La Francaise AM | Inflationsrisiko kehrt zurück
François Rimeu, Senior Strategist, Crédit Mutuel Asset Management
Investmentfonds.de | Frankfurt am Main, 17.06.2026 - Die Lage rund um die Straße von Hormus ist nach wie vor schwer einzuschätzen. Zwar scheinen die Ölmärkte ein vorübergehendes Gleichgewicht gefunden zu haben, allerdings bleibt dessen Nachhaltigkeit ungewiss. Doch Öl ist nur ein Aspekt: Auch Düngemittel, Aluminium, Harnstoff und Flüssigerdgas (LNG) sind von einem globalen Versorgungsschock betroffen, der den Inflationsdruck wieder anheizt. Für die Zentralbanken erschwert das Risiko einer Entankerung der Inflationserwartungen die geldpolitischen Aussichten und schürt erneut Volatilität an den Anleihemärkten.
Nach den Inflationsschocks, die zunächst durch Corona und anschließend durch den Krieg zwischen Russland und der Ukraine ausgelöst wurden, sorgen die Spannungen im Nahen Osten nun für eine neue Welle. Die jüngsten Daten zeigen eine Inflationsrate im Euroraum von 3,2 % per Ende Mai 2026 (Quelle: EU-Harmonisierter Verbraucherpreisindex) - ein Wert, der in den kommenden Monaten bei anhaltendem Konflikt weiter steigen könnte. Ähnlich sieht es in den USA aus, wo die Inflation Ende Mai 2026 im Jahresvergleich 4,2 % erreichte (Quelle: Verbraucherpreisindex) – auch hier sind die Risiken weiterhin aufwärtsgerichtet.
Aus Sicht der Zentralbanken besteht nun die Gefahr, dass die Inflationserwartungen nach aufeinanderfolgenden wirtschaftlichen Schocks aus dem Ruder laufen. Dies würde die Entscheidungsträger dazu zwingen, ihre geldpolitischen Prognosen zu überdenken. Zuletzt hat die Europäische Zentralbank, die noch Ende Februar von einem weitgehend stabilen geldpolitischen Kurs ausgegangen war, die Zinsen angehoben und könnte dies – unter sonst gleichen Bedingungen – bis zum Jahresende noch ein- oder zweimal tun. Eine ähnliche Kehrtwende vollzieht sich derzeit bei der Federal Reserve. Die US-Notenbank hatte zuvor mögliche Zinssenkungen signalisiert, doch diese scheinen nun nicht mehr auf der Tagesordnung zu stehen.
Dieses Umfeld wiederum schürt die Unsicherheit an den Anleihemärkten und sorgt für einen erneuten Anstieg der Volatilität. Die 30-Tage-Volatilität der 10-jährigen US-Treasuries ist von rund 3,5 % vor dem Schock um die Straße von Hormus auf über 5 % gestiegen (Bloomberg, Stand: 12. Juni). Noch ausgeprägter war diese Entwicklung im Euroraum, wo die 30-Tage-Volatilität französischer 9-jähriger Staatsanleihen von rund 3 % auf über 8 % gestiegen ist (Bloomberg, Stand: 12. Juni).
Wird die Volatilität auf hohem Niveau bleiben? Das ist keineswegs sicher. Die Meerenge könnte schnell wieder geöffnet werden, und der Schock sich legen. Dennoch wird immer deutlicher, dass sich Anleger seit 2020 in einer Welt bewegen, in der die Inflation wieder zu einem strukturellen Risiko geworden ist – einem wahrscheinlich dauerhaften Risiko.
Vor diesem Hintergrund scheinen variabel verzinsliche Anleihen (Floating Rate Notes, FRNs) für das aktuelle Umfeld gut geeignet zu sein:
Die Kupons von FRNs werden regelmäßig, in der Regel vierteljährlich, neu festgesetzt und können so an Änderungen der Geldpolitik und höhere Zinsen angepasst werden; Ihre Zinssensitivität ist nach wie vor sehr gering, was zu einem minimalen Durationsrisiko führt; Das aktuelle Zinsniveau bietet historisch attraktive Renditen.
Im aktuellen Umfeld erscheinen variabel verzinsliche Anleihen zunehmend weniger als Alternative, sondern eher als naheliegende Wahl.
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