Capital | Rohölpreise fallen nach Meldung über Aufhebung der Iran-Sanktionen durch die USA
Kyle Rodda, Senior Finanzmarkt Analyst der Capital.com
- Wall Street reduziert Risiken vor der FOMC-Entscheidung
- FOMC hält Zinsen unverändert – alle Augen sind auf Warsh gerichtet
Investmentfonds.de | Angesichts der morgigen FOMC-Entscheidung reduziert die Wall Street ihre Risiken, wobei Technologiewerte den Markt belasten. Zyklische Werte entwickelten sich hingegen besser, begünstigt durch einen erneuten Einbruch der Rohölpreise, der die Aussichten für die weltweite Wirtschaftstätigkeit verbessert. Der Ölpreisrückgang folgt auf Berichte, wonach die USA im Rahmen des für Freitag geplanten Friedensabkommens die Sanktionen gegen iranisches Öl aufheben werden. Zwar sind die Einzelheiten des Abkommens noch vage, doch zeigten sich die Märkte zuversichtlich, dass die Straße von Hormus bald wieder geöffnet und sich die globalen Energiemärkte rasch normalisieren werden. Diese Dynamik hat zu einer massiven Bereinigung der Positionierungen geführt; dies dürfte sowohl das extreme Ausmaß der Kursbewegung als auch die Abschwächung der Korrelationen zwischen dem Ölpreis und anderen Märkten erklären.
Die nächste unmittelbar bevorstehende Hürde für die Marktteilnehmer ist die Entscheidung des FOMC. Es gilt als so gut wie sicher, dass die Zentralbank die Zinsen unverändert lassen wird. Dennoch werden die Märkte aus der Entscheidung wichtige Erkenntnisse ziehen, die Aufschluss über die künftige geldpolitische Ausrichtung geben. Es wird erwartet, dass das Abstimmungsergebnis eine deutliche Uneinigkeit innerhalb des Gremiums widerspiegelt. Zugleich dürfte die Zentralbank in ihrer Erklärung die bisher explizite Tendenz zu einer Lockerung der Geldpolitik aufgeben. Dies dürfte durch Anpassungen in den aktualisierten Wirtschaftsprognosen (Summary of Economic Projections) untermauert werden: Diese werden voraussichtlich höhere Inflationsprognosen sowie einen Anstieg des Medianwerts („Dot“) in den sogenannten „Dot Plots“ enthalten, da die Mitglieder ihre Prognosen für Zinssenkungen streichen und womöglich künftige Zinserhöhungen in Aussicht stellen.
Der wohl spannendste Aspekt dieser FOMC-Entscheidung ist die Pressekonferenz im Anschluss an die Sitzung – die erste unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh. Um eine Redewendung aus der Politik abzuwandeln: Warsh hat sich mit „Poesie“ um den Vorsitz beworben und für niedrigere Zinsen plädiert, womit er offensichtlich um die Gunst von Präsident Trump buhlte; angesichts der steigenden Inflation und seiner Vergangenheit als geldpolitischer „Falke“ stellt sich nun jedoch die Frage, ob Warsh im Amt eher „Prosa“ sprechen wird. Die Märkte werden versuchen, ein Gespür für Warshs geldpolitische Grundhaltung, seinen Führungsstil und seine Vorstellungen zur Fed zu bekommen – und zu beurteilen, ob diese eher für einen „taubenhaften“ oder „falkenhaften“ Kurs sprechen. Derzeit preisen die Märkte eine Wahrscheinlichkeit von rund 60 % für eine Zinserhöhung durch die Fed bis Jahresende ein.
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