachrichtenstrom können leicht das Gefühl erzeugen, unmittelbar handeln zu müssen. Doch welche Situationen rechtfertigen tatsächlich eine fundamentale Neubewertung der zugrunde liegenden Annahmen – und welche stellen lediglich die bestehende Überzeugung auf den Prüfstand?
Was passiert, wenn fundamentale Annahmen Tag für Tag getestet werden?
Phasen anhaltender Störungen lösen an den Finanzmärkten meist eine vertraute Erwartungskette aus. Mit zunehmender Unsicherheit setzen Anleger typischerweise auf US-Staatsanleihen als Absicherung, auf Rohstoffe – insbesondere Energie –, die bei Angebotsbedenken zulegen, sowie auf den US-Dollar als sicheren Hafen. Allgemein besteht die implizite Überzeugung, dass Diversifikation „funktionieren“ sollte und dass sich verschiedene Anlageklassen ausgleichend verhalten und Portfolios vor dem Schock schützen.Diese Beziehungen werden jedoch oft als stabiler – und vorhersehbarer – betrachtet, als sie es in der Realität sind. Die Annahme, dass die Märkte nach einem vertrauten Muster reagieren, mag beruhigend sein, birgt aber das erhebliche Risiko, eine komplexere Realität zu stark zu vereinfachen.
Korrelationen als Beispiel
Korrelationen sind häufig entscheidende Eingangsgrößen, wenn Manager die strategische Asset-Allokation eines Portfolios festlegen oder entscheiden, ob eine neue Position aufgebaut werden soll. Sie bilden oft die Grundlage für die Diversifikationslogik und beruhen auf der Annahme, dass Beziehungen stabil genug sind, um Entscheidungen zu leiten.Korrelationen sind jedoch nicht statisch. Die Beziehungen zwischen Aktien und anderen Anlageklassen verändern sich im Verlauf einer Krise erheblich – oft deutlich vor dem Höhepunkt der Marktvolatilität. Muster, die in stabileren Phasen Bestand hatten, können sich in relativ kurzen Zeiträumen abschwächen, verstärken oder sogar umkehren. Korrelationen können sich im Vorfeld und während geopolitischer Ereignisse verändern.
Das bedeutet, dass Investieren oft mehr Kunst als exakte Wissenschaft ist, da sich keine einzelne Anlageklasse über alle Zeiträume hinweg konsistent verhält. Anlageklassen, die gemeinhin als defensiv gelten, reagieren nicht immer einheitlich. Die Interaktion zwischen den Anlageklassen variiert je nach aktuellem Marktkontext und je nachdem, ob die Märkte den Schock primär als Wachstumsrisiko, als Inflationsrisiko oder als beides interpretieren.
Iran Krieg 2026: Der markante Rückgang der Goldpreise Mitte März 2026 ist ein anschauliches Beispiel für wechselnde Renditetreiber. Steigende Inflationssorgen verdrängten die geopolitische Absicherungsfunktion des Edelmetalls; Gold bewegte sich wieder im Gleichklang mit den Realzinsen, nachdem diese Beziehung in den vergangenen Jahren zeitweise außer Kraft gesetzt schien.
Anlageklassen, die gemeinhin als Diversifikatoren gelten – etwa Rohstoffe oder Gold – weisen keine einheitliche Beziehung zu Aktien über verschiedene Ereignisse hinweg auf. In manchen Fällen werden die Korrelationen negativer und bieten einen gewissen Schutz. In anderen Fällen entwickeln sie sich in die entgegengesetzte Richtung: Anlageklassen werden stärker positiv korreliert, gerade dann, wenn die Märkte unter Druck geraten. Dasselbe gilt für traditionelle sichere Häfen: Stärke und Timing des Diversifikationsvorteils können je nach Art des Schocks erheblich variieren.
Diese Inkonsistenz spiegelt die Tatsache wider, dass nicht alle Krisen gleich sind. Manche sind primär Wachstumsschocks, etwa die europäische Staatsschuldenkrise 2011. Andere werden durch Versorgungsunterbrechungen ausgelöst, etwa die Lieferkettenstörungen nach Covid oder durch Inflationssorgen, wie der erwartete Inflationsschub durch die Einführung von Zöllen. Viele Krisen vereinen mehrere dieser Elemente. Es ist daher nur folgerichtig, dass es kein einheitliches Muster gibt, auf das sich Anleger zuverlässig stützen können. Es gibt kein universell gültiges geopolitisches Playbook.
Die Streuung zwischen Ereignissen ist erheblich
Betrachtet man verschiedene Ereignisse, ist das auffälligste Merkmal nicht nur, dass sich Korrelationen verändern, sondern wie stark die Ergebnisse variieren können. Selbst traditionell defensive Anlageklassen wie US-Staatsanleihen weisen eine große Streuung der Korrelationen auf. Korrelationen zwischen Aktien und defensiven Anlagen können zeitweise deutlich negativ sein und klare Diversifikationsvorteile bieten. In anderen Phasen ist diese Beziehung erheblich schwächer und bietet weitaus weniger Schutz.Diese Streuung hebt einen wichtigen Punkt hervor: Durchschnittswerte können irreführend sein. Es mag verlockend sein, sich auf historische Normen zu verlassen, doch die Erfahrung während einzelner Episoden kann erheblich von diesen Durchschnittswerten abweichen. Für Anleger zählt nicht nur die zentrale Tendenz, sondern die gesamte Bandbreite möglicher Ergebnisse – insbesondere in Stressphasen.
Diese Variabilität deutet grundsätzlich darauf hin, dass Unsicherheit in den Beziehungen zwischen Anlageklassen keine Anomalie bildet, sondern ein inhärentes Merkmal von Märkten. Das Verhalten verschiedener Anlageklassen während geopolitischer Schocks wird durch ein Zusammenspiel von Faktoren geprägt – Wachstumserwartungen, Inflationsdynamik, politische Reaktionen und Marktpositionierung –, die von Episode zu Episode nahezu zwangsläufig variieren.
Unsicherheit ist in diesem Sinne strukturell, nicht zufällig. Die Tatsache, dass Korrelationen sich über Ereignisse hinweg unterschiedlich verhalten, ist kein Versagen von Diversifikation, sondern ein Spiegelbild der komplexen und sich wandelnden Natur der Risiken, die Anleger zu steuern versuchen.
Die entscheidende Erkenntnis
Zusammengenommen deuten diese Erkenntnisse auf eine unbequeme Schlussfolgerung hin: Obwohl Diversifikation unverzichtbar bleibt, ist ihr kurzfristiges Verhalten weitaus unvorhersehbarer, als viele Anleger annehmen. Korrelationen verschieben sich manchmal stark und zwar oft auf eine Weise, die von der Art des Schocks abhängt, nicht von der Anlageklasse selbst.Das bedeutet nicht, dass Diversifikation nicht funktioniert. Die Variabilität der Korrelationen untergräbt das Argument für Diversifikation nicht, sie verstärkt es paradoxerweise. Wären die Beziehungen zwischen Anlageklassen stabil und vorhersehbar, könnten Anleger einfach auf ein einziges Szenario setzen. Die Unsicherheit unterstreicht vielmehr die Bedeutung eines diversifizierten Portfolios, das auf eine Vielzahl von Szenarien ausgelegt ist.
Dem Anlageprozess vertrauen
Genau deshalb ist ein disziplinierter Anlageprozess so wichtig. Anleger können nicht zuverlässig vorhersagen, welche Absicherung greifen wird, wann sich Korrelationen verschieben oder Portfolios in Echtzeit konsistent neu positionieren.In der Praxis erweisen sich solche Versuche oft als kontraproduktiv. Entscheidungen, die inmitten erhöhter Unsicherheit getroffen werden, sind häufig ebenso sehr von Narrativen und kurzfristigen Kursbewegungen geleitet wie von Fundamentaldaten. Das kann dazu führen, dass Absicherungen erst dann gesucht werden, wenn sie bereits teuer geworden sind, oder dass Risikopositionen abgebaut werden, nachdem der Großteil der Korrektur bereits stattgefunden hat, was Verluste de facto zementiert, anstatt das Risiko aktiv zu steuern.
Ein sorgfältig konstruierter Anlageprozess ist hingegen von vornherein auf diese Unsicherheiten ausgelegt. Er berücksichtigt, dass Diversifikation über kurze Zeiträume nicht immer konsistent wirkt und dass verschiedene Anlageklassen je nach Art des Schocks unterschiedlich reagieren.
Das bedeutet nicht, neue Informationen zu ignorieren oder den Ausblick nicht neu zu bewerten, sondern zwischen der Überprüfung von Annahmen und dem Reagieren auf Marktlärm zu unterscheiden. In den meisten Fällen erfordern geopolitische Schocks eine sorgfältige Analyse und keine grundlegende Neuausrichtung der Portfoliostrategie.
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Wie ist die Anlagestrategie der Experten aktuell?
Die INVEXTRA.COM AG hat bereits vor Monaten reagiert und die Investmaxx Stop&Go Depots ihrer Kunden in risikoärmere Anlagen umgeschichtet. „Wir beobachten die Märkte aktuell von der Seitenlinie und warten eine mögliche Korrektur ab. Erst wenn sich eine nachhaltige Lösung im Nahostkonflikt abzeichnet, werden wir wieder selektiv in Aktienmärkte einsteigen“, betont Tittes.
Das Unternehmen setzt bei seiner Vermögensverwaltung auf eine Behavioural-Finance-Strategie, die irrationale Verhaltensmuster von Anlegern und politischen Entscheidungsträgern systematisch berücksichtigt und daraus entstehende Preisanomalien gezielt nutzt, , um rechtzeitig auszusteigen aus Aktienmärkten oder später zu günstigeren Kursen wieder einzusteigen. So konnten die Investmaxx Stop&Go Offenisve Depots seit 1996 ein besseres Rendite-Risikoverhältnis erzielen als der Dax.
Diese Mitteilung stellt keine Anlageberatung dar. Eine persönliche und unabhängige Beratung erhalten Anleger ausschließlich im Rahmen einer qualifizierten Finanzberatung.
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Disclaimer: Diese Meldung ist keine Empfehlung zu einer Fondsanlage und keine individuelle Anlageberatung. Vor jeder Geldanlage in Fonds sollte man sich über Chancen und Risiken beraten und aufklären lassen. Der Wert von Anlagen sowie die mit ihnen erzielten Erträge können sowohl sinken als auch steigen. Unter Umständen erhalten Sie Ihren Anlagebetrag nicht in voller Höhe zurück. Die in diesem Kommentar enthaltenen Informationen stellen weder eine Anlageempfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Handel mit Anteilen an Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar.
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