Lazard AM | Asien entwickelt sich zum globalen Zentrum
James Donald, Portfoliomanager/Analyst und Leiter der Emerging Markets-Plattform bei Lazard Asset Management
- Robotik-Boom in den Emerging Markets
Investmentfonds.de - Frankfurt, 14.04.2026) Während generative künstliche Intelligenz zuletzt im Fokus stand, rückt zunehmend die nächste Entwicklungsstufe in den Blick: Physical AI, also Robotik. Besonders in Emerging Asia entstehen derzeit zentrale Wachstumszentren für diese Technologie, beobachtet James Donald, Portfoliomanager/Analyst und Leiter der Emerging Markets-Plattform bei Lazard Asset Management. Trotz der zuletzt gestiegenen geopolitischen Unsicherheit und kurzfristiger Belastungen für globale Lieferketten bleiben die strukturellen Wachstumstreiber im Bereich Robotik intakt.
„Der globale Robotikmarkt dürfte im kommenden Jahrzehnt stark wachsen, angetrieben durch Fortschritte in der künstlichen Intelligenz und die zunehmende Integration von KI in humanoide Roboter“, sagt Donald. Regional werde erwartet, dass der asiatisch-pazifische Raum das stärkste Wachstum verzeichnet: Nach Angaben des Instituts „Market Research Future“ dürfte sich der Robotikmarkt bis 2034 verdreifachen. Die Gründe für diese Dynamik seien vor allem struktureller Natur: Der steigende Arbeitskräftebedarf in Fabriken und Lagerhäusern im Zuge des boomenden E-Commerce, kombiniert mit den potenziellen Effizienzgewinnen durch Robotik in der Fertigung – etwa geringere Kosten, höhere Produktivität und bessere Qualität – würden die Entwicklung vorantreiben. Gleichzeitig würden Roboter in bevölkerungsreichen Ländern wie China, Japan und Südkorea dabei helfen, die Folgen alternder Gesellschaften und schrumpfender Erwerbsbevölkerungen abzufedern.
„Wir sehen bereits heute zahlreiche Unternehmen in Emerging Asia, die sich als globale Marktführer im Bereich Robotik etablieren und damit attraktive Chancen für Gesellschaft und Investoren schaffen“, erläutert Donald. Für Investoren sei dabei entscheidend, auf Unternehmen mit nachhaltigem Gewinnwachstum zu setzen.
China treibt Entwicklung voran
Eine zentrale Rolle spiele dabei China. „In einem Land mit mehr als sechs Millionen Fabriken, die jährlich eine Wirtschaftsleistung von rund vier Billionen US-Dollar generieren, was etwa 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht, unterstützt die Regierung den Sektor gezielt“, so Donald. Politische Maßnahmen, insbesondere die 2015 gestartete Initiative „Made in China 2025“, sollen das Land zum führenden Standort für Robotik machen, unter anderem durch steuerliche Anreize und Fördermaßnahmen für Produktion und Einsatz.
Darüber hinaus würden nationale und lokale Regierungen aktiv die Zusammenarbeit zwischen privatem und öffentlichem Sektor fördern. Zuletzt sei im März 2025 ein staatlich unterstützter, langfristig ausgerichteter Venture-Capital-Fonds mit einem Zielvolumen von 1,4 Billionen Yuan (rund 138 Milliarden US-Dollar) aufgelegt worden. Heute gelte China als der weltweit größte Hersteller von Robotern und habe Mitte 2024 rund zwei Drittel der weltweiten Robotik-Patente gehalten.
Auch in anderen Teilen Asiens werde die Entwicklung vorangetrieben. In Südkorea, das eine der am schnellsten alternden Bevölkerungen aufweise, habe die Regierung bereits 2008 begonnen, Robotik gezielt zu fördern, und seit 2009 alle fünf Jahre konkrete Ziele definiert. Das Land belege inzwischen weltweit den vierten Platz in der Herstellung von Industrierobotern und liege bei der Roboterdichte, gemessen an der Anzahl von Robotern pro 10.000 Beschäftigte, sogar auf Rang eins.
Auch über Nordasien hinaus entstünden in der Region neue Robotikzentren, von Hongkong über Singapur bis nach Indien. Die starke Nachfrage in sich industrialisierenden Volkswirtschaften sowie die fortschreitende Neuausrichtung von Lieferketten außerhalb Chinas unterstütze das Wachstum zusätzlich.
Automobilindustrie als zweiter Wachstumstreiber
Neben Industrieunternehmen spiele auch die Automobilindustrie eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Robotik in Emerging Asia. Fahrzeughersteller integrierten beispielsweise zentrale robotische Kerntechnologien wie Wahrnehmung, also das Erfassen der Umgebung, in ihre Fahrerassistenzsysteme, etwa für automatisches Bremsen oder Spurwechsel. Diese Technologien bildeten zugleich die Grundlage für autonomes Fahren und Robotaxis.
„Hersteller von Elektrofahrzeugen nutzen ihr technologisches Know-how zunehmend auch für die Entwicklung humanoider Roboter“, erklärt Donald. Während Tesla 2022 mit seinem Roboter Optimus große Aufmerksamkeit erregt habe, sei Xiaomi in China kurz darauf mit seinem Modell CyberOne gefolgt. Im vergangenen Dezember habe zudem BYD, der weltweit größte Hersteller von Elektrofahrzeugen, eine eigene Sparte für humanoide Roboter gegründet. Das Ziel: Effizienz und Präzision in den eigenen Fabriken steigern.
Auch Zulieferer der Automobilindustrie bringen ihre Expertise ein. So nutze etwa das in Taiwan ansässige Unternehmen Minth Group seine Kompetenzen im intelligenten Exterieur Design sowie seine globale Produktionsbasis, um Technologien wie integrierte Gelenkdesigns, Motorantriebe und drahtlose Ladelösungen für Roboter zu entwickeln.
„Die Kombination aus strukturellem Wachstum, staatlicher Förderung und technologischer Innovation macht Asien zum zentralen Schauplatz der globalen Robotik-Entwicklung“, so Donald abschließend.
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