Capital | Schwacher US-Arbeitsmarktbericht dämpft Erwartungen an baldige Zinserhöhungen der Fed
Kyle Rodda, Senior Finanzmarkt Analyst der Capital.com
- Technologiewerte belasten erneut die Wall Street; Chip-Aktien geben nach
Investmentfonds.de | Für die Wall Street verlief der Handelstag durchwachsen: Zunächst erhielt der Markt Auftrieb durch schwächer als erwartet ausgefallene US-Arbeitsmarktdaten, geriet dann jedoch wieder unter Druck durch eine Verkaufswelle bei Technologieaktien. Der Arbeitsmarktbericht bestätigte das Prinzip „schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“. Dass der Beschäftigungszuwachs im Juni mit 57.000 deutlich unter den erwarteten rund 114.000 lag, entkräftete das Argument einer erneuten Beschleunigung am US-Arbeitsmarkt. Verschärft wurde diese Einschätzung durch Abwärtskorrekturen der Beschäftigungszahlen der Vormonate; dies ließ Zweifel daran aufkommen, ob die relative Stärke der Einstellungsdynamik in der US-Wirtschaft der letzten drei Monate – die Erwartungen an baldige Zinssenkungen der Fed geschürt hatte – womöglich nur eine Illusion war. Die Marktbewertungen signalisieren weiterhin eine Zinserhöhung in den USA noch vor Jahresende. Allerdings sank die implizite Wahrscheinlichkeit hierfür infolge der Daten von zuvor rund 85 % auf 77 %. Besonders ins Gewicht fällt dabei der Rückgang der Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im laufenden Monat von etwa 30 % auf rund 18 %.
Trotz des nur moderaten Beschäftigungsaufbaus und der Abwärtskorrekturen bei den Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft (Non-Farm Payrolls) für den Vormonat sank die US-Arbeitslosenquote überraschend auf 4,2 %. Grund hierfür war ein Rückgang der Erwerbsquote – ein langfristiger Trend, der sich seit Beginn der zweiten Amtszeit von US-Präsident Trump infolge der Einwanderungspolitik beschleunigt hat. Die Daten enthielten zahlreiche widersprüchliche Informationen und lieferten womöglich mehr „Rauschen“ als aussagekräftige Signale, was sich besonders in den deutlichen Abwärtskorrekturen widerspiegelte. Für das Bureau of Labor Statistics wird es aufgrund verschiedener systemischer Probleme und veränderter Verhaltensweisen der Bevölkerung zunehmend schwieriger, den US-Arbeitsmarkt zuverlässig zu erfassen. Infolgedessen schwindet das Vertrauen in die Datenlage, was an den Märkten für größere Unsicherheit darüber sorgt, wie es um die US-Wirtschaft tatsächlich bestellt ist und in welche Richtung sich die Zinsen als Nächstes entwickeln dürften.
Trotz der „guten schlechten Nachrichten“ – die den US-Dollar unter Druck setzten und Anlagen wie Edelmetalle sowie weite Teile des US-Aktienmarktes beflügelten – belasteten Probleme im US-Technologiesektor die US-Indizes insgesamt. Berichte vom Vorabend, wonach Anthropic Gespräche über die eigene Chipfertigung führt, gaben dem Ausverkauf bei Chipaktien neuen Auftrieb und ließen die negativen Impulse auf den gesamten Technologiesektor übergreifen. Als eigentliche Ursache gelten Kostendruck und Wettbewerb, die Befürchtungen hinsichtlich schrumpfender Margen und sinkender Rentabilität schüren. Die eigentliche Bewährungsprobe steht in einigen Wochen an, wenn die US-Technologieriesen ihre Ergebnisse für das nächste Quartal vorlegen und Einblick in ihre Profitabilität, ihren Kapazitätsbedarf sowie die künftige Nachfrage nach Halbleitern gewähren.
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