DNB AM | China überholt den Westen im Rennen um den selbstfahrenden Lastwagen
Audun Wickstrand-Iversen, Portfoliomanager DNB Disruptive Opportunities bei DNB Asset Management
Investmentfonds.de - Die Revolution rollt leise über die Autobahn. Noch sitzt in den meisten Lastwagen ein Fahrer, doch die Technologie, die ihn eines Tages ersetzen könnte, fährt bereits mit. Kameras, Radar, künstliche Intelligenz und leistungsfähige Batterien verändern derzeit eine der ältesten Industrien der modernen Wirtschaft: den Gütertransport. Was lange nach Science-Fiction klang, wird zunehmend zum industriellen Projekt. Selbstfahrende Lastwagen stehen kurz davor, die Logistik grundlegend zu verändern – mit Folgen weit über die Transportbranche hinaus.
Die Kostenrevolution im Gütertransport
Der wirtschaftliche Treiber hinter dieser Entwicklung ist einfach zu verstehen. Gütertransport ist ein margenschwaches Geschäft, in dem jeder eingesparte Franken pro Kilometer zählt. In der klassischen Diesel-Logistik entfallen ein grosser Teil der Kosten auf den Fahrer selbst. Löhne, Sozialabgaben und gesetzliche Ruhezeiten bestimmen, wie viel ein Lastwagen pro Tag tatsächlich fahren kann. Autonome Fahrzeuge versprechen, dieses Kostenmodell aufzubrechen. In vielen Transportnetzen machen Fahrerkosten rund 30 bis 50 Prozent der gesamten Betriebskosten eines Lastwagens aus. Wenn ein Fahrzeug ohne Fahrer betrieben werden kann, verändert sich die Rechnung fundamental.Hinzu kommt die Elektrifizierung. Elektromotoren benötigen weniger Wartung, Strom ist vielerorts günstiger als Diesel, und digitale Systeme können Fahrweise, Geschwindigkeit und Routen optimieren. In Kombination mit autonomer Technologie entsteht ein neues Kostenmodell. Studien und Branchenanalysen zeigen, dass selbstfahrende Lastwagen in bestimmten Einsatzbereichen bereits heute 13 bis 40 Prozent günstiger betrieben werden können als konventionelle Diesel-Lkw. Bis 2030 könnte der Kostenvorteil in manchen Segmenten sogar bis zu 50 Prozent erreichen.
Ein weiterer Effekt entsteht durch die Nutzung der Fahrzeuge selbst. Ein menschlicher Fahrer darf in vielen Ländern nur rund zehn Stunden pro Tag fahren, danach greifen gesetzliche Ruhezeiten. Ein autonomer Lastwagen dagegen kann nahezu rund um die Uhr unterwegs sein. Aus Sicht eines Logistikunternehmens bedeutet das eine deutlich höhere Kapitalrendite auf das Fahrzeug. Der gleiche Lastwagen transportiert mehr Güter pro Tag und kann Strecken schneller abdecken. Für Lieferketten, die immer stärker auf Geschwindigkeit und Planbarkeit angewiesen sind, ist das ein entscheidender Vorteil.
China als Taktgeber der Industrie
Wie schnell sich diese Technologie durchsetzt, hängt stark von der Region ab. Besonders weit fortgeschritten ist die Entwicklung derzeit in China. Dort hat der Staat die Elektrifizierung und Digitalisierung des Schwerverkehrs zu einer industriepolitischen Priorität erklärt. Hersteller wie BYD oder Geely entwickeln elektrische Lastwagen, während Technologieunternehmen autonome Systeme beisteuern. Das Ergebnis ist eine ungewöhnlich schnelle Skalierung des Marktes.Die Zahlen sind eindrücklich. Im Jahr 2025 wurden in China mehr als 231 000 neue elektrische oder hybride Lastwagen verkauft – ein Wachstum von rund 182 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Dezember desselben Jahres machten elektrifizierte Modelle erstmals mehr als die Hälfte der Neuzulassungen aus und übertrafen damit Dieselantriebe. Auch bei der autonomen Technologie liegt China vorne. Tausende selbstfahrende Lastwagen sind bereits im kommerziellen Einsatz, vor allem auf klar definierten Strecken zwischen Logistikzentren, Häfen oder Industrieanlagen. Zusammen legen sie täglich mehr als eine Million Kilometer zurück. Unternehmen wie Inceptio oder Pony.ai haben bereits Hunderte Millionen Test- und Betriebskilometer gesammelt.
Der Vorsprung Chinas beruht auf einem Zusammenspiel aus staatlicher Förderung, Infrastrukturinvestitionen und industrieller Strategie. Subventionen senken die Anschaffungskosten für Elektrofahrzeuge, während gleichzeitig Lade- oder Batteriewechselstationen aufgebaut werden. Je mehr Fahrzeuge auf der Strasse sind, desto mehr Daten sammeln die autonomen Systeme. Diese Daten wiederum verbessern die künstliche Intelligenz der Fahrzeuge – ein Kreislauf, der die Entwicklung beschleunigt.
Amerika setzt auf Technologie
In den USA zeigt sich ein anderes Bild. Technologisch sind amerikanische Unternehmen teilweise führend, doch die Marktdurchdringung ist noch gering. Elektrische Schwerlastfahrzeuge machen bislang nur einen kleinen Teil des Marktes aus, und auch autonome Systeme befinden sich überwiegend in Pilotprojekten. Dennoch entstehen gerade hier einige der ambitioniertesten Projekte der Branche. Das Technologieunternehmen Aurora beispielsweise testet autonome Transporte auf langen Autobahnstrecken im Süden der USA. Eine der Teststrecken verbindet Fort Worth in Texas mit Phoenix in Arizona – eine Distanz von rund 1600 Kilometern. Ein autonomer Lastwagen kann diese Strecke theoretisch ohne Pause zurücklegen, während ein menschlicher Fahrer gesetzlich nach maximal elf Stunden Fahrtzeit stoppen muss.Auch andere Unternehmen arbeiten an ähnlichen Konzepten. Kodiak Robotics entwickelt autonome Systeme für Ferntransporte, während Tesla versucht, mit seinem elektrischen Sattelschlepper «Semi» eine neue Fahrzeugplattform zu etablieren. Die Serienproduktion wurde mehrfach verschoben, doch langfristig plant das Unternehmen Produktionskapazitäten von bis zu 50 000 Lastwagen pro Jahr.
Europa unter regulatorischem Druck
Europa bewegt sich zwischen diesen beiden Modellen. Hier wird die Transformation weniger durch Technologieunternehmen als durch Regulierung vorangetrieben. Die EU hat ambitionierte Klimaziele für den Schwerverkehr formuliert. Hersteller müssen ihre CO₂-Emissionen bis 2025 um 15 Prozent und bis 2030 um 45 Prozent gegenüber dem Niveau von 2019 senken. Diese Vorgaben zwingen die Branche, in elektrische Antriebe zu investieren. Hersteller wie Volvo Trucks, Scania oder Daimler Truck haben bereits Serienmodelle elektrischer Lastwagen auf den Markt gebracht. Dennoch befindet sich der Markt noch in einer frühen Phase. Im Jahr 2025 lag der Anteil emissionsfreier Lastwagen bei rund drei Prozent der Neuzulassungen in Europa.Autonome Systeme werden in Europa voraussichtlich langsamer eingeführt als in China oder in einigen US-Bundesstaaten. Die komplexe Regulierung, dicht besiedelte Verkehrsnetze und die Vielzahl nationaler Zuständigkeiten machen den Einsatz fahrerloser Fahrzeuge schwieriger. Daher konzentrieren sich viele Projekte zunächst auf kontrollierte Umgebungen wie Häfen, Logistikzentren oder feste Transportkorridore.
Wenn Logistik zum Softwaregeschäft wird
Die wirtschaftlichen Folgen dieser Entwicklung könnten weit über die Transportbranche hinausreichen. Elektrische Lastwagen senken nicht nur die Kosten für Logistikunternehmen, sondern verändern auch die Nachfrage nach Energie. Wenn Schwertransporte zunehmend elektrisch betrieben werden, sinkt langfristig der Bedarf an Diesel. Erste Hinweise darauf sind bereits sichtbar, insbesondere in China, wo die Elektrifizierung des Schwerverkehrs schneller voranschreitet als von vielen Analysten erwartet.Gleichzeitig entstehen neue Wertschöpfungsketten. Der Wettbewerb verlagert sich von Motoren und Getrieben hin zu Batterietechnologie, Softwareplattformen und Daten. Sensoren wie LiDAR und Radar, leistungsfähige Halbleiter und künstliche Intelligenz werden zu zentralen Komponenten der Fahrzeuge. Unternehmen, die diese Technologien liefern, könnten zu den wichtigsten Profiteuren der kommenden Logistikrevolution zählen.
Ein neuer Investitionszyklus
Für Investoren stellt sich damit eine klassische Frage der Technologiewirtschaft: Wann ist der richtige Zeitpunkt, um einzusteigen? Viele disruptive Innovationen folgen einem ähnlichen Muster. In den frühen Jahren sind Kosten hoch, Geschäftsmodelle unsicher und der Markt klein. Doch wenn die Technologie einmal wirtschaftlich wird, kann die Verbreitung sehr schnell wachsen.Der Markt für selbstfahrende Lastwagen könnte sich genau an diesem Übergang befinden. Während China bereits in eine Phase schneller Skalierung eintritt, stehen Europa und die USA noch am Anfang der Entwicklung. Sollte sich die Kombination aus Elektrifizierung und autonomem Fahren tatsächlich als kostengünstiger erweisen als der traditionelle Dieseltransport, könnte sich der Schwerverkehr in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren stärker verändern als in den fünfzig Jahren zuvor.
Die Lastwagen der Zukunft werden dann weniger wie klassische Fahrzeuge funktionieren und mehr wie mobile Rechenzentren auf Rädern. Sie werden Daten sammeln, miteinander kommunizieren und ihre Routen selbst optimieren. Für die Logistikbranche bedeutet das einen radikalen Effizienzgewinn. Für Investoren eröffnet sich ein neues industrielles Ökosystem – und für die Autobahn ein Bild, das lange nur in Visionen existierte: Kolonnen von Lastwagen, die scheinbar von selbst fahren.
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