Schroders Capital: Warum der US-Sektor für saubere Energie in Bewegung ist
Minal Patel, Global Head of Infrastructure bei Schroders Capital
- Trotz politischen Gegenwinds wächst in den Vereinigten Staaten der Markt für erneuerbare Energie.
- Für Investoren ergeben sich neben der Stromerzeugung zunehmend Chancen im Bereich Infrastruktur, die nötig ist, um Energie effizienter zu erzeugen, zu steuern und zu nutze
Investmentfonds.de - Die Trump-Regierung hat sich lautstark für die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ausgesprochen und erneuerbare Energien, insbesondere die Windkraft, kritisiert. Nur wenige Branchenteilnehmer waren daher überrascht, als im Juli 2025 der „One Big Beautiful Bill Act“ (OBBBA) verabschiedet wurde, der die Anreize des Bundes für erneuerbare Energien schrittweise abbaut.
Überraschender hingegen ist, wie widerstandsfähig sich der Sektor trotz erheblicher regulatorischer Veränderungen und politischer Nebengeräusche seither entwickelt hat. Nach Daten von S&P Global Energy Data sollen in den USA 2026 neue Onshore-Wind- und Solarkapazitäten in Rekordhöhe von rund 45 Gigawatt hinzukommen, und das trotz reduzierter Anreize auf Bundesebene. Die Zahl liegt 25 Prozent über dem bisherigen Rekord aus dem Jahr 2024.
Die Nachfrage stützt das Wachstum, doch regulatorische Risiken bleiben
Der kurzfristige Entwicklungsschub ist teilweise eine Reaktion auf das Auslaufen der steuerlichen Anreize auf Bundesebene: Projektentwickler beschleunigen ihre Vorhaben, um sich Subventionen zu sichern, bevor sie wegfallen. Langfristig dürften erneuerbare Energien weiterhin eine zunehmende und entscheidende Rolle im US-Energiemix spielen.Die bevorstehenden Zwischenwahlen in den USA könnten die Fähigkeit der aktuellen Regierung auf die Probe stellen, Kapital durch Regeländerungen und Executive Orders in bestimmte Sektoren oder aus ihnen heraus zu lenken – zumindest langfristig.
Vielleicht noch entscheidender ist, dass der Strombedarf mit steigender Nutzung von KI und dem Ausbau von Rechenzentren weiter steigt. Das erzeugt sowohl Aufwärtsdruck auf die Strompreise als auch eine breitere Belastung des Stromnetzes.
Unabhängig von kurzfristigen politischen Ergebnissen erwarten wir, dass der stetig steigende Energiebedarf die Entwicklung sauberer Energie in den USA als eine von vielen Stromquellen stützt.
Unter dem Strich könnte das wichtigste Ergebnis einer Änderung der US-Energiepolitik auf Bundesebene nicht ein Rückgang der Entwicklungstätigkeit bei erneuerbaren Energien sein, sondern ein stärkerer Fokus auf regulatorische Risiken. Das unterstreicht den Bedarf an spezialisierteren Investoren, die sich in einem ständig wandelnden operativen, regulatorischen und wettbewerblichen Umfeld zurechtfinden.
Die Chancen reichen über die Stromerzeugung hinaus
Zwar bleibt der Zubau klassischer erneuerbarer Energien in Form von Solar- und Windparks wichtig, um in den USA Energieangebot und -nachfrage ins Gleichgewicht zu bringen, doch sind die Dynamik der Energiewende und die Investitionsmöglichkeiten deutlich breiter geworden.Mit der Stilllegung des alternden Bestands an Kohle- und Kernkraftwerken und dem Ersatz durch neue, modernere Erzeugungsformen ist auch die Modernisierung der Übertragungsinfrastruktur erforderlich. Neue Formen des Energieverbrauchs schaffen zudem Bedarf an Infrastruktur zur Unterstützung der Elektrifizierung von Verkehr, Gebäuden und Industrie.
Daraus ergibt sich ein zunehmend vielfältiger Markt für Infrastruktur der Energiewende. Er reicht von reifen Anlagen mit vertraglich gesicherten oder regulierten Erlösen bis hin zu sich entwickelnden Technologien und Wachstumsplattformen mit dem Potenzial für Kapitalzuwachs. Für Investoren eröffnet diese größere Vielfalt Möglichkeiten über das gesamte Risiko-Rendite-Spektrum, von Core und Core-Plus bis Value Add.
Batteriespeicher helfen, mit Unterbrechungen umzugehen
Eines der besten Beispiele für dieses zunehmend vielfältige Spektrum an Investitionsmöglichkeiten in den USA sind wohl Batteriespeicher. Soweit die Erzeugung aus Solar- und Windkraft je nach Wetter und Tageszeit variiert, helfen sie, mögliche Diskrepanzen zwischen dem Zeitpunkt der Erzeugung und dem des Verbrauchs auszugleichen. Batterien können Strom speichern, wenn das Angebot reichlich ist, und ihn abgeben, wenn die Nachfrage steigt oder die Erzeugung aus erneuerbaren Energien sinkt.Ein eindrucksvolles Beispiel machte im Frühjahr in Branchenkreisen die Runde: Daten von CAISO, dem Stromnetzbetreiber für den Großteil Kaliforniens und Teile Nevadas, zeigten, dass Batteriesysteme am 29. März während einer abendlichen Nachfragespitze mehr als 12 Gigawatt in das kalifornische Netz einspeisten.
Speicheranlagen bieten zudem mehrere Anwendungsfälle, je nachdem, ob sie im Rahmen langfristiger Verträge zur Stärkung der Netzresilienz betrieben werden oder Möglichkeiten zur Energiearbitrage an bestimmten Netzknoten bieten, an denen die Strompreise stark schwanken können. Der erste Anwendungsfall generiert stabile Einnahmen, der zweite ist in der Regel mit höherem Risiko, aber potenziell höherem Ertrag verbunden. Mit zunehmender Reife der Erlösmodelle für Batteriespeicher ist ein spezialisierter Investor, der die Entwicklung dieser Modelle kennt, gut positioniert, um die Erlöscharakteristika eines Batterieportfolios auszubalancieren. So lassen sich die Risiko- und Ertragsmerkmale erreichen, die ein bestimmter Fonds, eine Strategie oder eine Investorengruppe anstrebt.
Die Märkte beiderseits des Atlantiks unterscheiden sich erheblich
In Europa war die Energiewende in erster Linie politisch getrieben: durch verbindliche Dekarbonisierungsziele, Mechanismen zur CO₂-Bepreisung und einen wachsenden Fokus auf Energiesicherheit nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine, wobei der Konflikt im Iran diesen Fokus zusätzlich verschärft hat.Dagegen war die Energiewende in den USA stärker marktgetrieben. Sie profitierte von reichlich Fläche, natürlichen Ressourcen und einer breiteren Palette an Erzeugungsoptionen, darunter Erdgas. Die Unterstützung durch die Bundespolitik hat zwar im Zeitverlauf geschwankt, doch stützen ein starkes zugrunde liegendes Nachfragewachstum und eine günstige Dynamik an den Strommärkten weiterhin die Entwicklung erneuerbarer Energien.
Die relative Reife von Teilen der europäischen Energiewende-Landschaft hat ein breiteres und vielfältigeres Spektrum an Investitionsmöglichkeiten geschaffen, als es historisch in den USA bestand. Gleichzeitig haben mehrere europäische Länder gezielte politische Fördermechanismen für aufstrebende Sektoren wie Biomethan, erneuerbare Kraftstoffe, Wasserstoff und industrielle Dekarbonisierung eingerichtet und damit Wege eröffnet, in Technologien zu investieren, die anderswo weiterhin weniger entwickelt sind.
Investoren, die in ganz Europa tätig sind, mussten Chancen anhand einer Vielzahl von Regulierungsregimen, Subventionsstrukturen, Merchant-Märkten und vertraglichen Rahmenbedingungen bewerten. Diese Breite an Erfahrung hilft, ein tieferes Verständnis dafür zu entwickeln, wie Technologien von politisch gestützten Konzepten zu kommerziell skalierbarer Infrastruktur reifen.
Diese Breite der Perspektive könnte in den USA besonders wertvoll sein, da sich die Strommärkte weiterentwickeln, Batteriespeicher skalieren und Investoren sich in einer zunehmend komplexen Energiewende-Landschaft bewegen.
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