Lazard AM | Fed-Ausblick: Warum der KI-Boom für den weiteren Zinskurs entscheidend werden könnte
Ron Temple, Chief Market Strategist von Lazard AM
Investmentfonds.de - Frankfurt, 23.09.2026 - Für den weiteren Zinspfad der US-Notenbank dürfte neben Energiepreisen und Inflation ein weiterer Faktor zunehmend an Bedeutung gewinnen: die Entwicklung des US-amerikanischen KI-Investitionsbooms. Dieser Ansicht ist Ronald Temple, Chief Market Strategist bei Lazard.
„Die Fed steht vor einer anderen Ausgangslage als die EZB oder die Bank of Japan“, sagt Temple. „In den USA trifft der aktuelle Energiepreisschock auf eine weiterhin robuste Wirtschaft und einen außergewöhnlich starken KI-Investitionszyklus. Damit bestehen bereits unabhängig von möglichen Zweitrundeneffekten durch höhere Energiepreise strukturell höhere Inflationsrisiken.“
Die Fed hatte den Leitzins Mitte September um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Temple rechnet mit mindestens einer weiteren Zinserhöhung in diesem Jahr und hält einen zusätzlichen Schritt Anfang 2027 für möglich. Wie es danach weitergeht, dürfte aus seiner Sicht jedoch nicht allein von der Entwicklung der Energiepreise und der geopolitischen Lage abhängen.
KI-Boom wird zum Faktor für die Geldpolitik
Der KI-Investitionsboom unterscheide die USA derzeit wesentlich von anderen großen Volkswirtschaften. Allein die US-Hyperscaler dürften 2026 mehr als 750 Milliarden US-Dollar investieren, so Temple, und lägen damit mehr als 80 Prozent über dem Vorjahresniveau. Für die Fed sei deshalb relevant, wie nachhaltig dieser Investitionszyklus sei.„Für den weiteren Zinspfad wird die Entwicklung des KI-Booms immer wichtiger“, sagt Temple. „Nach den nächsten Zinsschritten könnten weitere Erhöhungen ebenso stark vom Ausblick für KI-Investitionen abhängen wie von der Entwicklung des Iran-Konflikts.“
Ganz anders in der Eurozone: Dort wächst die Wirtschaft nach Temples Einschätzung unter ihrem Potenzial und leidet bereits seit Jahren unter erhöhten Energie- und Sicherheitskosten. Zugleich profitiere Europa deutlich weniger vom KI-Investitionsboom als die USA. Für die EZB stehe deshalb stärker die Frage im Vordergrund, ob höhere Energiepreise auf andere Bereiche der Wirtschaft übergreifen und breiteren Preisdruck auslösen.
Für Anleger bedeute das: Auch die Entwicklung der Investitionen in Rechenzentren, Halbleiter und andere KI-Infrastruktur könnte zunehmend darüber entscheiden, wie lange die US-Geldpolitik restriktiv bleibt. Hält der KI-Investitionsboom an, könnte dies für die Fed Argumente für eine weiterhin straffe Geldpolitik liefern. Verliert er deutlich an Kraft, könnte sich dagegen auch die Ausgangslage für die Notenbank verändern.
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