Capital | Ölpreis vor unruhigem Handelsauftakt nach Angriffen zwischen den USA und dem Iran
Kyle Rodda, Senior Finanzmarkt Analyst der Capital.com
- Wall Street setzt Abwärtstrend fort, während sich der Ausverkauf bei KI-Aktien hinzieht
- Fokus auf Fed-Zinsentscheid vor den US-Arbeitsmarktdaten (NFPs) dieser Woche
Investmentfonds.de | Die Wall Street beendete die Woche mit Verlusten, da der Ausverkauf im US-Technologiesektor weiterhin auf die wichtigsten Indizes drückte. Das Marktgeschehen verlief unruhig und deutet darauf hin, dass der Markt auch von den typischen Aktivitäten zum Monatsende geprägt ist; die Kursbewegungen könnten daher eher „Rauschen“ als ein echtes Signal darstellen. Der aktuelle Fokus liegt auf der Kapitalrendite im Bereich der künstlichen Intelligenz sowie auf der Frage, ob sich der Kostendruck allmählich entlang der Lieferkette ausbreitet. Die Ankündigung von Apple in der vergangenen Woche, die Preise für eine Reihe von Produkten zu erhöhen – auch wenn es sich dabei nicht um ein reines KI-Investment handelt –, zeigt, dass der durch die Nachfrage nach Rohstoffen für den KI-Ausbau verursachte Kostendruck nun unmittelbar die Verbraucher zu treffen droht.
Dies ist der derzeitige Widerspruch, der die Märkte prägt. Der KI-Boom sorgt für hohe Gewinne und massive Investitionen und stützt so das Wirtschaftswachstum. Doch je höher die Rentabilität – und damit das Wachstum – in dieser Branche ausfällt, desto stärker ist der Preisdruck, dem die Zentralbanken womöglich mit Zinserhöhungen begegnen müssen. Die Daten zum PCE-Preisindex der vergangenen Woche fielen zwar nicht ganz so schlecht aus wie befürchtet, was den Handlungsdruck hinsichtlich künftiger Zinsschritte etwas mindert; dennoch liegt die Inflation weiterhin deutlich über dem Zielwert der Fed und bewegt sich in die falsche Richtung. Die Märkte gehen mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 % von einer Zinserhöhung noch vor Jahresende aus. Die nächste wichtige Hürde sind die am Ende der Woche anstehenden US-Arbeitsmarktdaten für Juni (Non-Farm Payrolls); es wird erwartet, dass diese eine weitere Belebung des US-Arbeitsmarktes zeigen und somit kaum noch Hindernisse für eine Zinsanhebung durch die Fed erkennen lassen.
Ein entscheidender Faktor für die Inflation – und damit auch für die Marktstimmung – bleibt der Krieg im Nahen Osten. Dies gilt insbesondere nach einem weiteren Wochenende, an dem die Feindseligkeiten (zumindest teilweise) wieder aufflammten und Befürchtungen schürten, die Deeskalation zwischen den USA und dem Iran könnte scheitern und die rasche Wiederöffnung der Straße von Hormus zunichtemachen. Wie zu erwarten war, haben sich die Signale aus den USA und dem Iran kurz vor Handelsbeginn erneut deutlich gewandelt; beide Seiten deuteten an, ihre Angriffe vor der nächsten Gesprächsrunde zurückzufahren. Während die Märkte hinsichtlich des Konflikts bereits viele positive Nachrichten eingepreist haben, stützen die offensichtlichen Bemühungen der Trump-Regierung, die Ölpreise zu senken und die Aktienkurse zu beflügeln, die Hoffnung, dass sie alles Erforderliche tun wird, um eine Einigung zu erzielen.
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