Mediolanum | Fed unter Warsh: Auch Zurückhaltung ist ein Signal
Daniel Loughney, Anleihechef bei Mediolanum International Funds
Investmentfonds.de | Dublin, 17. Juni 2026. Die heutige Sitzung des Offenmarktausschusses der Federal Reserve (Fed) ist die erste unter dem Vorsitz von Kevin Warsh. Als Favorit von Präsident Trump dürfte Warsh geldpolitisch eher auf eine weniger restriktive Linie setzen. Wie er seinen geldpolitischen Ansatz im Offenmarktausschuss durchsetzen wird, dürfte sich erst allmählich zeigen. In seiner ersten Sitzung wird er das Gremium voraussichtlich noch nicht auf eine neue Linie festlegen. Dennoch gibt es einige Aspekte, die Anleger genau im Auge behalten sollten.
Weniger Forward Guidance, neuer Blick auf Inflation
„Weniger ist mehr“ oder, um Warsh zu zitieren, „zurück zur Langeweile“ – das ist das Ziel. Zielvorgaben weniger in den Fokus zu setzen, passt gut in das aktuelle politische Klima und zur Ansicht des neuen Vorsitzenden, dass der Markt seine eigenen Einschätzungen treffen sollte, statt auf die Prognosen der Notenbank zu setzen. Dies ist eine Veränderung, die sich sofort zeigen könnte.Auch bei der Inflation wird es einen neuen Ansatz geben. Warsh vertritt die Ansicht, sich stärker auf zugrunde liegende Kennzahlen zu konzentrieren. Er bevorzugt den sogenannten bereinigten Mittelwert der Dallas Fed gegenüber den eher konventionellen Kernkonsumausgaben der Privathaushalte – ein umstrittener Ansatz. Zudem ist er der Ansicht, dass strukturelle Faktoren vom Ausschuss nicht ausreichend berücksichtigt werden. Im Mittelpunkt stehen dabei seine Vorstellungen über die disinflationären Auswirkungen von künstlicher Intelligenz auf die Wirtschaft. Dazu gibt es derzeit viele Einzelbeobachtungen, aber nur wenige konkrete Belege.
Die Fed verfolgt demnach nun ein längerfristiges Ziel – statt des früheren Leitgedanken, eine wirtschaftliche Schrumpfung als Anlass für niedrigere Leitzinsen zu nutzen. Viele Mitglieder des Gremiums sehen jedoch große Unsicherheiten bezüglich der Finanzstabilität.
Erwartet der Markt zu viele Straffungen?
Diese Sitzung ist wichtig. Sie gibt Hinweise darauf, wie Warsh seine tendenziell lockerere geldpolitische Haltung mit der jüngsten, energiepreisbedingten Kosteninflation in Einklang bringt. Wahrscheinlich wird er in seiner Kommunikation bewusst vage bleiben und sich nicht auf den künftigen geldpolitischen Kurs festlegen. Das könnte ein Versuch sein, den Inflationsanstieg auszusitzen, statt mit einer aggressiveren Geldpolitik darauf zu reagieren. Das Risiko: Er könnte eine zu lockere geldpolitische Haltung vermitteln und Investoren auf die falsche Fährte locken.Ein unverbindlicher Ansatz dürfte keine nennenswerte Marktreaktion hervorrufen. Marktteilnehmer erwarten für diese Sitzung jedoch eine restriktivere Haltung, und der Markt preist eine Zinserhöhung in den nächsten zwölf Monaten ein. Sollte Warsh vor dem Hintergrund des deutlichen Rückgangs der Energiepreise in den letzten Tagen eine weniger restriktive Linie signalisieren, wird der Markt die eingepreiste Straffung allmählich wieder zurücknehmen.
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