Schroder IM | Umfrage: Geopolitische Turbulenzen verändern Portfolios
Alexander Prawitz, Country Head Germany, Austria, CEE & Mediterranean bei Schroders
Global Investor Insights Survey
- Deutsche Investoren sind im internationalen Vergleich besonders von der US-Außenpolitik verunsichert: Für 84 % ist sie die größte geopolitische Sorge – ein Wert, der weit über dem globalen Durchschnitt von 67 % liegt.
- 84 % der deutschen Investoren sind zuversichtlich, dass aktives Management beim Erreichen ihrer Anlageziele helfen kann – dies entspricht in etwa dem globalen Durchschnitt von 85 %.
- 67 % der deutschen Investoren (gegenüber 50 % im weltweiten Durchschnitt) bewerten Anlagechancen in Public und Private Equity mittlerweile gemeinsam und nicht getrennt voneinander.
Investmentfonds.de | Weltweit strukturieren Investoren ihre Portfolios um, da geopolitische Unsicherheit und Marktkonzentration zu einer Neubewertung der traditionellen Asset Allokation führen und wieder verstärkt aktives Management erfordern. Zu diesem Ergebnis kommt die heute veröffentlichte Umfrage von Schroders, Global Investor Insights Survey 2026 (GIIS).
Die wegweisenden Ergebnisse – basierend auf der Befragung von weltweit mehr als 1.000 institutionellen Investoren, Vermögensverwaltern und anderen Intermediären mit einem verwalteten Gesamtvermögen von 72 Billionen US-Dollar – zeigen, dass 85 % der Anleger weltweit im kommenden Jahr eine höhere Marktvolatilität erwarten. Der Anteil unter den deutschen Befragten ist mit 77 % ähnlich hoch. Sie richten ihre Portfolios nun stärker auf Resilienz und Diversifikation aus.
Die Umfrage, die nach dem Ausbruch des Krieges im Iran Anfang 2026 durchgeführt wurde, ergab, dass der Konflikt im Nahen Osten (69 %) sowie die Unsicherheit bezüglich der US-Außenpolitik und der globalen Führungsrolle (67 %) die größten geopolitischen Sorgen der Anleger sind. Rohstoff- und Energiepreisschocks (53 %), eine weitere geopolitische Eskalation (52 %) sowie ein wirtschaftlicher Abschwung oder eine Rezession (50 %) gelten als jene Ereignisse, die Portfolios im kommenden Jahr womöglich am stärksten beeinflussen. Die deutschen Befragten zeigen eine ähnliche Besorgnis über den Konflikt im Nahen Osten (70 %), während die Unsicherheit über die US-Außenpolitik und die globale Führungsrolle in Deutschland mit 84 % die höchste Bedeutung aller genannten geopolitischen Risiken hat.
Diversifikation (84 %) und der Schutz gegen Kursverluste/Kapitalerhalt (83 %) kristallisierten sich daher als die wichtigsten Prioritäten für die Portfoliosteuerung heraus, während fast die Hälfte der Investoren (47 %) angab, die geografische Diversifikation außerhalb der USA zu erhöhen. Unter den deutschen Befragten wurden Diversifikation und Kapitalerhalt gleichermaßen priorisiert (jeweils 81 %), während ein höherer Anteil als im globalen Durchschnitt – nämlich 58 % – angab, die geografische Diversifikation außerhalb der USA auszubauen.
Angesichts dieses zunehmend unsicheren Marktumfelds sind Investoren fest von der Rolle des aktiven Managements überzeugt: 85 % der Anleger sind zuversichtlich, dass es in den nächsten 12 bis 18 Monaten dabei helfen kann, ihre Anlageziele zu erreichen – etwa um Outperformance-Chancen zu nutzen, flexibel auf Unsicherheiten zu reagieren und Konzentrationsrisiken an den Aktienmärkten zu steuern. Bezeichnenderweise gab mehr als ein Drittel der Investoren (38 %) an, die Allokationen in aktives Management gezielt zu erhöhen, um das Konzentrationsrisiko durch Indexanlagen zu reduzieren. Deutsche Investoren teilen diese Überzeugung: 84 % vertrauen auf die Fähigkeit des aktiven Managements, ihre Ziele zu erfüllen. Ein etwas höherer Anteil als im globalen Durchschnitt – 42 % – will die Allokationen in aktiv gemanagten Strategien gezielt erhöhen, um das Konzentrationsrisiko zu mindern.
Johanna Kyrklund, Group Chief Investment Officer bei Schroders, sagt:
„In einer zunehmend volatilen Welt strukturieren Investoren ihre Portfolios um, um Diversifikation und Resilienz in den Mittelpunkt zu stellen und gleichzeitig geopolitische Risiken zu bewältigen. Es ist bezeichnend, dass unter diesen Umständen überwältigende 85 % der Investoren ihr Vertrauen bekundeten, dass aktive Manager ihnen in den nächsten 12 bis 18 Monaten dabei helfen können, diese Ziele zu erreichen.“
„In den letzten Jahren haben wir uns von einer globalisierten Welt, die anfällig für deflationäre Schocks war, hin zu einer geopolitisch fragmentierten Welt entwickelt, in der die Umstrukturierung von Lieferketten zu inflationären Schocks beitragen kann. Die Fähigkeit, selektiv vorzugehen, Risiken zu managen und dynamisch auf sich schnell verändernde Marktbedingungen zu reagieren, ist unser entscheidender Vorteil als aktiver Manager, um durch dieses unruhigere Fahrwasser zu navigieren.“
Aktive ETFs gewinnen an Dynamik, da Investoren Flexibilität und Effizienz suchen
Aktive börsengehandelte Fonds (ETFs) nehmen in Portfolios eine immer prominentere Rolle ein, da Investoren sie als wichtiges Instrument für Diversifikation (49 %), taktische Satellitenpositionierungen (42 %) sowie das Risikomanagement (33 %) nutzen.Geringere Kosten im Vergleich zu aktiven Publikumsfonds identifizierte die große Mehrheit der Anleger (70 %) als Hauptvorteil aktiver ETFs. Die Investoren hoben zudem Intraday-Liquidität und die Flexibilität im Handel (51 %), verbesserte Liquidität am Sekundärmarkt (43 %) sowie größere Portfoliotransparenz (41 %) als wichtige Vorteile hervor. Diese Attraktivität ist bei deutschen Anlegern noch ausgeprägter: 77 % nannten niedrigere Kosten als Hauptvorteil – über dem globalen Durchschnitt. Auch die einfache operative Handhabbarkeit von aktiven ETFs wird in Deutschland mit 56 % als Vorteil gesehen, verglichen mit 39 % weltweit.
Bei der Überlegung, in welchen Bereichen aktive Expertise innerhalb einer ETF-Struktur am wertvollsten ist, identifizierten die Investoren Small- und Mid-Cap-Aktien (37 %), Schwellenländeraktien (35 %) sowie thematische oder sektorale Strategien (34 %) als die Segmente mit den größten Chancen.
Ein ganzheitlicher Ansatz über Public und Private Equity hinweg
Die Umfrage deutet zudem darauf hin, dass Investoren bei ihren Investitionen in Unternehmensbeteiligungen einen ganzheitlicheren Ansatz über börsennotierte und private Märkte hinweg verfolgen. Die Hälfte der Investoren (50 %) gab an, dass sie Anlagechancen in Public und Private Equity nun gemeinsam bewerten, anstatt über getrennte Allokationsrahmen. In Deutschland ist dieser ganzheitliche Ansatz deutlich weiter verbreitet: 67 % der deutschen Investoren bewerten Public und Private Equity-Chancen mittlerweile gemeinsam in einem kombinierten Rahmen – weit über dem weltweiten Durchschnitt von 50 %.Investoren sehen ihre Strategien zunehmend im Kontext spezifischer Portfolioergebnisse und betrachten Eigenkapitalanlagen differenzierter. Aktive fundamentale Aktienstrategien (71 %), Small- und Mid-Cap-Strategien (65 %), Large-Cap-Buyout-Strategien (62 %) und Private Equity im Small- bis Mid-Cap-Bereich (59 %) wurden als entscheidend für die Erzielung langfristigen Kapitalwachstums identifiziert, während dividenden- oder ertragsfokussierte Aktien (74 %), Long/Short- oder marktneutrale Ansätze (33 %) sowie Multi-Asset-Strategien (31 %) als zentrale Lieferanten für stetige Erträge gelten. Speziell innerhalb von Private Equity hoben 61 % der Investoren langfristige Kapitalwachstumschancen bei Growth-Capital- und Venture-Capital-Strategien hervor.
Bemerkenswert ist, dass 60 % der Investoren, die regionale oder geografische Aktienstrategien nutzen, makroökonomische und geopolitische Unsicherheit als eine primäre Herausforderung bei ihren Allokationsentscheidungen nannten.
Über das gesamte Anlagespektrum hinweg lagen die Top-5-Anlageklassen der Investoren für risikoadjustierte Erträge über die nächsten 12 bis 18 Monate eng beieinander: dividendenstarke Aktien (Equity Income) (43 %), diversifizierende Engagements in Staatsanleihen (38 %), Unternehmensanleihen (35 %), High Yield (32 %) und forderungsbesicherte Wertpapiere/Securitised Credit (32 %). Das Ranking unterscheidet sich in Deutschland deutlich: High Yield sticht für deutsche Investoren als mit Abstand wichtigste Ertragsquelle hervor und wird von 60 % genannt – fast doppelt so viel wie der globale Durchschnitt von 32 %. Deutsche Befragte zeigen zudem weniger Appetit auf forderungsbesicherte Wertpapiere/Securitised Credit (19 % gegenüber 32 % weltweit).
Kreditallokationen weiten sich über öffentliche und private Märkte aus
Auch die Kreditallokationen (Credit) entwickeln sich weiter, da Investoren eine breitere Mischung aus Cashflow, Diversifikation, Resilienz und Renditechancen sowohl auf öffentlichen als auch auf privaten Märkten suchen.Innerhalb der öffentlichen Kreditmärkte betrachtet mehr als die Hälfte der Anleger (55 %) Investment-Grade-Unternehmensanleihen als attraktive Quelle für verlässliche reale Erträge, während 62 % der Befragten angaben, dass Distressed/Special Situations Credit in erster Linie als Quelle für die Alpha-Generierung angesehen werde. Zudem nannten 61 % der Befragten High-Yield-Anleihen und weitere 61 % Schwellenländeranleihen (Emerging Market Debt) als Alpha-Quellen.
Private Credit stößt weiterhin auf das Interesse der Investoren, da Portfolios nach diversifizierten Ertragsquellen und Renditepotenzialen verlangen. Investoren dieser Anlageklassen betrachten Direct Lending gleichermaßen als Quelle für verlässliche Erträge (44 %) wie auch für Alpha-Potenzial (44 %), während Investment Grade Private Credit primär als Lieferant für verlässliche Renditen (48 %) angesehen wird. Kapitalresilienz wurde ebenfalls als wichtiges Ziel für Private-Credit-Allokationen identifiziert, wobei 39 % dies als Haupttreiber für Engagements in Immobilien- und Infrastrukturfinanzierungen (Real Estate und Infrastructure Debt) hervorhoben. Deutsche Investoren in diesen Anlageklassen betrachten Direct Lending in erster Linie als Quelle für Alpha-Potenzial (55 % gegenüber 44 % weltweit), während verlässliche Erträge eine geringere Rolle spielen (41 %). Investment Grade Private Credit als Quelle für verlässliche Renditen wird von 56 % der deutschen Anleger in dieser Anlageklasse genannt und liegt damit leicht über dem globalen Wert.
Johanna Kyrklund fügt hinzu:
„Investoren passen ihre Portfolios an einen komplexeren und fragmentierteren Markt an. Die Diversifizierung über Regionen, Anlageklassen, Anlagestile und Anlagevehikel hinweg wird zunehmend wichtig, um Risiken zu managen und widerstandsfähige Portfolios aufzubauen. Ein ganzheitlicher Ansatz für Public und Private Assets verändert ebenfalls die Portfoliokonstruktion, wobei Anlageziele zunehmend durch die Brille eines Total Portfolio Ansatzes betrachtet werden und weniger durch traditionelle Benchmarks.“
Alexander Prawitz, Country Head Germany, Austria, CEE & Mediterranean, kommentiert:
„Die diesjährige Umfrage zeichnet ein klares Bild für Deutschland: Investoren navigieren durch eine erhöhte geopolitische Unsicherheit mit einem geschärften Fokus auf Portfolioresilienz und setzen vermehrt auf aktives Management. Dabei setzen 67 % der deutschen Investoren Public und Private Equity in ihren Portfolien ein, was weit über dem globalen Durchschnitt liegt. Daher ist es entscheidend, einen etablierten Partner an seiner Seite zu wissen, der dieses hohe Maß an Komplexität managen kann und die Risiken ganzheitlich im Blick hat.“
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